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Achtung: Sperrfrist 11.10. 2017, 00:30 (Mitteleuropäische Zeit) bzw. 10.10.2017, 23:30 (British Summer Time)

 

Welt-Adipositas-Tag am 11. Oktober

Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen: Weltweiter Anstieg seit 1975, Österreich liegt mit geringen Steigerungsraten im mitteleuropäischen Trend

  • Weltweit rasante Zunahme von kindlichem und jugendlichem Übergewicht seit 1975
  • Fettleibigkeit stagniert in den USA auf hohem Niveau, moderate Zunahme in Österreich
  • Im Länder-Ranking belegt Österreich bei Mädchen guten Mittelfeldplatz, bei Buben zeigt sich stärkere Gewichtszunahme

 

Sowohl Übergewicht als auch Untergewichtigkeit im Kindesalter haben negative Auswirkungen auf die lebenslange Gesundheit. Ziel einer soeben in The Lancet veröffentlichen weltweiten Studie war es, die Entwicklung von Über- und Untergewicht  bei Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und 19 Jahren in den vergangenen 40 Jahren zu erheben. Rechtzeitig zum bevorstehenden Welt-Adipositas-Tag liegen nun die weltweiten Trends und damit auch die Gewichts-Entwicklung österreichischer Kinder und Jugendlicher vor. An der Studie waren auch Tiroler ForscherInnen beteiligt.
Innsbruck, 10.10.2017: 2016 waren weltweit 124 Millionen (1,25%) Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 19 Jahren adipös (stark übergewichtig), 192 Millionen Kinder und Jugendliche waren untergewichtig. Bis 2022 sollen bei Fortsetzung dieses Trends weltweit mehr Kinder und Jugendliche stark übergewichtig als untergewichtig sein. Das errechnet eine soeben in The Lancet publizierte und unter der Leitung von Prof. Majid Ezzati vom Imperial College London und der Weltgesundheitsorganisation WHO durchgeführte Studie. Die Analyse von insgesamt 2.416 populations-basierten Studien aus 200 Ländern mit Daten von knapp 130 Millionen TeilnehmerInnen ist die größte, je durchgeführte epidemiologische Untersuchung. Die Berechnung des Übergewichts basiert in dieser Studie auf den Grenzwerten der WHO. Während bei Erwachsenen einheitlich ein Body Mass Index von über 30 kg/m2 als starkes Übergewicht bzw. Adipositas definiert wird, sind die Grenzwerte bei Kindern je nach Alter und Geschlecht unterschiedlich. So ist beispielsweise laut WHO bei einem 10-jährigen Mädchen starkes Übergewicht ab einem Body Mass Index von 22,7 kg/m2 gegeben.

Die Trends für Österreich im Detail
„Österreich liegt im weltweiten Vergleich des durchschnittlichen Body-Mass-Index (BMI) im mitteleuropäischen Trend, der in den vergangenen 40 Jahren eine stetige, aber mäßige Steigerung des Gewichts bei Kindern zwischen fünf und 19 ausweist“, erklärt Hanno Ulmer,  Biostatistiker an der Medizin Uni Innsbruck und Mitautor der weltweiten Studie. So hat der Anteil stark übergewichtiger bzw. adipöser Buben von 1975 mit 2,8 Prozent bis zum Jahr 2016 auf 11,3 Prozent zugenommen, im selben Zeitraum zeigt sich beim Anteil übergewichtiger Mädchen eine gegenüber den Buben geringere Steigerungsrate von 1,6 auf 6,1 Prozent. Österreich liegt damit unter den vergleichbaren Ländern (westliche Industrienationen) bei den Buben im Mittelfeld und bei den Mädchen im vorderen Drittel. Die Situation in Deutschland ist beispielsweise im Jahr 2016 mit 11,2% übergewichtigen Buben und 6,9% übergewichtigen Mädchen beinahe ident. Die Schweiz steht mit 7% übergewichtigen Buben und 4,6% übergewichtigen Mädchen dagegen deutlich besser da. Dramatisch schlechter ist die Situation in den USA mit 23,3% übergewichtigen Buben und 19,5% übergewichtigen Mädchen.

Untergewicht durch Mangelernährung ist vor allem in südasiatischen Ländern wie Indien oder einigen afrikanischen Staaten ein großes Problem. In Österreich sind lediglich 2,2% Prozent der Buben und 1,7% Prozent der Mädchen von moderatem bis starkem Untergewicht betroffen, wobei das Thema Untergewicht in den Industrieländern vor dem Hintergrund wachstumsbedingter Gewichtsentwicklung zu sehen ist.

Die Analyse der großen Datenmengen im Hinblick auf den BMI bzw. auf die Adipositas-Prävalenz in 200 Ländern wurde mittels eines eigens für diese Studien entwickelten hierarchischen „Bayes Modells“ durchgeführt. „Dieses Modell erlaubt es, auch für Länder mit geringen Studiendaten zum Gewichtsstatus, realistische Prävalenzschätzungen durchzuführen“, erklärt Statistik-Experte Ulmer.

Risikofaktor Übergewicht
Die berechneten Trends für Österreich basieren neben den Daten der Stellungskommissionen des österreichischen Bundesheeres sowie der HELENA (Healthy Lifestyle in Europe by Nutrition in Adolescence) Studie überwiegend auf Daten des Biostatistikers Hanno Ulmer von der Medizin Uni Innsbruck in Kooperation mit dem Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin in Bregenz sowie auf der EVA (Early Vascular Aging)-Studie (ein Teilprojekt des Tiroler COMET-Projekts VASCage, gefördert durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG) unter der Leitung von Ursula Kiechl-Kohlendorfer und Michael Knoflach, ebenfalls von der Medizin Uni Innsbruck. Die Neonatologin und der Neurologe erforschen im Rahmen der EVA-Studie die Einflüsse von ungesundem Lebensstil und daraus resultierendem Übergewicht auf mögliche Gefäßwandveränderungen und konnten seit Studienbeginn bereits über 2.000 Tiroler SchülerInnen untersuchen. „Ein erhöhter BMI bei Kindern kann schon früh zu einer Zunahme der Gefäßwanddicke führen und das Risiko, in späteren Jahren Arteriosklerose zu entwickeln, erhöhen. Die rechtzeitige Änderung von Lebensstil und Ernährung ist jedoch eine effektive Maßnahme, um dieses Risiko wieder zu senken“, wissen Kiechl-Kohlendorfer und Knoflach. Aus epidemiologischen Studien ist bekannt, dass bei Erwachsenen ab einem BMI von 27 ein Ansteigen des kardiovaskulären Risikos zu verzeichnen ist. Mit der Gewichtszunahme steigt auch bei Kindern die Prävalenz der Entwicklung von Diabetes, der wiederum das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen erhöht.

Unter http://www.ncdrisc.org/data-visualisations-adiposity-ado.html können Trends und Zahlen zum BMI bei Kindern und Jugendlichen weltweit und für einzelne Länder in visualisierter Form abgerufen werden.

 

Link zur Forschungsarbeit: http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)32129-3/fulltext?elsca1=tlpr

 

Details zur Medizinischen Universität Innsbruck
Die Medizinische Universität Innsbruck mit ihren rund 1.400* MitarbeiterInnen und ca. 3.000 Studierenden ist gemeinsam mit der Universität Innsbruck die größte Bildungs- und Forschungseinrichtung in Westösterreich und versteht sich als Landesuniversität für Tirol, Vorarlberg, Südtirol und Liechtenstein. An der Medizinischen Universität Innsbruck werden folgende Studienrichtungen angeboten: Humanmedizin und Zahnmedizin als Grundlage einer akademischen medizinischen Ausbildung und das PhD-Studium (Doktorat) als postgraduale Vertiefung des wissenschaftlichen Arbeitens. An das Studium der Human- oder Zahnmedizin kann außerdem der berufsbegleitende Clinical PhD angeschlossen werden.
Seit Herbst 2011 bietet die Medizinische Universität Innsbruck exklusiv in Österreich das BachelorstudiumMolekulare Medizin“ an. Seit dem Wintersemester 2014/15 kann als weiterführende Ausbildung das Masterstudium „Molekulare Medizin“ absolviert werden.
Die Medizinische Universität Innsbruck ist in zahlreiche internationale Bildungs- und Forschungsprogramme sowie Netzwerke eingebunden. Schwerpunkte der Forschung liegen in den Bereichen Onkologie, Neurowissenschaften, Genetik, Epigenetik und Genomik sowie Infektiologie, Immunologie & Organ- und Gewebeersatz. Die wissenschaftliche Forschung an der Medizinischen Universität Innsbruck ist im hochkompetitiven Bereich der Forschungsförderung sowohl national auch international sehr erfolgreich.

*vollzeitäquivalent

 

 

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Copyright MUI

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v.l.: Die Tiroler WissenschafterInnen Hanno Ulmer, Ursula-Kiechl-Kohlendorfer und Michael Knoflach haben an der weltweit größten epidemiologischen Studie zu den Trends bei Übergewicht von Kindern und Jugendlichen mitgearbeitet.

 

Für Rückfragen:

ao.Univ.-Prof. Mag.Dr. Hanno Ulmer
Sektion für Medizinische Statistik und Informatik
Tel.: +43 512 9003 72900
E-Mail: Hanno.Ulmer@i-med.ac.at

Univ.Prof.in Dr.in Ursula Kiechl-Kohlendorfer
Universitätsklinik für Pädiatrie II
Tel.: +43 50 504 27307
E-Mail: Ursula.Kohlendorfer@i-med.ac.at

Medienkontakt:
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Öffentlichkeitsarbeit Medizinische Universität Innsbruck
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