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HINTERGRUND

Der enorme Erkenntnisfortschritt auf dem Gebiet der Humangenetik und die rasanten methodischen Entwicklungen in der humangenetischen Diagnostik führen zu einem wachsenden Bedarf an qualifizierten Personen, die FachärztInnen für Humangenetik in den genetischen Ambulanzen bzw. bei der gesetzlich vorgeschriebenen genetischen Beratung unterstützen. Aufgrund der komplexen Zusammen­hänge und Anforderungen ist für solche spezialisierten nicht-ärztlichen Assistenzleistungen eine umfassende akademische Ausbildung notwendig. Das entsprechende Berufsbild des ‚Genetic Counsellors‘ ist in vielen Ländern erfolgreich etabliert. Auch in großen Teilen Europas werden ‚Genetic Counsellors‘ z.T. bereits seit Jahrzehnten in enger Zusammenarbeit mit FachärztInnen für Humangenetik eingesetzt. Mit dem Masterstudium „Genetischer und Genomischer Counsellor“ an der Medizinischen Universität Innsbruck wird dieses Berufsbild auch im deutschen Sprachraum etabliert.

Die Anforderungen des Berufsbilds „Genetic Counsellor“ sind in Europa in einem international anerkannten Curriculum des European Board of Medical Genetics (EBMG) auf MSc-Ebene festgelegt. Entsprechende Studiengänge werden von der Europäischen Gesellschaft für Humangenetik (ESHG) akkreditiert. AbsolventInnen mit erfolgreichem Masterabschluss und zweijähriger Berufserfahrung als ‚Genetic Counsellor Trainee‘ werden als ‚Genetic Counsellor‘ bei der ESHG registriert; dies sichert die europa­weite professionelle Anerkennung und somit die Möglichkeit, auch international tätig zu sein. Umgekehrt sollte diese Qualifikation ermöglichen, dass europäisch ausgebildete Personen auch im deutschsprachigen Raum tätig werden können.

I) Berufsgesetze

Die Situation der Gesundheitsberufe in Österreich und Deutschland ist grundsätzlich vergleichbar. Für die Ausübung einiger staatlich anerkannter Gesundheitsberufe gibt es gesetzliche oder untergesetz­liche Regelungen, welche u.a. die Delegierbarkeit und Substitution ärztlicher Tätigkeiten in interdisziplinär arbeitenden Teams klar beschreiben. Die Gesundheitsberufe im Bereich der Humangenetik (Fachhumangenetiker, Genetische Beratungsassistenten) sind nicht normativ geregelt. Eine Tätigkeit als genetischer Beratungsassistent im direkten Patientenkontakt ist zum aktuellen Zeitpunkt nur dann möglich, wenn eine andere Qualifikation in einem anerkannten Gesundheitsberuf besteht, und der Umfang der Assistenzaufgaben darf die entsprechende Qualifikation nicht überschreiten. Von der deutschen Gesellschaft für Humangenetik (GfH) und dem Berufsverband Deutscher Humangenetiker (BVDH) wurde 2019 die Anerkennung der Gesundheitsberufe Fachhumangenetiker und Genetischer Beratungsassistent im Gesundheitsministerium beantragt.

II) Ausbildung

Eine internationale Vergleichbarkeit des Genetischen Beratungs­assistenten wird durch Anwendung des „European Credit Transfer System (ECTS)“ gewährleistet. Die Ausbildung Genetischer Beratungs­assistent umfasst fünf Semester (entsprechend 100 ECTS-Punkten) umfassen und wird als berufsbegleitendes praxisnahes Studium organisiert. Die Studierenden werden theoretisch und praktisch zur Wahrnehmung von Aufgaben in der Unterstützung der medizinisch-genetischen Dokumentation, Aufklärung, Informationsweitergabe und Beratung im individuellen Kontext unter Aufsicht eines Facharztes für Humangenetik ausgebildet. Sie lernen die klinische Anwendung der Humangenetik und Genomik kennen und können deren wissenschaftliche und klinische Grundlagen kritisch bewerten. Die Vermittlung von wissenschaftlich und klinisch fundiertem, d.h. evidenzbasiertem Wissen im Bereich der Genetik, Genomik und Gendiagnostik wird mit kommunikativen sowie organisatorischen Kompetenzen kombiniert. Der erfolgreiche Abschluss des Lehrganges befähigt AbsolventInnen, in medizinisch-genetischen Einrichtungen unter ärztlicher Leitung Assistenz­aufgaben bei der Erfassung von erblichen Krankheiten sowie in der Kommunikation von genetischen Informationen zu übernehmen.

III) Kompetenzerweiterung / neue Aufgaben und Übertragung einer höheren Verantwortung

Der Arztvorbehalt der genetischen Beratung wird nicht beeinträchtigt, wenn Teilaspekte der klinisch-genetischen Aufgaben wie Einholen von ärztlichen Unterlagen, vorbereitende Erhebung der Eigen- und Familienanamnese, standardisierte Erläuterung diagnostischer Abläufe, Berechnung von Risiken mithilfe von Internet-basierten Risikokalkulationsprogrammen, Unterstützung bei psychosozialen Fragen etc. an Genetische Beratungs­assistenten delegiert werden, um die Effizienz genetischer Sprechstunden zu erhöhen und so dem u.a. durch das Gendiagnostikgesetz gewachsenen Bedarf an genetischen Beratungen gerecht zu werden.

Hervorzuheben ist dabei, dass die Tätigkeit von Genetischen Beratungs­assistenten zwingend notwendig unter fachärztlich humangenetischer Verantwortung und Supervision erfolgt. Aufgrund der hohen medizinischen Komplexität und der oft erheblichen individuellen Konsequenzen muss der Richtigkeit der Leistungen von Genetischen Beratungs­assistenten in jedem Einzelfall fach­ärztlich humangenetisch überprüft und sichergestellt werden. Die klinische Verantwortlich­keit verbleibt uneingeschränkt beim Facharzt für Humangenetik. Es wird also keine selbständige Tätigkeit der Genetischen Beratungs­assistenten angestrebt, die Tätigkeit erfolgt nur im interdisziplinären Kontext einer fachärztlich humangenetisch geleiteten Einrichtung.

Die Schaffung des Berufsbildes des Genetischen Beratungs­assistenten schließt eine noch existente Lücke bei den medizinischen Assistenzberufen, da Fachärzte für Humangenetik zwar im humangenetischen Labor durch dafür qualifizierte Naturwissenschaftlicher (Fachhumangenetiker) unterstützt werden, es für die genetische Beratung bisher jedoch keinen Assistenzberuf mit adäquater Qualifikation gibt.

IV) Akademisierung

Der Beruf des Genetischen Beratungs­assistenten erfordert umfassende genetische Kenntnisse sowie tiefgreifende Fertigkeiten der patientenzentrierten Kommunikation. Derartig spezialisiertes Wissen kann – nach vorausgegangenen Erwerb eines Bachelor-Abschlusses in einem relevanten Fach (z. B. Biologie, Psychologie oder Gesundheitsfach­beruf) nur im Rahmen einer akademischen Hochschulausbildung auf MSc-Ebene erworben werden. Die Ausbildung unter­scheidet sich insofern von „Arztassistenten“, für die meist eine einfache BSc-Qualifikation ausreicht, welche mit dem europäischen Akkreditierungsprozess inkompatibel ist.

Infofolder als pdf-Download

Genetisches und Genomisches Counselling

Medizinische Universität Innsbruck

Institut für Humangenetik

Peter-Mayr-Straße 1
6020 Innsbruck
Österreich

info19@gencouns.at

+43 512 9003 70511

 

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