Vorgestellt: Prof. Gregor K. Wenning

Prof. Gregor K. Wenning

30.8.2006

Vor kurzem wurde Gregor K. Wenning zum Professor für klinische Neurobiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck berufen. Er arbeitet bereits seit 1995 an der von Prof. Werner Poewe geleiteten Univ.-Klinik für Neurologie und hat hier den international erfolgreichen Schwerpunkt zur Multisystematrophie (MSA) aufgebaut. Er möchte aus der bislang unheilbaren MSA eine gezielt behandelbare Erkrankung machen.

Foto: Prof. Gregor K. Wenning

Sein Ziel für die nächsten Jahre formuliert Prof. Gregor Wenning sehr klar: „Die Multisystemathropie soll in Zukunft gezielt behandelt werden können. Wir müssen von dem Eindruck weg kommen, dass die MSA eine nichtbehandelbare Erkrankung ist.“ Auf dem Weg dahin hat Prof. Wenning gemeinsam mit seinen Kollegen und Mitarbeitern bereits einiges erreicht. Zum einen ist es ihm gelungen, die Schwierigkeiten bei der diagnostischen Unterscheidung von MSA- und Parkinson-Patienten zu überwinden. Die Krankheiten mit sehr ähnlichen Symptomen können heute mit Hilfe bildgebender Verfahren wesentlich besser unterschieden werden. Die Innsbrucker Arbeitsgruppe konnte in international beachteten Publikationen auf den Stellenwert des diffusionsgewichteten MRTs sowie anderer MR-basierter Techniken hinweisen und auch die Aussagekraft nuklearmedizinischer Methoden wie DAT-SPECT in der frühen Differentialdiagnose von Parkinson- versus MSA Patienten erarbeiten. Entscheidend für die Patienten ist allerdings, dass bereits sehr früh gezielte therapeutische Verfahren zur Verfügung stehen. Denn bis heute führt diese seltene neurologische Erkrankung nach sechs bis acht Jahre unweigerlich zum Tod. Die Symptome sind vielfältig und betreffen vor allem das autonome Nervensystem und die motorischen Funktionen.

In Labor und Klinik

Im Labor entwickelt Prof. Wenning gemeinsam mit Dr. Nadia Stefanowa und Dr. Martin Köllensperger experimentelle Modelle, um die biologischen Mechanismen der Erkrankung besser zu verstehen. Das erste transgene Mausmodell für MSA, das analog zur Krankheitsentstehung beim Menschen genetische und exogene Faktoren vereinigt, hat international große Beachtung gefunden. Damit zukünftige Therapien erfolgreich sind, müssen die durch die Krankheit zerstörten Nervenzellen zumindest teilweise ersetzt werden. Gregor Wennig untersucht dazu gemeinsam mit Prof. Georg Dechant von der Gemeinsamen Einrichtung für Neurowissenschaften Möglichkeiten der Zellersatztherapie mit Stammzellen, die zum Beispiel im besonders betroffenen Striatum zum Einsatz kommen könnten. Im klinischen Bereich stand in den letzten Jahren vor allem die Suche nach brauchbaren Messinstrumenten für die Erkrankung im Vordergrund. Bereits 1999 wurde dazu in Innsbruck die europäische MSA Studiengruppe (EMSA-SG) gegründet, die auch den Weg für multizentrische therapeutische Studien geebnet hat. Nach diesem Vorbild entstanden in Nordamerika und in Japan ähnliche Netzwerke. Im Jahr 2004 wurde eine „Unified MSA Rating Scale“ entwickelt und validiert, die inzwischen als Goldstandard für die Messung des Krankheitsschweregrads akzeptiert ist. Für große klinische Studien müssen neuroprotektive Substanzen identifiziert werden, die den Krankheitsverlauf möglicherweise stoppen können. Dazu ist wiederum das Verständnis der Krankheitsursache die Voraussetzung. Die Innsbrucker Wissenschaftler gehen davon aus, dass entzündliche Prozesse einen Einfluss haben und den neuronalen Zelltod begünstigen. Deshalb wird derzeit auch eine EMSA Studie mit dem Antibiotikum Minocyclin durchgeführt.

International beachtet

Seine Arbeit vergleicht Prof. Wenning mit jener der Onkologen. „Wir können die Erkrankung nach heutigem Wissen nicht heilen, wir wollen sie aber lindern. Dies könnte uns mit einer sinnvollen Verbindung von zelltherapeutischen und neuroprotektiven Ansätzen gelingen“, so Wenning. Vor elf Jahren war er der Einladung nach Innsbruck gerne gefolgt, denn mit Prof. Werner Poewe ist hier ein ausgewiesener Parkinson-Experte tätig, der seit vielen Jahren an der Weltspitze arbeitet. Inzwischen hat Prof. Wenning selbst einen beachtlichen Schwerpunkt aufgebaut, der internationales Ansehen genießt. Nicht möglich wäre dies gewesen ohne die Unterstützung durch Klinikvorstand Prof. Poewe und Prof. Markus Reindl, den Leiter des neurologischen Forschungslabors sowie seine Mitarbeiter. Alle haben sehr viel dazu beigetragen, dass wir diese Krankheit heute besser verstehen“, betont Wenning.

Von London nach Innsbruck

Gregor Wenning wurde 1964 in Horstmar in Deutschland geboren und studierte von 1983 bis 1990 an der Universität Münster Medizin. Nach einem Jahr an der neurologischen Klinik der Universität Tübingen ging er für drei Jahre an die University of London, um dort einen PhD zu erwerben. 1995 kam er an die Univ.-Klinik für Neurologie in Innsbruck, wo er sich 1999 auch habilitierte. Vor kurzem wurde Gregor Wenning zum Professor für klinische Neurobiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck berufen.

(cf)

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© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 30.8.2006, 00:00:00+01:00ximsTwitter LogoFacebook Logo