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Die aufwändige Studie wurde in Innsbruck unter der Leitung von Univ.-Doz.in Dr.in Petra Innerhofer (ganz links) vom Team der Univ.-Kliniken für Anästhesie und Intensivmedizin sowie Allgemeine und Chirurgische Intensivmedizin durchgeführt. Foto: MUI/D. Bullock

Große Aufmerksamkeit für Innsbrucker Traumastudie

Ende April sind die Ergebnisse einer aufwändigen Innsbrucker Studie zum Gerinnungsmanagement bei Polytraumen veröffentlicht worden. Der Artikel in der Fachzeitschrift „Lancet Haematology“ stieß auf großes Interesse in der Fachwelt, da bisher nur unzureichende klinische Daten zur Behandlung einer Gerinnungsstörung in Folge von großem Blutverlust bei schweren Verletzungen vorlagen. Univ.-Doz.in Dr.in Petra Innerhofer von der Univ.-Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin leitete die Untersuchung.

Große Blutverluste bei schweren Verletzungen verursachen durch den Verlust an Gerinnungsfaktoren und Thrombozyten eine Gerinnungsstörung. Welche Behandlung bei solchen Polytraumen die Effektivste ist war bis dato in Fachkreisen heftig diskutiert. Die Innsbrucker Studie mit Daten von 100 schwerverletzten PatientInnen aus den Jahren 2012 bis 2016, zeigt, dass die gezielte Gabe von Gerinnungsfaktorenkonzentraten effektiver ist, als die ebenfalls gängige Transfusion von Frischplasma. Die Ergebnisse der sogenannten „RETIC-Studie“ (Reversal of Trauma-induced Coagulopathy using First-line Coagulation Factor Concentrates or Fresh Frozen Plasma) sind Ende April veröffentlicht worden.

Sowohl die Verabreichung von Gerinnungsfaktorenkonzentraten wie auch die Transfusion von Frischplasma entsprechen der Europäischen Behandlungsrichtlinie zur Behandlung traumatologischer Blutungen. Auf Grund von fehlenden wissenschaftlichen Daten, ist die Erstellung einer genaueren Empfehlung bisher nicht möglich. Dementsprechend hoch ist auch das Interesse der Fachwelt an den Innsbrucker Studienergebnissen. Der Artikel der „Lancet Haematology“ gehörte nach der Veröffentlichung zu den meist beachtesten Publikationen dieser Fachzeitschrift. Unmittelbar nach der Veröffentlichung wurde die Auszeichnung „Certificated Highly Cited Research“ verliehen.

Innsbrucker Konzept: Langjährige Forschung zu Fibrinogen
Fibrinogen gehört zu den so genannten Gerinnungsfaktoren und ist wichtig, damit im Falle einer Verletzung ein stabiles Blutgerinnsel entstehen kann und somit die Blutung gestoppt wird. Fibrinogen ist als Konzentrat erhältlich und in Plasma, allerdings in geringer Konzentration, enthalten.   „In Innsbruck arbeiten wir bereits seit 1999 an der Erforschung von Fibrinogen und seiner Bedeutung für das Gerinnungsmanagement, wir haben dazu bereits zahlreiche Studien in Topjournals publiziert“ erklärt die Erstautorin Univ.-Doz.in Dr.in Petra Innerhofer von der Innsbrucker Univ.-Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin (Direktor: o.Univ.-Prof. Dr. Karl Lindner). Spezielle Messgeräte ermöglichen es innerhalb kürzester Zeit die Gerinnungsstörung bei PatientInnen direkt am Behandlungsbett zu bestimmen. Die sogenannte Thromboelastometrie (ROTEM) wurde für die Studie bei beiden PatientInnengruppen angewendet. „Die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Gerinnungsfaktorenkonzentraten, hauptsächlich Fibrinogenkonzentrat, ist wesentlich zielgerichteter und effektiver als die Anwendung von Plasma“, erklärt einer der Mitautoren der Studie, ao.Univ.-Prof. Dr. Dietmar Fries von der Univ.-Klinik für Allgemeine und chirurgische Intensivmedizin (Direktor: o.Univ.-Prof. Dr. Karl Lindner). Mit dieser Therapie war es möglich die Blutung schneller zu stoppen und notwendige Bluttransfusionen zu reduzieren als mit Plasmatherapie, und damit konnte auch die Häufigkeit von späteren Organschäden vermindert werden. „Es gab bereits zahlreiche Hinweise, dass das „Innsbrucker Konzept“, die ROTEM gesteuerte und gezielte Anwendung von Faktorenkonzentraten, den Patientinnen und Patienten einen Behandlungsvorteil bringt, aber jetzt haben wir erstmals auch harte Daten aus einer klinischen Studie.“

Ausgezeichnete Innsbrucker Intensivmedizin
Die Klinik für Allgemeine und Chirurgische Intensivmedizin mit der Allgemein Chirurgischen Intensivstation sowie der Traumatologischen Intensivstation verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Schwerstverletztenversorgung. Eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht Überlebensraten von etwa 90 Prozent. Auch im internationalen Vergleich kann sich Innsbruck als Zentrum zur Behandlung von schweren Traumata sehen lassen. „Die 30 Tage Mortalität selbst bei schwerst verletzten PatientInnen liegt in Innsbruck unter 10 Prozent“, sagt Dietmar Fries. „In den USA beträgt die durchschnittliche Mortalität bei weniger schwer verletzten Patientinnen und Patienten in sogenannten Level One Zentren 25 Prozent in den ersten 30 Tagen.“ Neben der hervorragenden innerklinischen Versorgung der schwerstverletzten PatientInnen inklusive effektivem Gerinnungsmanagement, ist die erstklassige notärztliche Versorgung ein wesentlicher weiterer Einflussfaktor, der eine derart niedrige Mortalität erklärt.

(B. Hoffmann-Ammann)

 

Publikation:

Reversal of trauma-induced coagulopathy using first-line coagulation factor concentrates or fresh frozen plasma (RETIC): a single-centre, parallel-group, open-label, randomised trial

AutorInnen: Prof Petra Innerhofer, MD, Prof Dietmar Fries, MD, Prof Markus Mittermayr, MD, Nicole Innerhofer, MD, Daniel von Langen, MD, Tobias Hell, PhD, Gottfried Gruber, MD, Stefan Schmid, MD, Prof Barbara Friesenecker, MD, Prof Ingo H Lorenz, MD, Mathias Ströhle, MD, Verena Rastner, MD, Susanne Trübsbach, MD, Helmut Raab, MD, Benedikt Treml, MD, Dieter Wally, MD, Benjamin Treichl, MD, Agnes Mayer, MD, Christof Kranewitter, MD, Elgar Oswald, MD.

 

Weitere Information:

- Univ.-Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin

- Univ.-Klinik für Allgemeine und Chirurgische Intensivmedizin

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 6.6.2017, 10:05:25ximsTwitter LogoFacebook Logo