Wenn der Zelltod außer Kontrolle gerät

Apoptosische Zellen (grün) im Thymus, gefärbt mittels TUNEL Technik. Die Kerne aller Zellen sind rot gegengefärbt

11.5.2004

Den Ursachen bestimmter Autoimmunerkrankungen ist Prof. Andreas Villunger vom Institut für Pathophysiologie auf der Spur. An Tiermodellen konnte er gemeinsam mit australischen Kollegen zeigen, wie ein den Zelltod förderndes Protein der Bcl-2 Familie die Entstehung solcher Erkrankungen verhindert. Die Ergebnisse wurden unlängst in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.

Foto: Apoptosische Zellen (grün) im Thymus, gefärbt mittels TUNEL Technik. Die Kerne aller Zellen sind rot gegengefärbt

Die Arbeitsgruppe um Prof. Andreas Villunger beschäftigt sich mit dem biologischen Prozess der Apoptose, der auch programmierter Zelltod genannt wird. Dabei handelt es sich um ein genetisches Programm, das jeder Zelle innewohnt und dazu dient entartete, schlecht funktionierende oder überalterte Zellen gezielt zu entfernen. Dieser Prozess spielt bereits eine bedeutende Rolle in der Embryonalentwicklung und dient im Erwachsenen dazu das zelluläre Gleichgewicht in Organen und Geweben aufrecht zu erhalten. „Besonders interessant für uns ist, dass Fehler in der Zelltodkontrolle zur Entstehung von Tumoren und Autoimmunerkrankungen beitragen können." so Prof. Andreas Villunger. "Wir versuchen die molekularen Grundlagen dieser Prozesse im Tiermodell zu verstehen und hoffen, dass diese Erkenntnisse zur Entwicklung von neuen oder zur Verbesserung bestehender Behandlungsstrategien herangezogen werden können“.

Fehlendes Bim-Protein löst Autoimmunerkrankung aus

Gemeinsam mit Forschungspartnern in Melbourne konnte Villunger in der soeben erschienen Arbeit zeigen, dass ein den Zelltod förderndes Protein der Bcl-2 Familie (genannt Bim) kritisch für die Elimination potentiell autoreaktiver T-Zellvorläufer während der T-Zell-Reifung im Thymus ist. Wenn dieses Protein fehlt oder inaktiviert ist, können T-Zellen heranreifen und in periphere lymphatische Organe wie Blut, Milz oder Lymphknoten gelangen, die körpereigene Strukturen als „fremd“ ansehen bzw. nicht länger „tolerieren“. Somit kann es zu einer Aktivierung des Immunsystems gegen den eigenen Körper kommen und eine Autoimmunerkrankung wie etwa Systemischer Lupus erythematodes (SLE) ausgelöst werden. Im Zuge dieser Erkrankung kommt es unter anderem zur Produktion von autoreaktiven Antikörpern und häufig auch zur Ablagerung von Immunglobulinkomplexen in der Niere. Diese beiden pathologischen Veränderungen sind auch in Tieren, denen das Bim-Protein fehlt, zu beobachten. Dieses Tiermodell eignet sich daher gut zur Untersuchung der Ätiologie von bestimmten Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise SLE und möglicherweise auch zur prä-klinischen Evaluierung gewisser therapeutischer Konzepte.

(cf)

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© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 11.5.2004, 08:00:00+01:00ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo