Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation

Dreiländer-Tagung „Phoniatrie“ mit Festakt zu 50 Jahre Phoniatrie-Lehrstuhl in Innsbruck:

Im Fokus: Was tun bei einseitiger kindlicher Hörstörung?

Wenn sich die Deutsche und die Schweizer Gesellschaft sowie die Österreichische Sektion für Phoniatrie von 20. bis 23. September 2018 zur Dreiländertagung im Innsbrucker Centrum für Chemie und Biomedizin (CCB) treffen, gibt es neben dem Austausch aktueller Erkenntnisse rund um Hör-, Stimm- und Sprachstörungen auch ein Jubiläum zu feiern: Vor 50 Jahren wurde in Innsbruck der erste europäische Lehrstuhl für Phoniatrie und Audiologie eingerichtet.

Innsbruck, am 18. September 2018: Rund 300 TeilnehmerInnen aus dem deutschsprachigen Raum kann Kongresspräsident Patrick Zorowka, Leiter der Innsbrucker Universitätsklinik für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen (HSS) zur Tagung in Innsbruck erwarten. Bereits zum vierten Mal halten die drei deutschsprachigen Fachgesellschaften für Phoniatrie (Stimm-, Sprach- und Sprechstörungen) und Pädaudiologie (kindliche Hörstörungen) ihre wissenschaftliche Jahrestagung als  gemeinsame Dreiländertagung ab – in diesem Jahr in Innsbruck, wo auf eine besonders große Expertise auf dem Gebiet der kindlichen Hörstörungen verwiesen werden kann.

Neuregelung des Neugeborenen-Hörscreenings in Österreich

So wurde das 2018 neu verabschiedete Konzeptpapier zum österreichweiten Neugeborenen-Hörscreening, das sich als Durchführungsrichtlinie an alle HNO-ÄrztInnen richtet, vorwiegend von ExpertInnen der Innsbrucker HSS-Klinik ausgearbeitet. Diese Vorreiter-Rolle nimmt der Standort Innsbruck bereits seit mehreren Jahrzehnten ein. Immerhin wurde das Neugeborenen-Hörscreening in Österreich als einem der ersten Länder Europas bereits ab 1995 flächendeckend eingeführt (Millstätter Konzept), andere Länder folgten dieser Vorsorge-Maßnahme erst einige Jahre später.

Bei Hörstörungen handelt es sich um die häufigsten angeborenen Erkrankungen. „Eines von tausend Neugeborenen hat eine Hörstörung, bei einigen davon wird eine einseitige Taubheit diagnostiziert. Eine frühzeitige Diagnose und Intervention sind für die lautsprachliche und in der Folge auch psychische und soziale Entwicklung daher besonders wichtig“, betont Phoniatrie-Experte Patrick Zorowka, der die Spezialdisziplin bzw. den Lehrstuhl für Phoniatrie an der Medizin Uni Innsbruck mit der Etablierung modernster Diagnostik- und Therapieverfahren über die Grenzen hinweg sichtbar gemacht hat.

Noch vor zehn Jahren führte die Diagnose Schwerhörigkeit oder Taubheit auf einem Ohr nicht in jedem Fall zu therapeutischen Maßnahmen. Vielmehr herrschte unter MedizinerInnen die Meinung, dass ein Ohr für den Spracherwerb und -gebrauch und damit für eine gesunde Entwicklung des Kindes ausreiche. Die Antwort auf diese Diagnose wird in Fachkreisen inzwischen kontrovers diskutiert. Denn neue Studien belegen, dass einseitig taube oder hörgestörte Kinder ohne Therapie durchaus Defizite entwickeln, etwa die fehlende Fähigkeit, den Schall lokalisieren zu können. Diese ist aber im Alltag wichtig, etwa im Straßenverkehr oder beim Sprachverstehen in geräuschvoller Umgebung. „Der Vorteil einer frühen Intervention mit Cochlea-Implantat liegt darin, dass das taube Ohr von Beginn an geschult wird. Eine derartige Aktivierung ist bei älteren Kindern nicht mehr möglich“, plädiert Zorowka für eine frühzeitige Therapie, wie sie an der HSS-Klinik Innsbruck von einem hochspezialisierten Pädaudiologie-Team angeboten und durchgeführt wird.

Aktuelles Programm

Neben den einseitigen kindlichen Hörstörungen deckt das diesjährige Programm der Dreiländertagung mit den Themen Dysphagie (Schluckstörungen) und Neurolaryngologie (Kehlkopferkrankungen) weitere hochaktuelle Schwerpunkte ab.

Schluckstörungen treten häufig auf und können die Folge verschiedener Erkrankungen wie Schlaganfall, Multipler Sklerose oder Parkinson, aber auch von – oftmals durch Humane Papilloma-Viren induzierte – Krebserkrankungen im Kopf-Hals-Bereich sein. Die HSS-Klinik arbeitet auf diesem Gebiet eng mit anderen Kliniken und Disziplinen am Standort (interdisziplinäres Kopf-Hals-Tumorboard des Klinikums) zusammen. Auch das Altern beim Menschen geht oft mit Schluckproblemen einher. „Zwischen 60 und 70 Prozent der Bewohner von Altenheimen haben Schluckprobleme, was in der Folge zu Lungenentzündungen führen kann und für geschwächte und ältere Menschen oft lebensbedrohlich wird. Die Zusammenarbeit mit Internisten, Neurologen, Geriatern und Phoniatern kann die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten jedoch erheblich verbessern“, so Zorowka. 

Die Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde steht im Fokus beim Programmpunkt Neurolaryngologie, wo über innovative Entwicklungen in der Diagnostik und Behandlung von Stimmlippenlähmungen diskutiert wird. Dieses Symptom kann die Folge von Nervenverletzungen nach Kehlkopfoperationen sein und verändert nicht nur die Stimme, sondern erschwert den Betroffenen auch das Atmen, da sich die Stimmlippen bei Belastung nicht mehr weit genug öffnen. Die Implantierung eines Kehlkopfschrittmachers kann die Lebensqualität der PatientInnen wieder deutlich erhöhen, indem sich durch elektronische Stimulation die Stimmlippen wieder öffnen. Im Rahmen der Tagung werden erste Ergebnisse aus einer First-in-Human-Studie mit Kliniken in Deutschland und Österreich präsentiert und diskutiert.

Kongress-Highlight: 50 Jahre Lehrstuhl für Phoniatrie in Innsbruck

Die Innsbrucker Univ.-Klinik für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen, Österreichs größte Einrichtung für Phoniatrie, Logopädie und (Päd)Audiologie, nützt die Dreiländertagung in Innsbruck aber nicht nur zum wissenschaftlichen Austausch mit Ihren FachkollegInnen aus der Schweiz und Deutschland, sondern auch zum Feiern: Am Freitag, den 21. September wird zur Festsitzung 50 Jahre Lehrstuhl Phoniatrie & Audiologie in Innsbruck ins Ausbildungszentrum West (AZW), Innrain 98, geladen. Für den Festvortrag konnte der Bergsteiger und Ballonfahrer Wolfgang Nairz gewonnen werden. Ein Rückblick auf die 50jährige Geschichte des Lehrstuhls wird zeigen, welche Beiträge zu Wissenschaft, ÄrztInnen- und LogopädInnenausbildung und zur Versorgung der Tiroler Bevölkerung von der HSS-Klinik erbracht wurden.

 

Details zur Medizinischen Universität Innsbruck

Die Medizinische Universität Innsbruck mit ihren rund 2.000 MitarbeiterInnen und ca. 3.000 Studierenden ist gemeinsam mit der Universität Innsbruck die größte Bildungs- und Forschungseinrichtung in Westösterreich und versteht sich als Landesuniversität für Tirol, Vorarlberg, Südtirol und Liechtenstein. An der Medizinischen Universität Innsbruck werden folgende Studienrichtungen angeboten: Humanmedizin und Zahnmedizin als Grundlage einer akademischen medizinischen Ausbildung und das PhD-Studium (Doktorat) als postgraduale Vertiefung des wissenschaftlichen Arbeitens. An das Studium der Human- oder Zahnmedizin kann außerdem der berufsbegleitende Clinical PhD angeschlossen werden.

Seit Herbst 2011 bietet die Medizinische Universität Innsbruck exklusiv in Österreich das BachelorstudiumMolekulare Medizin“ an. Seit dem Wintersemester 2014/15 kann als weiterführende Ausbildung das Masterstudium „Molekulare Medizin“ absolviert werden.

Die Medizinische Universität Innsbruck ist in zahlreiche internationale Bildungs- und Forschungsprogramme sowie Netzwerke eingebunden. Schwerpunkte der Forschung liegen in den Bereichen Onkologie, Neurowissenschaften, Genetik, Epigenetik und Genomik sowie Infektiologie, Immunologie & Organ- und Gewebeersatz. Die wissenschaftliche Forschung an der Medizinischen Universität Innsbruck ist im hochkompetitiven Bereich der Forschungsförderung sowohl national auch international sehr erfolgreich.

Pressefotos zum Herunterladen:

 

Patrick Zorowka, Leiter der Univ.-Klinik für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen und Präsident der Phoniatrie-Tagung in Innsbruck. (Foto: MUI/D. Bullock)

Das Bild zeigt eine Spielaudiometrie: das Mädchen muss eine Kugel umlegen, sobald es den Signalton hört. (Foto: HSS/E. Zangerl)

 

Für Rückfragen:

o.Univ.-Prof. Dr.med.univ. Patrick Zorowka
Universitätsklinik für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen
Tel.: +43 50 504 23216
E-Mail: Patrick.Zorowka@i-med.ac.at

Medienkontakt:
Doris Heidegger
Öffentlichkeitsarbeit Medizinische Universität Innsbruck
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