Vorgestellt: Prof. Johannes Zschocke

Vertragsunterzeichnung durch Rektor Prof. Clemens Sorg und Prof. Johannes Zschocke

25.4.2008

Johannes Zschocke wurde zum Professor für Humangenetik an der Medizinischen Universität Innsbruck berufen. Er übernimmt die Leitung der Sektion für Humangenetik, die sich aus den bisherigen Sektionen für Klinische Genetik und für Humangenetik zusammensetzen wird. Vergangene Woche unterzeichnete er mit Rektor Prof. Clemens Sorg den entsprechenden Vertrag. Johannes Zschocke tritt Anfang Oktober 2008 die Nachfolge von Prof. Gerd Utermann an.

Foto: Vertragsunterzeichnung durch Rektor Prof. Clemens Sorg und Prof. Johannes Zschocke

Vergangene Woche unterzeichnete Prof. Johannes Zschocke seinen Vertrag als neuer Professor für Humangenetik an der Medizinischen Universität Innsbruck. Er wechselt von der Universität Heidelberg nach Tirol. „Die Erforschung der molekularen Grundlagen von Krankheit und Gesundheit führt zu einer Revolution in der Medizin, die in ihrer Bedeutung nur mit der Zellularpathologie des 19. Jahrhunderts vergleichbar ist“, so Prof. Zschocke. „Die Humangenetik als ärztliches Fach befindet sich dabei in einem besonderen Spannungsfeld zwischen klinischer Patientenversorgung und naturwissenschaftlicher Forschung, Labordiagnostik und universitärer Lehre.“ Für Prof. Zschocke ist die Brückenfunktion seines Faches zwischen Grundlagenforschung und ärztlicher Kunst von besonderer Bedeutung. „Es sind dies die beiden Standbeine der Humangenetik, die sich ergänzen und gemeinsam ausgebaut und gestärkt werden müssen“, so Prof. Zschocke. Auf der einen Seite ist es eine zentrale ärztliche Aufgabe der Humangenetik, seltene erbliche Krankheiten beispielsweise bei Kindern mit Entwicklungsstörungen richtig zu diagnostizieren und durch gezielte Laboruntersuchungen zu bestätigen. Auf der anderen Seite lassen sich durch moderne humangenetische Methoden völlig neue Krankheitsbilder klären, was nicht nur zu einem besseren Verständnis des klinischen Bildes sondern oft auch zu neuen Therapien führt. Schließlich erlaubt die Abklärung der genetischen Risiken beispielsweise in Familien mit gehäuftem Vorkommen von Darmkrebs oder Brustkrebs auch eine gezielte Beratung und maßgeschneiderte Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen. „Es besteht ein enormer Beratungsbedarf gerade bei Untersuchungen mit prädiktivem Charakter, also bei der Abklärung individueller genetischer Risiken“, so Prof. Zschocke. „Die personalisierte Medizin ist in der Humangenetik bereits Realität“. Eines seiner zukünftigen Ziele in Innsbruck sieht Johannes Zschocke darin, die besondere wissenschaftliche und ärztliche Kompetenz der Humangenetik in enger interdisziplinärer Vernetzung innerhalb der Medizinischen Universität und im Klinikum zur Verfügung zu stellen. „Langfristig sollte sich die Humangenetik außerdem noch stärker darum bemühen, Betreuungskonzepte für Patienten mit seltenen genetisch bedingten Multisystemkrankheiten zu entwickeln“, sagt Prof. Zschocke.

Diagnostik, Forschung und Lehre

Der eigene wissenschaftliche Schwerpunkt von Johannes Zschocke liegt besonders im Bereich der erblichen Stoffwechselkrankheiten, von denen er mehrere erstmals beschrieben bzw. molekular aufgeklärt hat. Die funktionelle und molekularbiologische Erforschung von Stoffwechselstörungen, aber auch deren Diagnose und Therapie, möchte er in Innsbruck weiter ausbauen. Prof. Zschocke ist Chefredakteur der führenden Fachzeitschrift „Journal of Inherited Metabolic Disease“; das von ihm verfasste Taschenlehrbuch „Vademecum Metabolicum“ zur Diagnose und Therapie von Stoffwechselkrankheiten ist inzwischen in der dritten Auflage erschienen und wurde bereits in neun verschiedene Sprachen übersetzt. Überhaupt ist auch die Lehre für Prof. Zschocke ein besonderes Anliegen. In Heidelberg etablierte er für das letzte klinische Jahr des Medizinstudiums ein zweiwöchiges Pflichtseminar „Klinische Genetik“ in Kleingruppen, das in den studentischen Evaluationen hervorragend bewertet wurde. Prof. Zschocke veröffentlichte vor kurzem ein neues Lehrbuch „Basiswissen Humangenetik“ und ist Mitglied der Arbeitsgruppe zur Auswahl der Medizinstudenten an der Heidelberger Medizinischen Fakultät.

Aus Heidelberg nach Innsbruck

Johannes Zschocke wurde 1964 in Köln geboren. Das Studium der Humanmedizin absolvierte er an der Universität Freiburg und der Queen’s University in Belfast, wohin er nach seiner Promotion in Deutschland 1991 zurückkehrte und als Mitarbeiter am Department of Medical Genetics mehrere Jahre tätig war. In Belfast erwarb er auch einen PhD in Molekulargenetik. 1995 kam Zschocke als Assistenzarzt an die Universitätskinderklinik in Marburg, wo er in Kinderheilkunde ausgebildet wurde und das Stoffwechselzentrum mit aufbaute. Seit dem Jahr 2000 forscht er am Institut für Humangenetik der Universität Heidelberg. 2002 erwarb er den Facharzt für Humangenetik, 2003 wurde er habilitiert und zum Oberarzt ernannt, seit 2005 ist er Leitender Oberarzt und Leiter der Genetischen Poliklinik des Instituts. Johannes Zschocke leitet darüber hinaus den Forschungsbereich „Klinische Genetik“, das Labor für Molekulargenetische Stoffwechseldiagnostik und ein gemeinsames Sequenzierlabor des Instituts für Humangenetik und der Kinderklinik. Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

(cf)

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© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 25.4.2008, 00:00:00+01:00ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo