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Neue Erkenntnisse zur Therapie des Helicobacter-Keims und der Mikrobiota werden in Innsbruck präsentiert

  • Helicobacter-Therapie: Resistenzbildung wird zur Herausforderung
  • Keimwelt im Darm könnte bei Krebsentstehung eine Rolle spielen
  • Stuhltransplantationen: Therapie der Zukunft bei Lebererkrankungen oder Diabetes?

Nach dem Karies-Erreger ist der „Helicobacter pylori“ der häufigste pathogene Keim der Menschheit. Fast 90 Prozent der PatientInnen mit einem Magenkarzinom hatten zuvor eine Infektion mit diesem Bakterium. Auch in der komplexen Darmwelt des Menschen, der Mikrobiota, wird die Ursache für Krebserkrankungen vermutet. Ab Donnerstag treffen sich in Innsbruck internationale Top-ForscherInnen, um über die aktuellsten Erkenntnisse und Therapien zu diskutieren.

Innsbruck, 03.09.2019: Als der Helicobacter-Keim in den 1980iger Jahren per Zufall entdeckt wurde, ging die Fachwelt noch davon aus, dass im sauren Milieu der Magenschleimhaut keine Bakterien wachsen können. Der Pathologe Robin Warren und der medizinische Registrator Barry Marshall, beide forschten in Australien, erhielten 2005 den Nobelpreis für ihre überraschende Entdeckung von „Helicobacter pylori“. Pioniere auf diesem Gebiet gründeten 1987 in Europa eine renommierte Studiengruppe zur Erforschung des Erregers, die bis heute besteht. Seit 2018 ist Herbert Tilg, Direktor der Univ.-Klinik für Innere Medizin I, Vorsitzender der „Europäischen Helicobacter und Mikrobiota Studiengruppe“ (EHMSG). Tilg ist derzeit der einzige Experte aus Österreich im Vorstand der EHMSG. Auf Grund der rasanten Forschungsergebnisse zur Keimwelt des Darms, hat sich das Forschungsziel der renommierten Vereinigung mittlerweile um das Themengebiet Mikrobiota erweitert. Jährlich findet ein Treffen statt, bei dem sich internationale Top-ExpertInnen über neue Erkenntnisse und Therapiemöglichkeiten austauschen. Dieses Meeting mit 500 bis 600 TeilnehmerInnen aus aller Welt findet vom 5. bis 7. September erstmals in Innsbruck statt.

Helicobacter-Therapie: Massiver Rückgang von Magengeschwüren
Für die meisten Menschen ist eine Helicobacter-Infektion harmlos. Nur bei einem aus sechs Betroffenen kommt es in der Folge zu einer Magenerkrankung wie einer Entzündung, einem Geschwür oder Krebs. Die Übertragung folgt von Mensch zu Mensch. „Der gesteigerte Hygienestandard hat hierbei in den letzten Jahrzehnten zu einem Rückgang der Infektionsrate geführt. Auch die Behandlungsmöglichkeiten sind sehr gut, es gibt daher wesentlich weniger Magengeschwüre, die noch durch diesen Erreger verursacht sind“, erklärt Herbert Tilg. Die Behandlung der Infektion erfolgt mit mehreren Antibiotika. „Dabei stellt die Bildung von Resistenzen derzeit eine der größten Herausforderung dar“, sagt Tilg. Mehrere Vorträge beim EHMSG-Meeting in Innsbruck beschäftigen sich daher mit diesem Thema. Auch der Forschungsbedarf ist noch sehr groß. „Wir können noch nicht vorhersagen, wer nach einer Helicobacter-Infektion erkrankt und wer nicht.“ Dabei ist diese Erkenntnis sehr wichtig, denn fast 90 Prozent der PatientInnen mit einem Magen-Karzinom hatten zuvor eine Helicobacter-Infektion.

Mikrobiota: Welche Rolle spielt die Keimwelt bei Krebserkrankungen?
Jeder Mensch hat rund ein Kilogramm an Keimen in seinem Darm. „Die Erforschung der Mikrobiota ist weltweit eines der wichtigsten Forschungsthemen. Es gibt zunehmend Hinweise, dass die gastrointestinale Mikrobiota auch bei verschiedenen Krebsformen im Verdauungstrakt, eine Rolle spielt“, sagt Herbert Tilg. Weitere Forschungsergebnisse dazu tragen dazu bei, dass Krebserkrankungen der Speiseröhre, des Magen oder Dickdarms zukünftig besser therapiebar werden könnten.

Stuhltransplantationen bei Diabetes, Lebererkrankung und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
Bei der Stuhltransplantation wird möglichst frischer Stuhl eines gesunden Menschen mit Kochsalzlösung erst verdünnt und dann gefiltert, um grobe Anteile zu entfernen und dann im Rahmen einer Darmspiegelung in den Verdauungstrakt eingebracht. „Wir haben hier die Hoffnung, dass wir zukünftig mit dieser Methode vielen Betroffenen helfen können. Nach neuesten Erkenntnissen könnten Patientinnen und Patienten mit Diabetes, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und mit Lebererkrankungen profitieren. Das ist ein aktuell sehr stark diskutiertes Thema in der Fachwelt, daher beschäftigen sich sehr viele der Vorträge bei unserem Meeting in Innsbruck mit Stuhltransplantationen.“ Derzeit wird diese Behandlungsmethode bereits bei einigen wenigen Darmerkrankungen erfolgreich angewendet. „Allerdings müssen wir noch besser verstehen, warum die Behandlung erfolgreich ist, bevor sie bei weiteren Erkrankungen eingesetzt werden kann“, sagt der Experte.

Weitere Informationen:
European Helicobacter and Microbiota Study Group

Interviewmöglichkeit:
Herbert Tilg steht am Donnerstag, den 5. September 2019 zwischen 12:00 Uhr und 13:00 Uhr für Telefoninterviews und persönliche Gespräche zur Verfügung.

 

Details zur Medizinischen Universität Innsbruck

Die Medizinische Universität Innsbruck mit ihren rund 2.000 MitarbeiterIinnen und ca. 3.000 Studierenden ist gemeinsam mit der Universität Innsbruck die größte Bildungs- und Forschungseinrichtung in Westösterreich und versteht sich als Landesuniversität für Tirol, Vorarlberg, Südtirol und Liechtenstein. An der Medizinischen Universität Innsbruck werden folgende Studienrichtungen angeboten: Humanmedizin und Zahnmedizin als Grundlage einer akademischen medizinischen Ausbildung und das PhD-Studium (Doktorat) als postgraduale Vertiefung des wissenschaftlichen Arbeitens. An das Studium der Human- oder Zahnmedizin kann außerdem der berufsbegleitende Clinical PhD angeschlossen werden.

Seit Herbst 2011 bietet die Medizinische Universität Innsbruck exklusiv in Österreich das BachelorstudiumMolekulare Medizin“ an. Seit dem Wintersemester 2014/15 kann als weiterführende Ausbildung das Masterstudium „Molekulare Medizin“ absolviert werden.

Die Medizinische Universität Innsbruck ist in zahlreiche internationale Bildungs- und Forschungsprogramme sowie Netzwerke eingebunden. Schwerpunkte der Forschung liegen in den Bereichen Onkologie, Neurowissenschaften, Genetik, Epigenetik und Genomik sowie Infektiologie, Immunologie & Organ- und Gewebeersatz. Die wissenschaftliche Forschung an der Medizinischen Universität Innsbruck ist im hochkompetitiven Bereich der Forschungsförderung sowohl national auch international sehr erfolgreich.

 

Public Relations und Medien

Pressebild zum Herunterladen:

Portraitbild Herbert Tilg
(c) Gerhard Berger

Medienkontakt:

Barbara Hoffmann-Ammann
Medizinische Universität Innsbruck
Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit
Innrain 52, 6020 Innsbruck, Austria
Telefon: +43 512 9003 71830
public-relations@i-med.ac.at

 

 

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Barbara Hoffmann-Ammann
Medizinische Universität Innsbruck
Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit
Innrain 52, 6020 Innsbruck, Austria
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