Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation

Risikofaktoren für die „Schaufensterkrankheit“: Mega-Studie bringt neue Erkenntnisse

  • Eingeschränkte Nierenfunktion als bisher unterschätzte Ursache
  • Albuminausscheidung: Was bisher als Normalwert gilt, ist bereits Risikofaktor
  • 800.000 StudienteilnehmerInnen weltweit untersucht

Eine Studie mit 800.000 TeilnehmerInnen bringt neue Erkenntnisse zur Früherkennung einer Verengung der Arterien im Bein- oder Beckenbereich: Eine eingeschränkte Nierenfunktion ist ein bisher unterschätzter Risikofaktor. In Europa haben rund 10 Prozent der Bevölkerung mindestens eine leichte Beeinträchtigung der Nierenfunktion. Die Auswertung erfolgte unter Federführung von Florian Kronenberg von der Medizinischen Universität Innsbruck und KollegInnen der Johns Hopkins University (USA).

Innsbruck: 17.07.2017: Der Name klingt harmlos, aber die Folgen der sogenannten „Schaufensterkrankheit“, bei der die PatientInnen wegen Beinschmerzen beim Gehen aufgrund von Durchblutungsstörungen regelmäßig stehen bleiben müssen, können dramatisch sein: Eine Amputation kann als Folge einer Verengung von Arterien in der Bein- oder Beckenregion nötig werden. Das im Volksmund bekannte "Raucherbein" ist ebenfalls eine fortgeschrittene Form der peripheren Arteriosklerose (PAD), also einer Verengung der Arterien im Bein- oder Beckenbereich. Eine Früherkennung von RisikopatientInnen noch lange bevor erste Symptome auftreten, die eine möglichst frühzeitige Behandlung ermöglicht, ist daher besonders wichtig. Neueste Erkenntnisse dazu sind im renommierten Forschungsmagazin „Lancet Diabetes & Endocrinology“ veröffentlicht worden. Mit seinem amerikanischen Kollegen Kunihiro Matsushita von der „John Hopkins Bloomberg School of Public Health“ in Baltimore hat der Leiter der Sektion für Genetische Epidemiologie der Medizinischen Universität Innsbruck, Florian Kronenberg, aufgezeigt, dass eine eingeschränkte Nierenfunktion noch gravierender für die Entwicklung einer peripheren Arteriosklerose mitverantwortlich ist als bisher angenommen.

Grenzwerte für Nierenfunktionsparameter müssen diskutiert werden
Insgesamt konnten die ForscherInnen für die Analyse mehr als 800.000 Menschen aus 21 Kohortenstudien weltweit einschließen, die bei der Basisuntersuchung noch keine Gefäßverengung an den Beinen hatten. Fast 16.000 der StudienteilnehmerInnen entwickelten in den nachfolgenden Jahren eine sogenannte periphere Arteriosklerose an den Beinen (PAD). Dabei zeigte sich, dass die bei der Basisuntersuchung gemessenen eingeschränkten Nierenfunktionsparameter sehr eindeutig mit dem zukünftigen Auftreten einer PAD assoziiert sind und das unabhängig von den bekannten Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes oder Cholesterin. „Vor allem der Albuminwert im Harn hat sehr entscheidend zum erhöhten Risiko beigetragen. Bereits bei Werten, die heute noch als normal angesehen werden, steigt das Risiko für eine PAD und vor allem für eine Amputation in Folge einer Gefäßverengung deutlich an“, sagt Florian Kronenberg. Bei einer Albuminausscheidung von 10 bis 30 mg/g steigt das Risiko für eine PAD kontinuierlich um zehn bis 50 Prozent und für eine Amputation um 40 bis 170 Prozent im Vergleich zu jenen Menschen mit einer Ausscheidung von nur 5mg/g an (siehe Abbildung). Die Ergebnisse dürften für Diskussionen in der Fachwelt sorgen. „Wir müssen überlegen, ob die bisherigen oberen Grenzwerte für diesen Nierenfunktionsparameter zu hoch angesetzt sind, da ähnliche Beobachtungen für andere kardiovaskuläre Erkrankungen gemacht worden sind.“

Mega-Studien ermöglichen neue Erkenntnisse in der Medizin
Der Innsbrucker Epidemiologie Florian Kronenberg ist Experte für die Erforschung der eingeschränkten Nierenfunktion und war bereits in zahlreiche internationale Großstudien involviert. Er war bisher bei zwei internationalen Leitlinienentwicklungen als Arbeitsgruppen-Mitglied und bei der "Kidney Disease Outcomes Quality Initiative" der National Kidney Foundation (NKF KDOQI) und der „KDIGO – Kidney Disease – Improving Global Outcomes“ Initiative beteiligt. Die nun veröffentlichten Ergebnisse sind aus dem „Chronic Kidney Disease Prognosis Consortiums“ entstanden. „Die Vorteile einer solchen Zusammenarbeit überwiegen alle Schwierigkeiten“, sagt Kronenberg. Die statistische Power solcher Mega-Studien ermöglicht es, dass auch schon Risikofaktoren oder Risikomarker mit geringen Effekten mit hoher Zuverlässigkeit identifiziert werden können, was in kleinen Einzelstudien kaum oder nur mit sehr hoher Unsicherheit möglich ist. „Momentan bringen wir die Daten in genomweiten Assoziationsstudien zu Lipiden ein, in denen dann schlussendlich 1,5 bis 2 Millionen Probandinnen und Probanden untersucht werden“, gibt Kronenberg einen Ausblick auf weitere Forschungsergebnisse. Das Team der Sektion für Genetische Epidemiologie wird also mit seiner Beteiligung an weltweiten Mega-Analysen auch weiterhin zu neuen Erkenntnissen in der Medizin beitragen.

 

Link zur Forschungsarbeit: http://dx.doi.org/10.1016/S2213-8587(17)30183-3

 

 

Details zur Medizinischen Universität Innsbruck
Die Medizinische Universität Innsbruck mit ihren rund 1.400* MitarbeiterInnen und ca. 3.000 Studierenden ist gemeinsam mit der Universität Innsbruck die größte Bildungs- und Forschungseinrichtung in Westösterreich und versteht sich als Landesuniversität für Tirol, Vorarlberg, Südtirol und Liechtenstein. An der Medizinischen Universität Innsbruck werden folgende Studienrichtungen angeboten: Humanmedizin und Zahnmedizin als Grundlage einer akademischen medizinischen Ausbildung und das PhD-Studium (Doktorat) als postgraduale Vertiefung des wissenschaftlichen Arbeitens. An das Studium der Human- oder Zahnmedizin kann außerdem der berufsbegleitende Clinical PhD angeschlossen werden.
Seit Herbst 2011 bietet die Medizinische Universität Innsbruck exklusiv in Österreich das BachelorstudiumMolekulare Medizin“ an. Seit dem Wintersemester 2014/15 kann als weiterführende Ausbildung das Masterstudium „Molekulare Medizin“ absolviert werden.
Die Medizinische Universität Innsbruck ist in zahlreiche internationale Bildungs- und Forschungsprogramme sowie Netzwerke eingebunden. Schwerpunkte der Forschung liegen in den Bereichen Onkologie, Neurowissenschaften, Genetik, Epigenetik und Genomik sowie Infektiologie, Immunologie & Organ- und Gewebeersatz. Die wissenschaftliche Forschung an der Medizinischen Universität Innsbruck ist im hochkompetitiven Bereich der Forschungsförderung sowohl national auch international sehr erfolgreich.

*vollzeitäquivalent

 

 

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Florian Kronenberg (c) MUI/Adrian Kronenberg.

 

 

 Grafik Albuminausscheidung. (c) MUI/Florian Kronenberg.

 

 

Für Rückfragen:

Univ.-Prof. Dr. Florian Kronenberg
Sektion für Genetische Epidemiologie
Tel.: +43 512 9003 70560
E-Mail: Florian.Kronenberg@i-med.ac.at

 

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Mag.a Doris Heidegger
Öffentlichkeitsarbeit Medizinische Universität Innsbruck
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