Suche zwischen den Genen

Iris M. Heid vom Helmholtz-Zentrum München und Florian Kronenberg überreichen an Prof. Gerd Utermann die ihm gewidmete Publikation.

11.12.2008

Als erster wissenschaftlicher Beitrag in der neuen Fachzeitschrift "Circulation: Cardiocascular Genetics" ist im Oktober eine Studie erschienen, an der Innsbrucker Forscher federführend mit einer Gruppe aus dem Helmholtz-Zentrum München gearbeitet haben. Die Gruppe um Prof. Florian Kronenberg von der Sektion für Genetische Epidemiologie hat erstmals Ergebnisse einer populationsbasierten genomweiten Assoziationsstudie veröffentlicht und dabei neues Licht auf die Bedeutung der "intergenischen" chromosomalen Regionen geworfen.

Foto: Iris M. Heid vom Helmholtz-Zentrum München und Florian Kronenberg überreichen an Prof. Gerd Utermann die ihm gewidmete Publikation.

Genomweite Assoziationsstudien haben in den letzten beiden Jahren zu einem enormen Wissenszuwachs bei der Indentifizierung von Genen für komplexe Erkrankungen geführt. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern um Dr. Iris M. Heid vom Münchner Helmholtz-Zentrum haben Florian Kronenberg und sein Team im Rahmen der KORA-Studie mit Daten von bis zu 16.000 Personen eine genomweite Assoziationsstudie durchgeführt und dabei bis zu einer halben Millionen Polymorphismen untersucht. Die Doktorandin Eva Boes hat dazu in einer intensiven Literatursuche alle bisher bekannten, mit dem HDL-Cholesterin assoziierten genetischen Veränderungen aufgespürt und in einer Art Metaanalyse in "Experimental Gerontology" publiziert. In der genomweiten Assoziationsstudie konnten drei von zehn bekannten Genen eindeutig bestätigt werden. Dabei zeigte sich aber auch, dass im Genom den Bereichen zwischen den Genen wahrscheinlich ein viel größerer Stellenwert zukommt, als bisher vermutet. Denn die Polymorphismen, die im Zusammenhang mit Erkrankungen stehen, liegen oft bis zu 100 Kilobasen und mehr außerhalb der eigentlichen Genregion, Bereiche, die bisher in Untersuchungen meist vernachlässigt wurden. Stefan Coassin aus der Innsbrucker Arbeitsgruppe hat diese Vermutung mit aufwändigen bioinformatischen Analysen weiter erhärtet. Er konnte zeigen, dass Regionen außerhalb der Gene lukrative Ziele für zukünftige funktionelle Untersuchungen sein könnten. „Wir sind überzeugt, dass diese Regionen im Genom ein sehr hohes regulatorischen Potential haben“, erklärt Studienleiter Kronenberg. Ihre Arbeit widmeten die Autorinnen und Autoren dem ehemaligen Vorstand des Departments für Medizinische Genetik, Molekulare und Klinische Pharmakologie, Prof. Gerd Utermann, anlässlich dessen Emeritierung. Die Publikation erschien im Oktober als erster Beitrag in der neuen Fachzeitschrift "Circulation: Cardiocascular Genetics", die aus dem renommierten Journal "Circulation" hervorgegangen ist. Durchgeführt wurde diese Studie im Rahmen des Projekts GOLD im österreichischen Genforschungsprogramm GEN-AU.

Mit vereinten Kräften zu neuen Ergebnissen

Da einzelne Arbeitsgruppen bei solchen Studien durch die limitierte Fallzahl sehr schnell an die Grenzen der Möglichkeiten stossen, haben die Wissenschaftler die Daten ihrer Studie auch in ein europaweites Netzwerk (ENGAGE) eingebracht, um gemeinsam über noch mehr Daten für die Analyse zu verfügen. In dieser Studie mit mehr als 22.000 Teilnehmern wurden 22 Gene identifiziert, die Gesamt-, HDL-, und LDL-Cholesterin sowie Triglyzeride beeinflussen. Sechs von diesen Genen waren vorher noch nie beschrieben worden. Deren genaue Funktion muss freilich in Einzelstudien erst noch geklärt werden. Die Publikation des europäischen Konsortiums ist soeben in der renommierten Fachzeitschrift "Nature Genetics" erschienen.

(cf)

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© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 11.12.2008, 00:00:00+01:00ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo