International als Experte gefragt

Prof. Florian Kronenberg

14.11.2005

Kardiovaskuläre Erkrankungen sind die Haupttodesursache bei Dialysepatienten, deren Behandlung nicht so effektiv sei wie in der allgemeinen Bevölkerung. Dies ist der Grundtenor der im heurigen Jahr von der amerikanischen National Kidney Foundation im Rahmen ihrer Qualitätsoffensive veröffentlichten Richtlinien für kardiovaskuläre Erkrankungen bei Dialysepatienten. Prof. Florian Kronenberg gehörte zu einem Team von 18 internationalen Experten, die diese Richtlinien ausgearbeitet haben.

Foto: Prof. Florian Kronenberg

Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen haben ein bis zu hundertfach erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Zwischenfälle. Dieses Risiko ist vor allem bei jungen Patienten im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung am deutlichsten erhöht. "Ein dreißigjähriger Dialysepatient hat in etwa ein kardiovaskuläres Risiko wie eine achtzigjährige, nierengesunde Person", stellt Prof. Kronenberg von der Sektion für Genetische Epidemiologie im Department für Medizinische Genetik, Molekulare und Zelluläre Pharmakologie die Relation her.

Aufwändiger Arbeitsprozess

Wenn Prof. Florian Kronenberg an den Prozess denkt, der zu diesen Richtlinien geführt hat, dann treibt es ihm heute noch den Schweiß auf die Stirn. „Wir haben in mehrjähriger Arbeit, unterstützt von einem Evidence Review Team des New England Medical Centers in Boston die für diese Fragestellung wichtige Literatur gewälzt, Daten extrahiert und Evidenz-Tabellen erstellt, aus denen dann letztendlich die Richtlinien abgeleitet worden sind.“ Die Richtlinien sollten auf Evidenzen von publizierter Literatur und nicht aufgrund von Meinungen entstehen. „Dies war jedoch oft sehr schwierig, da für manche Fragestellungen die Literatur dünn oder wissenschaftlich mangelhaft ist. Die großen Interventionsstudien, die bei kardiologischen Patienten gemacht wurden und relativ klare Schlüsse erlauben, lassen sich nicht unbedingt direkt auf Nierenpatienten übertragen. Für gezielte Studien in dieser Patientengruppe fehlt oft das Geld oder auch das Interesse der Pharmaunternehmen“, erklärt Prof. Kronenberg. „Daher waren wir oft gezwungen, Empfehlungen mit deutlichen Einschränkungen zu geben oder weitere Studien anzuregen.“ Die Gruppe von Experten erstellte eine recht ansehnliche Liste an Forschungsanregungen, die das Feld in den nächsten Jahren durchaus etwas leiten wird. Nach Erstellung der Richtlinien wurden diese noch vor der Veröffentlichung einer weltweiten Begutachtung durch weit mehr als 100 interessierte Fachleute unterzogen.

„Spannende Aufgabe“

Auf die Frage, warum er als Nicht-Nephrologe und einer von nur zwei Europäern in dieses Gremium eingeladen worden sei, meint Kronenberg: „Die Vorsitzenden der Arbeitsgruppe wollten einen Vertreter, der die Belange der Epidemiologie, Genetik und den Bereich der Biomarker abdeckt. Nachdem unser Team seit mehr als 15 Jahren genau in diesem Bereich arbeitet und Schlüsselarbeiten dazu publiziert hat, fiel die Entscheidung auf mich, wobei ich anfangs keinesfalls davon begeistert war.“ Ob er diesen arbeitsreichen Prozess wieder durchmachen würde? „Es ist keine Frage, das gesamte Projekt war sehr spannend und ich habe dabei enorm viel gelernt. Ich habe auch erleben dürfen, wie renommierte Persönlichkeiten aufgrund von evidenz-basierten Daten ihre bisherige Meinung geändert haben. Und das ist eigentlich recht ermutigend“, so Kronenberg abschließend.

(cf)

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© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 14.11.2005, 00:00:00+01:00ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo