Medizin für Land und Leute - Allergien und Unverträglichkeiten

v.l. Dr. Barbara Gant, Lifelong Learning, LAbg Paula Eisenmann, Bezirksobfrau Forum Land, Univ.-Prof. Dr. Matthias Schmuth, Franz Osl, Bezirksobfrau-Stellvertreter Forum Land.

9.6.2011

Der Vortragssaal im Gasthof Postwirt in Söll war gut besucht: Das Thema Allergien und Unverträglichkeiten - vorgetragen von Univ.-Prof. Dr. Matthias Schmuth, Direktor der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie der Medizinischen Universität Innsbruck - ist unter anderem deshalb so aktuell, weil immer mehr Menschen davon betroffen sind.

Foto: v.l. Dr. Barbara Gant, Lifelong Learning, LAbg Paula Eisenmann, Bezirksobfrau Forum Land, Univ.-Prof. Dr. Matthias Schmuth, Franz Osl, Bezirksobfrau-Stellvertreter Forum Land.

"20 Prozent der Österreicher leiden an Allergien, wobei die Anzahl der Betroffenen kontinuierlich zunimmt", informiert Univ.-Prof. Dr. Matthias Schmuth. Diese Zunahme hat laut ihm mit unserer modernen Lebensweise zu tun. "Kinder kommen seltener in Kontakt mit natürlichen Stoffen, haben deshalb seltener Infektionskrankheiten, leiden dafür aber immer häufiger an Allergien", erklärt er. In diesem Zusammenhang hebt Schmuth den "Bauernhofeffekt" hervor: "Kinder, die am Bauernhof aufwachsen und Kontakt mit Tieren haben, entwickeln deutlich weniger allergische Erkrankungen als alle anderen!"

Was ist eine Allergie

Eine Allergie ist nicht angeboren, sondern im Laufe des Lebens erworben. Schmuth definiert sie als eine Überempfindlichkeit des Körpers gegen körperfremde Substanzen. "Das Immunsystem geht gegen einen Stoff vor, der den Organismus normalerweise nicht bedroht", so Schmuth. Die wichtigsten, an sich harmlosen Stoffe, auf die Menschen allergisch reagieren sind Pollen, Haustiere, Milben, Schimmelpilze und Latex. Nicht verwechseln darf man Allergien mit Unverträglichkeiten oder Abneigungen, die oft mit ähnlichen Symptomen, aber ohne Beteiligung des Immunsystems, ablaufen.

Eine Allergie entsteht, indem der Körper beim Kontakt mit einem allergieauslösendem Stoff - z. B. Katzenhaar - Antikörper bildet. Diese binden rasch an die Oberfläche bestimmter Gewebezellen, den Mastzellen. Kommt es später zu einem erneuten Kontakt mit dem Allergen, führt das zu einer allergischen Reaktion: die Antikörper auf der Mastzelle erkennen das Allergen und explodieren regelrecht, wobei Histamin ausgeschüttet wird. Dieses führt zu einer Erweiterung der Blutgefäße, wodurch sich die Haut rötet und anschwillt. Außerdem kann es zu Atemnot, Augenentzündungen und Nesselausschlag kommen.

Diagnose und Behandlung

Ob und welche Allergie vorliegt, lässt sich anhand verschiedener Tests nachweisen. Grundlage für die Diagnose ist zuerst ein ausführliches Gespräch mit gezielten Fragen rund um Auftreten, Häufigkeit und Art der allergischen Reaktionen. Diesem folgen Haut- und Bluttest, wodurch meistens klar wird, wodurch die Allergie beim jeweiligen Patienten ausgelöst wird. Die Behandlung von Allergien folgt einem Stufenplan. Zuerst einmal sollte der Kontakt mit dem Auslöser der Allergie vermieden werden, was nicht immer möglich ist. In einem zweiten Schritt versucht man mit Hilfe von Tabletten die Symptome zu lindern. Bei lebensgefährlichen Allergien - beispielsweise gegen Insektenstiche - wendet man eine Immuntherapie an. Diese Impfung mittels Spritzen hat einen Langzeiteffekt und kann sogar zu einer Heilung führen.

Fazit

Allergien sollte man auf keinem Fall auf die leichte Schulter nehmen und rechtzeitig zum Arzt gehen. Allergische Erkrankungen sind zwar nicht immer heilbar, lassen sich aber in vielen Fällen in den Griff bekommen.

Vortragsreihe Medizin für Land und Leute

Das Forum Land und die Medizinische Universität Innsbruck haben eine fruchtbare Zusammenarbeit beschlossen: die Vortragsreihe "Medizin für Land und Leute". Wissenschaft und Medizin soll den Menschen durch die besten ReferentInnen der Innsbrucker Universitätsklinik von Landeck bis Lienz nahe gebracht werden. Denn: Gesundheit geht uns alle an! Die Vorträge beginnen um 19:30 Uhr, die Teilnahme ist kostenlos!

Weiterer Termin:

12.07.2011: Ramsau: Alkohol - Genussmittel oder Problem

(red)

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© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 9.6.2011, 00:00:00+01:00ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo