Neue Tests für krebserregende Chemikalien

Neue Testverfahren für Chemikalien

30.8.2007

Die Europäische Union unternimmt Anstrengungen den Schaden für Menschen durch chemische Stoffe zu reduzieren. Mit dem in diesem Jahr in Kraft tretenden, neuen Chemikalienrecht sind auch große Herausforderungen hinsichtlich der Prüfung von Stoffen verbunden. Ein von der EU gefördertes Forschungsprojekt entwickelt dafür nun neue Testverfahren, die auch einen Verzicht auf Tierversuche möglich machen sollen.

Foto: Neue Testverfahren für Chemikalien

Umweltverschmutzung und Chemikalienbelastung leisten nach Meinung der Wissenschaft einen bedeutenden Beitrag als Verursacher der stetig steigenden Zahl von Krebserkrankungen in Europa. Bei der Prüfung von Stoffen auf ihr krebserregendes Potential für den Menschen sind die Behörden derzeit noch auf Tierversuche angewiesen. Alle auf den Markt kommenden Chemikalien und Pharmaka werden heute noch so geprüft. Zusätzlich müssen über 100.000 Alt-Stoffe untersucht werden, die schon vor 1982 in den Handel gebracht wurden. Die Europäische Union hat sich dies mit dem neuen Chemikalienrecht und dem Programm zur Registrierung, Bewertung and Autorisierung chemischer Stoffe (REACH) selbst auferlegt. Tierversuche sind kostenintensiv, zeitraubend, von ungewissem prognostischem Wert für die menschliche Gesundheit und ethisch umstritten. Deshalb will die EU die Fortschritte auf den Gebieten der Genomik, Metabolomik und den Zellkulturtechnologien für die Entwicklung neuer Untersuchungsmethoden ohne den Einsatz von Versuchstieren verstärkt nutzen. So könnte die Zahl der Versuchstiere deutlich reduziert und die Tests schneller, billiger und verlässlicher gemacht werden. Die EU finanziert ein internationales Forschungsprojekt, in dem ebensolche Methoden für die Untersuchung der krebserregenden Eigenschaften von chemischen Stoffen entwickelt werden sollen.

Alternative Verfahren entwickeln

Das Projekt Carcinogenomics wird noch im 6. Forschungsrahmenprogramm gefördert und bringt 20 Partner aus Universitäten, Industrie und Klein- und Mittelbetrieben zusammen. Es wurde im November vergangenen Jahres begonnen und ist auf fünf Jahre anberaumt. Das Hauptziel ist die Entwicklung von in vitro Methoden zur Prüfung der krebserregenden Eigenschaften von Stoffen als Alternative zu den bisher verwendeten Tierversuchen. Dazu soll eine ganze Reihe von Verfahren erprobt werden, mit denen spezifische Krebsaktivitäten in Lunge, Leber und Niere überprüft werden können. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass mit diesen Methoden in Zukunft eine große Zahl von chemischen Stoffen auf ihre Gentoxizität und ihre krebserregende Wirkung hin untersucht werden kann. Die Identifizierung von für den Menschen gefährlichen Stoffen soll damit beschleunigt und gleichzeitig die Kosten und der Anteil von Tierversuchen reduziert werden. Die Forscher arbeiten dabei mit hochmodernen Technologien die zum Beispiel zur Entwicklung von computergestützten Verfahren zur Untersuchung der Stoffe in vivo führen könnten. Das Projekt mit führenden Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Toxicogenomik wird von der Europäischen Union mit insgesamt über 10 Millionen Euro unterstützt. Als einziger österreichischer Vertreter ist Dr. Paul Jennings aus dem Labor von Prof. Walter Pfaller aus der Sektion für Physiologie an dem Projekt beteiligt. Er wird an der Entwicklung von in vitro Modellen für die Prüfung des krebserregenden Potentials von Stoffen für die Niere mitarbeiten.

(cf)

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© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 30.8.2007, 14:00:00+01:00ximsTwitter LogoFacebook Logo