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Doppelerfolg: Zwei neue Christian Doppler Labors für die Medizinische Universität Innsbruck

Mit der Eröffnung von gleich zwei neuen Christian Doppler Labors startet die Medizinische Universität Innsbruck besonders erfolgreich ins neue Jahr. Die offizielle Doppel-Eröffnung des neuen „CD-Labors für Krebsimmuntherapie mit pharmakologischem NR2F6 Inhibitor“ (Leiter: Univ.-Prof. Dr. Gottfried Baier) und des „CD-Labors für Mukosale Immunologie“ (Leiter: Assoz.Prof. PD Dr. Alexander Moschen) fand heute im Beisein der Landesräte Patrizia Zoller-Frischauf und Bernhard Tilg sowie des Präsidenten der Christian-Doppler-Forschungsgesellschaft statt. 

Innsbruck, 19.01.2017: Die Christian Doppler Forschungsgesellschaft (CDG) hat Ende des vergangenen Jahres zwei neue Christian Doppler Forschungslabors an der Medizinischen Universität Innsbruck genehmigt, die heute feierlich eröffnet werden. CD-Labors werden von der öffentlichen Hand und den beteiligten Unternehmen gemeinsam finanziert, wichtigster öffentlicher Fördergeber ist das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW). „In unseren CD-Labors kooperieren hervorragende Wissenschaftler mit innovativen Unternehmen. Das schafft Arbeitsplätze und ergibt einen Mehrwert für die Gesellschaft“, sagt Vizekanzler und Bundesminister Dr. Reinhold Mitterlehner. „In  der Medizin führt Grundlagenforschung zu einem immer besseren Verständnis von Krankheiten. Die Kooperation mit Unternehmenspartnern ermöglicht spezifischere Behandlungsmethoden mit besseren Ergebnissen.  Davon profitieren alle beteiligten Partner und vor allem die Patientinnen und Patienten.“
Mit den neuen CD-Labors gibt es an der Medizinischen Universität Innsbruck nun insgesamt vier dieser anwendungsorientierten und innovativen Forschungsprojekte.

Wissenschafts-, Forschungs- und Wirtschaftsministerium  fördert innovative Grundlagenforschung

CD-Labors sind Stätten herausragender Forschung, deren Einrichtung grundsätzlich an zwei Voraussetzungen geknüpft ist: Einerseits muss der konkrete Bedarf eines Unternehmens an Wissen und Know-how aus der anwendungsorientierten Grundlagenforschung bestehen, andererseits braucht es die Bereitschaft einer Wissenschafterin oder eines Wissenschafters, sich diesem unternehmerischen Bedarf langfristig zu öffnen. Diese Bedingungen sind sowohl im Fall des neuen CD-Labors für pharmakologische Krebsimmuntherapie, das in den kommenden sieben Forschungsjahren mit rund 2,2 Mio. Euro (davon 1,1 Mio. von der öffentlichen Hand) gefördert wird, wie auch für das CD-Labor für Mukosale Immunlogie, das mit insgesamt rund 800.000 Euro (davon rund 400.000 von der öffentlichen Hand) unterstützt wird,  gegeben. „Wir sind stolz darauf, innerhalb von zwei Jahren vier neue CD-Labors erreicht zu haben. Die Ausrichtung der beiden neuen Labors fügt sich zudem ideal in das bestehende Forschungsumfeld am Medizin-Standort Tirol und den onkologisch-immunologischen Forschungsschwerpunkt der Medizinischen Universität Innsbruck ein“, betont Rektorin o.Univ.-Prof.in Dr.in Helga Fritsch.

Paradigmenwechsel: Immunonkologie „made in Austria“

Trotz großer klinischer Therapierfolge bei Haut- und Lungenkrebs durch sog. „Immun–Checkpoint-Inhibitoren“ – diese speziell entwickelten monoklonalen Antikörper richten sich gegen die Oberflächenmoleküle CTLA-4 und PD-1 auf der Immunzelle – steckt die Krebsimmuntherapie noch in den Kinderschuhen. Krebs-Immuntherapeutika wird wegweisendes Potenzial zugeschrieben, trotz biotechnologisch aufwendiger und teurer Herstellung und nur begrenzter Einsetzbarkeit. Mit seinem Forschungsteam gilt Gottfried Baier als Pionier der Krebsimmuntherapie und begründete den „österreichischen Weg“, der sich auf Immun-Checkpoints im Inneren von Zellen fokussiert. Im Zentrum seines CD-Labors steht der Transkriptionsfaktor NR2F6 (Nuclear receptor subfamily 2, group F, member6), ein innovatives Zielmolekül zur Bekämpfung des Primärtumors sowie dessen Metastasen. „NR2F6 ist ein zentraler Immunregulator im Tumorgewebe, der ähnlich wie CTLA-4 und PD-1 von den Krebszellen genutzt wird, um ihrer Zerstörung durch das Immunsystem zu entgehen. Mit seiner funktionellen Liganden-Bindungsdomäne besitzt er aber eine biologische Zielstruktur, die direkt von niedermolekularen Medikamenten pharmakologisch beeinflussbar ist“, erklärt Baier, der sich gemeinsam mit dem japanischen BigPharma Partner Daiichi Sankyo auf die zielgerichtete Suche nach einem entsprechenden NR2F6-Hemmstoff begibt. „Einmal etabliert, bietet diese nächste Generation von Immun-Checkpoint-Inhibitoren, die Chance eines von Krankenkassen bezahlbaren Therapieansatzes, der auch weit fortgeschrittene Krebserkrankungen über lange Zeit und bei guter Lebensqualität der Betroffenen beherrschen lässt“, betont Baier.

Neue Wege zu gezielteren CED-Therapien

Vor dem Hintergrund einer weltweit zunehmenden Inzidenz chronisch entzündlicher Darmerkrankungen (CED) kommt der Erforschung der zugrundeliegenden entzündungsbiologischen Mechanismen an der Darmschleimhaut, der Grenze zwischen dem größten mikrobiellen Habitat des menschlichen Körpers – der Mikrobiota – und dem sterilem Körperinneren eine besondere Bedeutung zu. Ziel des neuen, von Alexander Moschen geleiteten CD-Labors ist es, die biologische Rolle des Proteins IFIH1 (interferon induced with helicase C domain 1) bei mukosalen Entzündungsvorgängen aufzuklären. IFIH1 wurde erst kürzlich als genetisches Risikogen für den Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa identifiziert. IFIH1 gehört funktionell zu einer Gruppe von Molekülen, die der Erkennung intrazellulärer Viren- und wohl auch Bakterienbestandteilen dient und ist somit ein Sensor für die Integrität der Darmbarriere. Um das Verständnis der Rolle von IFIH1 in der Pathophysiologie von CED zu erweitern, sollen im Rahmen des CD-Labors Mausmodelle in IFIH1-defizienten Tieren charakterisiert, molekulare Signalwege entschlüsselt und der Einfluss von IFIH1-Defizienz auf die bakterielle und virale Zusammensetzung der intestinalen Mikrobiota analysiert werden. „Gemeinsam mit dem Pharmaunternehmen AbbVie GmbH möchten mein Team und  ich mit den gewonnenen Daten hinsichtlich neuer molekularer Mechanismen den Weg zu neuen spezifischeren Therapien für unsere CED-PatientInnen ebnen“, beschreibt Alexander Moschen das erklärte Projektziel.

Hintergrund CD-Labors

In Christian Doppler Labors wird anwendungsorientierte Grundlagenforschung auf hohem Niveau betrieben, hervorragende WissenschafterInnen kooperieren dazu mit innovativen Unternehmen. Für die Förderung dieser Zusammenarbeit gilt die Christian Doppler Forschungsgesellschaft international als Best-Practice-Beispiel.

Christian Doppler Labors werden von der öffentlichen Hand und den beteiligten Unternehmen gemeinsam finanziert. Wichtigster öffentlicher Fördergeber ist das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW).

Weitere Statements:

LR Bernhard Tilg: „Die forschungsstarken Tiroler Hochschulen sind ein klarer Vorsprung im Wettbewerb der Regionen. Wir bauen diesen aus, wenn wir die Ergebnisse aus der akademischen Forschung rascher als anderenorts auf Märkten umsetzen. Vorbildhaft gelingt das unseren Universitäten und Fachhochschulen über kollaborative Forschung in bundesgeförderten Christian Doppler Labors und Josef Ressel Zentren. Entsprechend freue ich mich über die heutige Eröffnung von zwei neuen CD Labors an der Medizinischen Universität Innsbruck und wünsche allen Beteiligten viel Erfolg.“

LRin Patrizia Zoller-Frischauf: „Tirol ist mit einer Forschungsquote von 3,12 Prozent eine der führenden Innovationsregionen Europas. Unseren Klein- und Mittelbetrieben aller Branchen bietet vor allem die enge Zusammenarbeit mit den heimischen Forschungseinrichtungen eine tolle Chance auf echten Technologievorsprung. Um anwendungsorientierte Fragen der Grundlagenforschung zu klären, stehen die attraktiven Fördermodelle Christian Doppler Labors und Josef Ressel Zentren zur Verfügung. Namhafte heimische Unternehmen sind bereits dabei. Ich freue mich, wenn noch mehr Tiroler Betriebe einsteigen und gemeinsam mit Partnern aus Universitäten und Fachhochschulen in Innovation und Zukunft investieren.“

Univ.-Prof. Dr. Reinhart Kögerler, Präsident der CDG:Die Zusammenarbeit von universitärer Grundlagenforschung und Unternehmen in CD-Labors bringt für beide Seiten Vorteile. Zu erwarten sind wissenschaftliche Fortschritte und technische Innovationen, aber auch eine Stärkung der internationalen Bedeutung der medizinischen Universität Innsbruck im spannenden neuen Forschungsfeld der Krankheitsbekämpfung durch Immunforschung.“

 

 

 

Details zur Medizinischen Universität Innsbruck

Die Medizinische Universität Innsbruck mit ihren rund 1.400* MitarbeiterInnen und ca. 3.000 Studierenden ist gemeinsam mit der Universität Innsbruck die größte Bildungs- und Forschungseinrichtung in Westösterreich und versteht sich als Landesuniversität für Tirol, Vorarlberg, Südtirol und Liechtenstein. An der Medizinischen Universität Innsbruck werden folgende Studienrichtungen angeboten: Humanmedizin und Zahnmedizin als Grundlage einer akademischen medizinischen Ausbildung und das PhD-Studium (Doktorat) als postgraduale Vertiefung des wissenschaftlichen Arbeitens. An das Studium der Human- oder Zahnmedizin kann außerdem der berufsbegleitende Clinical PhD angeschlossen werden.

Seit Herbst 2011 bietet die Medizinische Universität Innsbruck exklusiv in Österreich das BachelorstudiumMolekulare Medizin“ an. Ab dem Wintersemester 2014/15 kann als weiterführende Ausbildung das Masterstudium „Molekulare Medizin“ absolviert werden.

Die Medizinische Universität Innsbruck ist in zahlreiche internationale Bildungs- und Forschungsprogramme sowie Netzwerke eingebunden. Schwerpunkte der Forschung liegen in den Bereichen Onkologie, Neurowissenschaften, Genetik, Epigenetik und Genomik sowie Infektiologie, Immunologie & Organ- und Gewebeersatz. Die wissenschaftliche Forschung an der Medizinischen Universität Innsbruck ist im hochkompetitiven Bereich der Forschungsförderung sowohl national auch international sehr erfolgreich.

*vollzeitäquivalent

 

Pressebilder zum Download

(c) MUI/F.Lechner

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Freuten sich über die neuen CD-Labore: Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf, CD-Labor-Leiter Alexander Moschen (Mukosale Immunologie), Rektorin Helga Fritsch, CD-Labor Leiter Gottfried Baier (Krebsimmuntherapie), CDG-Präsident Reinhard Kögerler,
Generalsekretärin CD-Forschungsgesellschaft Judith Brunner, Landesrat Bernhard Tilg, Vizerektorin Christine Bandtlow. (v. li.)

Für Rückfragen:

Labor für Krebsimmuntherapie
Univ.-Prof. Dr. Gottfried Baier
Sektion für Zellgenetik
Tel.: +43 512 9003 70514
E-Mail: Gottfried.Baier@i-med.ac.at

Labor für Mukosale Immunologie
Ass.-Prof. PD Dr. Alexander Moschen PhD
Universitätsklinik für Innere Medizin I
Tel.: +43 50 504 23374
E-Mail: Alexander.Moschen@i-med.ac.at

 

Medienkontakt:

Mag.a Doris Heidegger
Medizinische Universität Innsbruck
Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit
Innrain 52, 6020 Innsbruck, Austria
Telefon: +43 512 9003 70083, Mobil: +43 676 8716 72083
public-relations@i-med.ac.at, www.i-med.ac.at

 

 

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