Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation

Christian Doppler Labor für Eisenstoffwechsel und Anämieforschung an der Medizin Uni Innsbruck eröffnet

 

Im Hörsaal des Medizin Zentrums Anichstraße findet heute Nachmittag die Eröffnung des neuen „Christian Doppler Labors für Eisenmetabolismus und Anämieforschung“ unter der Leitung des Internisten und Infektiologen Univ.-Prof. Dr. Günter Weiss statt – das sechste seiner Art an der Medizinischen Universität Innsbruck.

Innsbruck, 31.1.2018: Heute wird an der Medizinischen Universität Innsbruck ein neues Christian Doppler Labor feierlich eröffnet. Seit 2015 konnte die Medizinische Universität Innsbruck damit  sechs dieser Stätten anwendungsorientierter Grundlagenforschung einrichten.

Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort  fördert innovative Grundlagenforschung

Christian Doppler Labors (CD-Labors) werden von der öffentlichen Hand und den beteiligten Unternehmen gemeinsam finanziert, wichtigster öffentlicher Fördergeber ist das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW).

„Grundlagenwissen zum Patienten zu bringen ist ein wichtiges Thema in der medizinischen Forschung“, sagt Wirtschaftsministerin Dr. Margarete Schramböck. „CD-Labors leisten dazu einen wertvollen Beitrag. Auf Basis der großen wissenschaftlichen Expertise der Medizinischen Universität Innsbruck und in Kooperation mit einem innovativen österreichischen Unternehmen wird ein wichtiges medizinisches Problem systematisch erforscht. Davon profitieren unsere Universitäten, der Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Österreich und vor allem die Patientinnen und Patienten.“ Ein großer Erfolg für die Medizinische Universität Innsbruck

CD-Labors sind Stätten herausragender Forschung, deren Einrichtung grundsätzlich an zwei Voraussetzungen geknüpft ist: Einerseits muss der konkrete Bedarf eines Unternehmens an Wissen und Know-how aus der anwendungsorientierten Grundlagenforschung bestehen, andererseits braucht es die Bereitschaft einer Wissenschafterin oder eines Wissenschafters, sich diesem unternehmerischen Bedarf langfristig zu öffnen. Diese Bedingungen sind im Fall des neuen „CD-Labors für Eisenmetabolismus und Anämieforschung“, das in den kommenden sieben Forschungsjahren mit rund 900.000 Euro (davon rund 450.000 von der öffentlichen Hand) gefördert wird, gegeben.

Univ.Prof. Dr. Reinhart Kögerler, Präsident der Christian Doppler Forschungsgesellschaft, gratuliert der Medizinischen Universität Innsbruck zum Wachstumskurs bei CD-Labors: „Der erfreuliche Anstieg der CD-Labors an der Medizinischen Universität Innsbruck auf mittlerweile sechs CD-Labors ist ein weiteres Zeichen dafür, dass dieses Fördermodell gut für Universitäten und gut für Unternehmen ist. Das passt auch zur aktuellen Evaluierung des Modells, der zufolge über 95% der LaborleiterInnen das Ausmaß des wissenschaftlichen Freiraums als gut bis sehr gut bezeichnen, und gleichzeitig fast 100% der Unternehmen die Forschungsarbeit als praxisnah beurteilen“.

„Das bestehende Forschungsumfeld hier am Standort und die Tatsache, dass das neue Labor mit Günter Weiss eine herausragende Expertise auf dem Gebiet der Anämieforschung mitbringt, sind ideale Voraussetzungen. Eingebettet in unseren immunologischen Forschungsschwerpunkt und ausgerichtet nach unserem translationalen Forschungsansatz sind innovative Ergebnisse zu erwarten, von denen die PatientInnen direkt profitieren“, freut sich der Rektor der Medizinischen Universität Innsbruck, Univ.-Prof. Dr. W. Wolfgang Fleischhacker.

Optimierung von Anämie- und Eisenmangeltherapien

Mehr als zwei Milliarden Menschen weltweit sind von einer Störung des Eisenstoffwechsels betroffen, die häufig zur Blutarmut (Anämie) führt, was negative Auswirkungen auf zahlreiche Stoffwechselprozesse, auf die kardiovaskuläre Leistungsfähigkeit, auf Wachstum und geistige Entwicklung bei Kindern und auf die Lebensqualität hat.  Der Erforschung verbesserter Optionen zur Diagnostik und Behandlung von Eisenstoffwechselstörungen und häufigen Anämien kommt deshalb besondere Bedeutung zu.

Eine Eisenmangelanämie entsteht durch ungenügende Eisenaufnahme im Rahmen einer Diät oder durch Eisenverlust bei Blutungen. Ein funktioneller Eisenmangel hingegen ist durch eine entzündungsgetriebene Speicherung des Metalls in Fresszellen, vor allem im Rahmen von Autoimmunerkrankungen, Infektionen und Krebserkrankungen,  und eine verminderte Eisenresorption aus der Nahrung bedingt, was zur Entwicklung der Anämie chronischer Erkrankungen (ACD) führt. Die bei der Eisenmangelanämie wirksame Substitutionstherapie greift im Zusammenhang mit der ACD nicht, da oral verfügbare Eisenpräparate aufgrund der Entzündung schlecht resorbiert werden und intravenöse Eisenpräparate primär von Fresszellen aufgenommen und gespeichert werden, womit Eisen nicht ausreichend für die Blutbildung verfügbar ist.

„Systemische Untersuchungen der therapeutischen Effektivität etablierter und neuer oraler und intravenöser Eisenpräparate bei Entzündungsprozessen sind essentiell, um  die ACD-Therapie zu optimieren und sekundäre Effekte dieser Medikamente  zu identifizieren.  Unsere Arbeit im neuen CD-Labor soll mit Unterstützung unseres Industriepartners AOP Orphan zur verbesserten Diagnose und Therapie von Eisenstoffwechselstörungen und ACD sowie zu einer Evaluierung des Effektes einer derartigen Therapie auf zugrunde liegende Erkrankungen beitragen“, erklärt Laborleiter Günter Weiss, der mit seinem Team auf eine über 25jährige Expertise in der Erforschung des Eisenstoffwechsels und der ACD aufbauen kann. Im Detail sollen die Pharmakologie und  Effektivität von oralen und intravenösen Eisentherapien vergleichend analysiert sowie auch Auswirkungen der verschiedenen Eisenpräparate auf die Modulierung der Zellatmung inklusive nachgeschalteter Stoffwechselwege sowie die Immunantwort untersucht werden. Anhand zweier spezifischer Erkrankungsmodelle soll außerdem geklärt werden, ob die Interaktion von Eisen mit verschiedenen Immuneffektorwegen Auswirkungen auf den Verlauf von auto-immunologischen Systemerkrankungen hat. Daneben stehen Veränderungen des Eisenstoffwechsels bei Infektionen mit spezifischen Pathogenen im Fokus. „Für die Handhabung einer Eisensupplementierung in Regionen mit Eisenmangel und hoher Exposition gegenüber Infektionen aber auch bei kritisch kranken Patienten im Krankenhaus ist es wichtig, zu erforschen, wie sich oral bzw. intravenös appliziertes Eisen klinisch auf den Infektionsverlauf auswirkt, da Eisen ein zentraler Wachstumsfaktor für viele Mikroben ist“, so Weiss, der im Labor auch spezifische Biomarker identifizieren will, um die optimale Therapie zur Anämiebehandlung zu identifizieren.

Hintergrund CD-Labors

In Christian Doppler Labors wird anwendungsorientierte Grundlagenforschung auf hohem Niveau betrieben, hervorragende WissenschafterInnen kooperieren dazu mit innovativen Unternehmen. Für die Förderung dieser Zusammenarbeit gilt die Christian Doppler Forschungsgesellschaft international als Best-Practice-Beispiel. Christian Doppler Labors werden von der öffentlichen Hand und den beteiligten Unternehmen gemeinsam finanziert. Wichtigster öffentlicher Fördergeber ist das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW).

 

Details zur Medizinischen Universität Innsbruck

Die Medizinische Universität Innsbruck mit ihren rund 1.400* MitarbeiterInnen und ca. 3.000 Studierenden ist gemeinsam mit der Universität Innsbruck die größte Bildungs- und Forschungseinrichtung in Westösterreich und versteht sich als Landesuniversität für Tirol, Vorarlberg, Südtirol und Liechtenstein. An der Medizinischen Universität Innsbruck werden folgende Studienrichtungen angeboten: Humanmedizin und Zahnmedizin als Grundlage einer akademischen medizinischen Ausbildung und das PhD-Studium (Doktorat) als postgraduale Vertiefung des wissenschaftlichen Arbeitens. An das Studium der Human- oder Zahnmedizin kann außerdem der berufsbegleitende Clinical PhD angeschlossen werden.

Seit Herbst 2011 bietet die Medizinische Universität Innsbruck exklusiv in Österreich das BachelorstudiumMolekulare Medizin“ an. Ab dem Wintersemester 2014/15 kann als weiterführende Ausbildung das Masterstudium „Molekulare Medizin“ absolviert werden.

Die Medizinische Universität Innsbruck ist in zahlreiche internationale Bildungs- und Forschungsprogramme sowie Netzwerke eingebunden. Schwerpunkte der Forschung liegen in den Bereichen Onkologie, Neurowissenschaften, Genetik, Epigenetik und Genomik sowie Infektiologie, Immunologie & Organ- und Gewebeersatz. Die wissenschaftliche Forschung an der Medizinischen Universität Innsbruck ist im hochkompetitiven Bereich der Forschungsförderung sowohl national auch international sehr erfolgreich.

*vollzeitäquivalent

 

 

Pressefotos zum Herunterladen:

Copyright: MUI/D.Heidegger

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 v.l.: Rektor W. Wolfgang Fleischhacker, Forschungs-Vizerektorin Christine Bandtlow, CD-Laborleiter Günter Weiss und Kurt Krejcy (AOP Orphan Pharmaceuticals AG).

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Günter Weiss leitet das neue CD-Labor.

 

Medienkontakt:

Mag.a Doris Heidegger
Innrain 52, 6020 Innsbruck, Austria
Telefon: +43 512 9003 70083
Medizinische Universität Innsbruck
Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit
public-relations@i-med.ac.atwww.i-med.ac.at

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