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Neue Drittmittel für Forschungsinfrastruktur-Projekte an der Medizinischen Universität Innsbruck

Nach der Vergabe der Hochschulraum-Strukturmittel (HRSM) für neue Forschungsinfrastruktur durch den Bund kann die Medizinische Universität Innsbruck erfolgreich Bilanz ziehen. Bei zwei Forschungsvorhaben ist die Medizinische Universität Innsbruck federführend, bei zwei weiteren kooperativ beteiligt. Ein weiteres Projekt aus dem Programm F&E-Infrastrukturförderung der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG wird ebenfalls von der MUI geleitet.

Rund 50 Millionen Euro werden im Rahmen der Hochschulraum-Strukturmittel in die Stärkung der Forschungsinfrastruktur an den Universitäten investiert. Uni.-Prof.in Dr.in Christine Bandtlow, Vizerektorin für Forschung und Internationales, meint dazu: „Trotz einer enttäuschenden Budgetkürzung mancher HRSM-Kooperationsprojekte um mehr als 50 Prozent möchte ich mich bei allen, die für die Vorbereitung und Einreichung der Projekte verantwortlich zeichneten, sehr herzlich bedanken und freue mich auf eine erfolgreiche Umsetzung.“

Die finanzielle Förderung der Kooperationsprojekte durch das BMWFW macht maximal ein Drittel des Gesamtbudgets des jeweiligen Projektes aus. Unter den insgesamt 56 Projekten, die von dieser Anschubfinanzierung profitieren, sind auch „Austrian Platform for Preciscion Oncology“ unter der Leitung von Univ.-Prof. Dipl.-Ing.Dr. Zlatko Trajanoski, Direktor der Sektion für Bioinformatik am Innsbrucker Biozentrum und „Austrian Biomimetic Center 3Rs (ABC3Rs)“, das von Assoz.-Prof.in Doris Wilflingseder (Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie) federführend gemanaged wird. Bei den Projekten „Interuniversitäre Infrastruktur für digitale Pathologie“ und „Innsbruck Atmospheric Observatory“ ist die Medizinische Universität Innsbruck jeweils Kooperationspartner. Das neue Großprojekt „HD-FACS - Single cell immune profiling using high dimensional flow cytometry“ unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. Sieghart Sopper (Univ.-Klinik für Innere Medizin V) wird von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft im Rahmen des Programms F&E Infrastrukturförderung unterstützt. Die Initiative der FFG zur Förderung von F&E-Infrastruktur soll dazu dienen, die Basis für exzellente Forschung sowohl für Unternehmen als auch für Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu stärken und damit die internationale Positionierung der österreichischen Forschung zu verbessern. Mit der F&E-Infrastrukturförderung werden Vorhaben zur Anschaffung und zum Aufbau von hochwertiger F&E-Infrastruktur für Grundlagenforschung sowie für anwendungsorientierte Forschung gefördert. Bei der aktuellen Initiative wurden von 88 eingereichten Anträgen letztlich nur acht gefördert. Das Gesamtvolumen des von Sieghart Sopper geleiteten Projektes, bei dem neben den Kosten für das Gerät von fast 900 000 Euro auch eine Startphase gefördert wird, beträgt 1,167 Millionen Euro, wovon die FFG 85 Prozent trägt.

 

HRSM-Projekte:

Austrian Platform for Preciscion Oncology
Leitung: Univ.-Prof.
Dr. Zlatko Trajanoski (Sektion für Bioinformatik), Kooperationspartner: Medizinische Universität Graz, Medizinische Universität Wien
Präzisionsonkologie ist eine personalisierte Form der Krankheitsbetrachtung, bei der individuelle Mutationsmuster eines/r Patienten/in ausgewertet werden, um die verfügbaren Medikamente und Therapien optimal für die Behandlung zu nutzen. Die Entwicklung einer Infrastruktur für die Präzisionsonkologie stellt jedoch eine große Herausforderung dar, da Expertisen in unterschiedlichen Fachgebieten wie der Labordiagnostik, Onkologie, Zelluläre und Molekulare Biologie sowie Bioinformatik benötigt werden. Die Medizinischen Universitäten in Innsbruck, Graz und Wien haben deshalb komplementäre Expertisen gebündelt und entwickeln eine Plattform für Präzisionsonkologie. Die Plattform beinhaltet drei Komponenten: 1. Molekulare Charakterisierung mit Next-Generation Sequencing sowie T-Zell-Rezeptor Sequenzierung; 2. Zelluläre Phenotypisierung für die Bestimmung der Immuninfiltrate, und 3. Funktionelle Diagnostik mit 3D Zellkultur und CRISP/Cas9 Technologie. „Diese österreichweite Initiative wird die Implementierung der Präzisionsonkologie beschleunigen und die Standardisierung der klinischen Abläufe ermöglichen“, erläutert Zlatko Trajanoski, der das in den nächsten fünf  Jahren mit  1,5 Millionen Euro geförderte Projekt leitet.

 

Austrian Biomimetic Center 3Rs (ABC3Rs)
Leitung: Assoz.-Prof.in Priv. Doz.in Dr.in Doris Wilflingseder (
Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie),
Kooperationspartner: Medizinische Universität Graz, MUG, und Universität für Bodenkultur Wien, BOKU.
Die Ziele des Austrian Biomimetic Centers 3Rs (ABC3Rs), das federführend von Assoz.-Prof.in D. Wilflingseder, Prof. G. Gstraunthaler und Prof.in C. Lass-Flörl durchgeführt wird, ist die Etablierung neuer, tierversuchsfreier oder -reduzierender Forschungsmethoden - basierend auf modernsten Technologien. Auch NachwuchswissenschafterInnen sollen im Rahmen des ABC3Rs über Alternativmethoden zu Tierversuchen aufgeklärt werden. Somit bildet das ABC3Rs ein erstes zukunftsweisendes Gesamtkonzept zur Etablierung innovativer Ansätze in der tierversuchsfreien Forschung auf nationaler Ebene im Sinne der 3Rs (Replacement, Reduction and Refinement) und kommt dem Auftrag der neuen EU-Richtlinie 2010/63/EU nach. „Die Entwicklung innovativer Modelle menschlicher Zell- und Gewebeorgankulturen wie auch tierversuchsfreier Zellkulturreagenzien sollen die zukünftige Basis der wissenschaftlichen Forschung darstellen, um valide Alternativen zu Tierversuchen voranzutreiben. So sollen Tierversuche ersetzt oder reduziert werden“, betont Projektleiterin Doris Wilflingseder. Im Mittelpunkt von ABC3Rs stehen die Etablierung von Multi-Organ-Systemen im Reagenzglas wie auch die Umsetzung dynamischer Tumormodelle.

 

Interuniversitäre Infrastruktur für digitale Pathologie
Leitung: Medizinische Universität Graz
Kooperationspartner: Medizinische Universität Wien, Veterinärmedizinische Universität Wien, Medizinische Universität Innsbruck: Assoz.-Prof. Priv. Doz. Dr. Georg Göbel (
Sektion für Medizinische Statistik und Informatik)
Im Rahmen dieses HRSM Projektes wird eine interuniversitäre Infrastruktur für die hochauflösende Digitalisierung und IT-gestützte Verarbeitung von histologischen Schnitt- bzw. Gewebepräparaten etabliert. Die neue digitale Plattform soll eine verbesserte Erforschung von Bioproben ermöglichen, da komplexe Bilder von Gewebeschnitten durch Fortschritte in der Verarbeitung großer Datenmengen systematisch verarbeitet und die hochauflösenden Bilddaten einer größeren Zahl an WissenschafterInnen für Forschung und Lehre zugänglich gemacht werden können. „Neben der Aufarbeitung und Digitalisierung von forschungsrelevanten Probensammlungen sollen als erster Schwerpunkt an der Medizinischen Universität Innsbruck neueste Technologien des Semantic Web zur Modellierung von Bildbeschreibungen und Befundberichten entwickelt bzw. erprobt werden“, erklärt der Leiter des  Innsbrucker Teilprojektes, Biobankkoordinator Assoz.-Prof. Mag. Dr. Georg Göbel.

 

Innsbruck Atmospheric Observatory
Leitung: Universität Innsbruck
Kooperationspartner: Zentralanstalt für Meterologie und Geophysik (ZAMG); Universität Wien, Luftblick, Pandoniakonsortium, Austro Control Flugwetterdienst, Medizinische Universität Innsbruck: ao.Univ.-Prof. Dr. Mario Blumthaler (
Sektion für Biomedizinische Physik)
Die Sektion für Biomedizinische Physik ist Kooperationspartner im HRSM-Projekt „Innsbruck Atmospheric Observatory“, geleitet vom Institut für Atmosphären- und Kryowissenschaften der LFU. Dabei ist ein Ausbau der bestehenden Infrastruktur in Bezug auf atmosphärenchemische und -physikalische Messungen im urbanen Raum vorgesehen. „Unser Beitrag umfasst sowohl kontinuierliches Langzeitmonitoring als auch prozessbasierende Messkampagnen mit den vorhandenen und seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzten Messgeräten. Ein Sunphotometer mit Sonnennachführung misst kontinuierlich die direkte solare Strahlung bei vier Wellenlängen und daraus wird der Aerosolgehalt der Atmosphäre bestimmt“, so der Physiker Mario Blumthaler. Weiters erfolgen alle 10 Minuten Aufnahmen des Himmels mit einer Kamera mit Fisheye-Objektiv und Polarisationsfilter, sodass sowohl das Ausmaß der Bewölkung als auch im wolkenlosen Bereich charakteristische Eigenschaften der Aerosole bestimmt werden können. Diese Beobachtungen ergänzen die in situ Messungen der Luftschadstoffe und der atmosphärischen Spurengase, die im Rahmen des Konsortiums ebenfalls erfasst werden und somit Aussagen über die Luftqualität für einen weiten Anwendungsbereich ermöglichen.

 

FFG-Infrastrukturprojekt

HD-FACS - Single cell immune profiling using high dimensional flow cytometry, Leitung: Priv.-Doz. Dr. Sieghart Sopper (Univ.-Klinik für Innere Medizin V), Kooperationspartner: Universität Innsbruck
Eine verbindende Voraussetzung der Forschungsschwerpunkte Onkologie, Immunologie und Neurowissenschaften an der MUI ist die sehr komplexe Zusammensetzung von Zellen. Die Durchflußzytometrie, die als treibende Technik hinter unserem aktuellen Verständnis über die Heterogenität zellulärer Systeme gilt, arbeitet in Innsbruck derzeit mit Geräten, die vor mehr als 10 Jahren entwickelt wurden und auf 16 Parameter beschränkt sind. Nun ist es Dr. Sopper, dem Leiter der Innsbruck Flow Cytometry Unit, im Rahmen der FFG- Ausschreibung gelungen, die Förderung für ein high-end Durchflußzytometer zu bekommen, das die Zahl der messbaren Parameter mit einem Schlag verdoppelt. „Dieses Gerät der nächsten Generation, das künftig auf 50 Parameter ausgebaut werden kann, wird als gemeinsam nutzbare Infrastruktur, an der die LFU zu 20% beteiligt ist, für ForscherInnen beider Partner zur Verfügung stehen“, so Sopper. Von der Etablierung dieser hochentwickelten Technologie in Innsbruck profitieren einige laufende Projekte unmittelbar. Das erste Instrument seiner Art in Österreich und den Nachbarregionen stellt darüber hinaus einen Aktivposten für nationale und internationale Kooperationen dar und wurde bereits mehrfach angefragt, etwa zum Immunmonitoring bei klinischen Studien.

(D.Heidegger)

Links:

HRSM 2016 – Forschung
http://unicontrolling.bmwfw.gv.at/index.php?option=com_content&view=article&id=46&Itemid=167

F&E-Infrastrukturförderung, FFG
https://www.ffg.at/FuE-Infrastrukturfoerderung

 

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 19.7.2017, 13:27:42ximsTwitter LogoFacebook Logo