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Junge ForscherInnen an der MUI: Barbara Kollerits

Im Rahmen der Reportageserie „Junge ForscherInnen an der MUI“ werden NachwuchswissenschafterInnen der Medizinischen Universität Innsbruck vor den Vorhang geholt. Ihre Gemeinsamkeit: Sie betreiben seit Jahren erfolgreich medizinische (Grundlagen)Forschung – das belegen zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und die Einwerbung von Drittmitteln – und sind mit ihrem Wissen in der Lehre tätig*.

Diesmal portraitieren wir Assoz. Prof.in Mag.a rer.nat. Barbara Kollerits PhD, MPH. Die Epidemiologin erforscht mittels epidemiologisch-statistischer Methoden die Rolle von genetischen Varianten, Lebensstil- und Umweltfaktoren, sowie Laborparametern bei der Entstehung von komplexen Phänotypen wie Diabetes oder renalen und kardiovaskulären Erkrankungen. Im Fokus ihrer aktuellen Forschungsarbeit stehen vor allem die Glykoproteine Afamin und Apolipoprotein A-IV (ApoA-IV), die sich als nützliche Biomarker für die Entwicklung und den Verlauf des Metabolischen Syndroms bzw. von Nierenerkrankungen erweisen konnten.

Dass Barbara Kollerits heute an der Sektion für Genetische Epidemiologie (Direktor Univ.-Prof. Dr. Florian Kronenberg) vor statistischen Tabellen und Zahlenreihen sitzt und sich mit der Genetik und klinischen Charakteristik von diversen Erkrankungen beschäftigt, hätte sie sich zu Beginn ihres Studiums 1997 selbst nicht gedacht. „Ich habe an der Uni Innsbruck Psychologie studiert. Meinen Weg zur klassischen Psychologin hat dann allerdings ein Aushang am Psychologie-Institut durchkreuzt. Demnach suchte die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) zwei Diplomanden für medizinisch-methodische Projekte im Bereich funktionale Gesundheit und chronische Erkrankungen – meine Freundin und ich bewarben uns sofort“, erzählt die schnell entschlossene, gebürtige Innsbruckerin, die nach ihrem Studienabschluss in Psychologie schließlich den postgradualen Studiengang „Öffentliche Gesundheit und Epidemiologie (Master of Public Health M.P.H postgrad.)“ in München belegte und 2005 abschloss. Eine zusätzliche Anstellung am Institut für Gesundheits- und Rehabilitationswissenschaften an der LMU brachte es mit sich, dass die angehende Epidemiologin München für schlussendlich zehn Jahre studien- und arbeitstechnisch die Treue hielt. Den ersten Schritt zurück in die Heimatstadt setzte sie mit der Entscheidung, ihre Masterarbeit bei ao.Univ.-Prof. Mag.Dr. Hanno Ulmer an der Sektion für Medizinische Statistik und Informatik zu schreiben. „Mit Hanno Ulmer und seiner Sektion arbeite ich seit Jahren, momentan vor allem im Bereich der Lehre, eng zusammen“, bestätigt Barbara Kollerits, die sich im Anschluss an ihre Masterarbeit um eine PhD-Stelle bei Prof. Florian Kronenberg im Programm „Genetik und Genomik“ bewarb, um das Doktorat schließlich mit Auszeichnung abzuschließen.

Spezialgebiet Genetische Epidemiologie
Die Genetische Epidemiologie ist seither ihr Spezialgebiet. „Als gelernte Psychologin und Epidemiologin stellte dieser genetische Schwerpunkt speziell am Anfang eine große Herausforderung für mich dar. Gerade das stetige Einarbeiten in fremde, vor allem medizinisch-klinische Gebiete ist aber das Schöne und Spannende an meiner Arbeit, so wie auch die Tatsache, dass die Genetische Epidemiologie im Besonderen von der Zusammenarbeit der verschiedensten Disziplinen lebt“, beschreibt Barbara Kollerits ihren Aufgabenbereich, in dem es um die Aufklärung genetischer Ursachen für komplexe Krankheiten geht. Das Brückenfach Genetische Epidemiologie agiert und profiliert sich in der Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Instituten und Kliniken der MUI, wie etwa der Univ.-Klinik für Gefäßchirurgie, Neurologie, Nephrologie oder auch Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, aber auch österreichweit und international bestehen hervorragende Kooperationen. Auch innerhalb der Sektion arbeiten die verschiedensten Fachrichtungen zusammen wie BiologInnen, MathematikerInnen oder InformatikerInnen. Die räumliche Nähe all dieser Disziplinen darf jedenfalls als zentraler Standortvorteil gesehen werden.

Biomarker im Fokus
In der genetischen Epidemiologie wird einerseits der Einfluss von genetischen Varianten (sogenannten Single Nucleotide Polymorphismen, SNPs) und deren mögliche Wechselwirkung mit Lebensstil- und Umweltfaktoren auf Merkmale und Erkrankungen beim Menschen untersucht und mit Hilfe von Assoziationsstudien analysiert und ausgewertet. „Wir evaluieren aber auch weitere, klassische Biomarker, also biologische Merkmale, die objektiv gemessen werden können – z.B. Laborparameter oder Proteine – und auf einen normalen biologischen oder krankhaften Prozess im Körper hinweisen“, erzählt Kollerits. Einer dieser Parameter heißt ApoA-IV, ein Glykoprotein, das vor allem mit der Progression von Nierenerkrankungen in Zusammenhang gebracht wird. Auf diesem Gebiet konnte sich Barbara Kollerits eine besondere Expertise aneignen. Auf dem Arbeitsprogramm der jungen Epidemiologin steht aber auch die epidemiologische und genetische Charakterisierung des Vitamin E-Bindungsproteins Afamin in Bezug auf komplexe Krankheiten wie Diabetes mellitus und andere metabolische Phänotypen sowie kardiovaskuläre oder renale Erkrankungen. „In unserem Labor wurden ApoA-IV und Afamin bis dato in weit über 10.000 Individuen gemessen und es besteht die Möglichkeit, diese Parameter in weiteren groß angelegten populationsbasierten Kohorten, aber auch in Hochrisikokohorten, auszuwerten, um so die Aussagekraft von ApoA-IV und Afamin auf komplexe Erkrankungen umfassend zu untersuchen und zu validieren“, erklärt Kollerits. Die langjährige Expertise der Sektion auf dem Gebiet der Messung und Forschung dieser Parameter basiert dabei auf den Leistungen von Prof. Florian Kronenberg und seinem langjährigen Mitarbeiter an der Sektion, ao.Univ.-Prof. Dr. Hans Dieplinger. Die Sektion für Genetische Epidemiologie besitzt mit ihrer technologisch hochwertigen Laborausstattung einen besonderen Vorteil für die rasche Bearbeitung sehr großer Datensätze und ist deshalb auch im Rahmen genetisch-epidemiologischer Konsortien in zahlreiche internationale Studien und Metaanalysen eingebunden.

Abwechslungsreiche Lehre
Neben der Forschung nimmt auch die Lehrtätigkeit viel Platz in der Arbeit von Barbara Kollerits ein. „Das war ein Sprung ins kalte Wasser, aber inzwischen macht es mir viel Spaß. Vor allem mit jungen Studierenden arbeite ich gern und gebe mein Wissen über Risikomaße und Risikoberechnungen weiter“, erzählt die Epidemiologin. Derzeit sind es sechs Semesterwochenstunden, in denen sie Studierende im Humanmedizinstudium, in den verschiedenen PhD-Programmen und auch im Studium Molekulare Medizin ausbildet. Mit der Betreuung von Studierenden verbindet Barbara Kollerits jedenfalls nur Positives: „Ich konnte bereits zwei MasterstudentInnen aus dem „Master of Public Health Studiengang“ der LMU – ich bin ja selbst Alumni dieses Studiengangs – sowie zwei MedizindiplomandInnen erfolgreich bei uns betreuen. deren Arbeiten jeweils in sehr guten Journalen veröffentlicht wurden, wobei eine Masterarbeit sogar zwei Preise erhielt. Was gute Beratung und Unterstützung bedeuten, hat Barbara Kollerits auch selbst erfahren. Von Ihrer Teilnahme am Helene Wastl Medizin Mentoring Programm etwa ist sie heute noch angetan.

„Mir hätte nichts Besseres passieren können“
Dass bei so viel Forschung und Lehre noch Zeit für Hobbies bleibt, ist nicht zuletzt der schnellen Entschlossenheit der jungen Forscherin zu verdanken. „Sobald ich frei habe, ziehe ich vor allem meine Ski- aber auch Wanderschuhe an, um in der Natur und auf den Bergen abzuschalten“, meint Barbara Kollerits. Und auch wenn das Schreiben von Drittmittelanträgen durchaus fordernd sein kann und der Wettbewerb in der Forschung immer härter wird, sieht Barbara Kollerits in ihrer Stelle die ideale Verbindung von Wissenschaft und Lehre: „Die A2-Stelle ist super. Mir hätte nichts Besseres passieren können – man hat eine großartige Zukunftsperspektive und kann sich wunderbar entfalten!“.

(D. Heidegger)

Links:

Sektion für Genetische Epidemiologie
Barbara Kollerits
Mendelian Randomization Studie zu Lipoprotein(a)
Protein mit großer Aussagekraft
Weitere Reportagen über NachwuchswissenschafterInnen an der Medizinischen Universität Innsbruck 

*  Die im Rahmen dieser Reportageserie portraitierten WissenschafterInnen besetzen eine A2-Laufbahnstelle als Assoziierte ProfessorInnen an der Medizinischen Universität Innsbruck. Voraussetzung dafür ist die Erfüllung einer Qualifizierungsvereinbarung, die unter anderem erfolgreiche Forschungsleistung, Lehre und Einwerbung von Drittmitteln umfasst.

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 29.3.2016, 09:21:46ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo