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Nachgewiesen: Wer weniger Alkohol trinkt, lebt länger

 

  • Mehr als 100g Alkohol pro Woche (7 Achtel Wein) senken die Lebenserwartung
  • Grenzwerte gelten für Frauen und Männer gleichermaßen
  • Auch Qualität des Alkohols ist maßgeblicher Risikoparameter

 

Die Ergebnisse der bislang größten, im Journal The Lancet veröffentlichten Studie zum Zusammenhang von Alkoholkonsum und Sterblichkeit sprechen für eine Senkung der bislang empfohlenen Alkohol-Limits auf 100g pro Woche, das sind 7 Gläser Wein oder 4 große Gläser Bier pro Woche. Laut der von der Universität Cambridge unter maßgeblicher Mitarbeit der Medizin Uni Innsbruck durchgeführten Untersuchung erhöht sich das Risiko früher zu sterben bereits bei leichter Überschreitung dieses Grenzwertes.

Innsbruck, 13. April 2018: Die Analyse von 83 prospektiven Studien aus 19 Ländern und damit den Daten von knapp 600.000 regelmäßigen AlkoholkonsumentInnen zum Zusammenhang von Alkoholkonsum und Lebenserwartung ist eindeutig: Wer weniger trinkt, lebt länger.

Weniger ist mehr
Schon der Konsum von 100 bis 200 Gramm pro Woche senkt die Lebenserwartung um sechs Monate, wer 200 bis 350 Gramm Alkohol pro Woche konsumiert, lebt voraussichtlich ein bis zwei Jahre kürzer und wer mehr als 350 Gramm Alkohol pro Woche trinkt, also zwei große Bier oder zwei Viertel Wein pro Tag, verkürzt sein Leben um vier bis fünf Jahre. Ein geschlechtsspezifischer Effekt des Alkoholkonsums auf die Lebenserwartung ließ sich in dieser Studie nicht nachweisen. Die Ergebnisse gelten also für Frauen und Männer gleichermaßen.
Das internationale Forscherteam, darunter die Neurologen und Epidemiologen Stefan Kiechl und Peter Willeit von der Medizin Uni Innsbruck, können damit eine eindeutige Empfehlung abgeben, den Alkoholkonsum auf unter 100 Gramm pro Woche zu reduzieren. Dieser neue Grenzwert ist niedriger, als es die Fachgesellschaften etwa in den USA, Italien, Portugal oder Spanien bisher vorgeben. Nur die britische Richtlinie orientiert sich seit kurzem bereits am wöchentlichen 100 Gramm-Limit.
„Wer den Alkoholkonsum reduziert und höchstens sechs bis sieben Achtel Wein bzw. maximal vier große Bier pro Woche trinkt, kann das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen gering halten und dazu beitragen, länger gesund zu bleiben“, spricht Studienautor Stefan Kiechl von der Univ.-Klinik für Neurologie die präventive Relevanz der Ergebnisse an.

Schaden und Nutzen
Im Detail wurden die Zusammenhänge von Alkoholkonsum mit verschiedensten Herzkreislauf-Erkrankungen analysiert. „Hier zeigte sich, dass schon geringfügiger Alkoholkonsum mit einem erhöhten Risiko für den Schlaganfall einhergeht, während geringfügige Mengen an Alkohol beim Herzinfarkt eine Schutzfunktion haben. Dies lässt sich dadurch erklären, dass Alkohol zwar grundsätzlich positive Effekte auf das Lipidprofil hat, jedoch zu einer Steigerung des Blutdrucks führt. Die Blutdruckerhöhung wirkt sich dabei ungünstig vor allem auf das Schlaganfallrisiko aus“, so der Epidemiologe Peter Willeit, der zur Zeit der Durchführung dieser mehrjährigen Studie die Emerging Risk Factors Collaboration (ERFC) an der Universität Cambridge koordinierte, die mit rund 2,5 Millionen Datensätzen aus 125 weltweiten Studien eines der größten Konsortien im Bereich kardiovaskulärer Erkrankungen darstellt und auch das Datenmaterial für die aktuelle Analyse beisteuerte.

The South Asian Paradoxon
Doch nicht nur die Menge, auch die Qualität des Alkohols konnte in der vorliegenden Untersuchung als Risikoparameter bestätigt werden - eine Erkenntnis, die bereits 2014 durch Stefan Kiechl und Johann Willeit als The South Asian Paradoxon in die Wissenschaftsbücher einging. Im renommierten Fachmagazin Circulation berichteten die Innsbrucker Neurologen im Editorial auf Basis der sogenannten INTERHEART-Studie, dass der in Südostasien vorherrschende Konsum von vorwiegend selbstgebranntem Schnaps und anderen Spirituosen schon in geringsten Mengen mit gesundheitsgefährdenden Folgen korreliert. „Auch die aktuellen Ergebnisse unserer Studie belegen, dass sich die sogenannten harten Getränke auf die Gesundheit schädlicher auswirken als Bier und Wein“, so Kiechl. So liegt die Rate der alkoholbedingten Todesfälle in Russland, wo vorwiegend Hochprozentiges wie Wodka getrunken wird, mit 14 Prozent am höchsten. Wein schneidet in der ERFC-Analyse unter den alkoholischen Getränken hingegen am besten ab.

Link zur Forschungsarbeit in The Lancet: www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(18)30134-X/fulltext

Link zum Editorial in Circulation: http://circ.ahajournals.org/content/circulationaha/130/5/383.full.pdf

 

Details zur Medizinischen Universität Innsbruck

Die Medizinische Universität Innsbruck mit ihren rund 1.400* MitarbeiterInnen und ca. 3.000 Studierenden ist gemeinsam mit der Universität Innsbruck die größte Bildungs- und Forschungseinrichtung in Westösterreich und versteht sich als Landesuniversität für Tirol, Vorarlberg, Südtirol und Liechtenstein. An der Medizinischen Universität Innsbruck werden folgende Studienrichtungen angeboten: Humanmedizin und Zahnmedizin als Grundlage einer akademischen medizinischen Ausbildung und das PhD-Studium (Doktorat) als postgraduale Vertiefung des wissenschaftlichen Arbeitens. An das Studium der Human- oder Zahnmedizin kann außerdem der berufsbegleitende Clinical PhD angeschlossen werden.

Seit Herbst 2011 bietet die Medizinische Universität Innsbruck exklusiv in Österreich das BachelorstudiumMolekulare Medizin“ an. Ab dem Wintersemester 2014/15 kann als weiterführende Ausbildung das Masterstudium „Molekulare Medizin“ absolviert werden.

Die Medizinische Universität Innsbruck ist in zahlreiche internationale Bildungs- und Forschungsprogramme sowie Netzwerke eingebunden. Schwerpunkte der Forschung liegen in den Bereichen Onkologie, Neurowissenschaften, Genetik, Epigenetik und Genomik sowie Infektiologie, Immunologie & Organ- und Gewebeersatz. Die wissenschaftliche Forschung an der Medizinischen Universität Innsbruck ist im hochkompetitiven Bereich der Forschungsförderung sowohl national auch international sehr erfolgreich.

*vollzeitäquivalent

 

 

 

 

 

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Copyright: MUI/D.Heidegger

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Stefan Kiechl (li.) und Peter Willeit forschen mit großen Datenmengen.

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E-Mail: Stefan.Kiechl@i-med.ac.at

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Öffentlichkeitsarbeit Medizinische Universität Innsbruck
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