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Vortrag über die Grundlagen der medizinischen Entscheidungsfindung

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19.1.2016

Die systematische Analyse und Bewertung relevanter medizinischer Zusammenhänge ist ein zentrales Forschungsthema des Departments für Medizinische Statistik, Informatik und Gesundheitsökonomie unter der Leitung von ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Hanno Ulmer. Statistische Analysemethoden lassen sich auch für die Vorhersage von Krankheitsverläufen nutzen. Zu diesem Thema war im Jänner der renommierte Epidemiologe Ewout W. Steyerberg zu Gast.

Nicht immer kann ärztliches Wissen auf einzelne Krankheitsabläufe übertragen werden, um daraus eine individuelle Prognose zu erstellen. Medizinische Prognosen basieren deshalb auf der Beobachtung definierter PatientInnengruppen mittels statistischer Methoden. Dafür stehen spezifische Vorhersagemodelle zur Verfügung. Modelle, welche eine Vorhersage von ungewollten Ereignissen oder Nebenwirkungen erlauben, sind für die klinische Entscheidungsfindung wichtig, weil sie auch die Wahl der Therapie unterstützen.

Auf Einladung von Prof. Hanno Ulmer und Dr. Michael Edlinger vom Department für Medizinische Statistik, Informatik und Gesundheitsökonomie hielt Prof. Dr. Ewout Steyerberg, Professor für Medizinische Entscheidungsfindung am Erasmus Medical Centre, Rotterdam am 8. Jänner dieses Jahres einen Vortrag zum Thema “Predictions in clinical medicine - Lessons learnt from the SYNTAX, GUSTO, and ERSPC (PSA screening) trials”. Vor zahlreichen interessierten Zuhörern referierte der Wissenschafter über Erfahrungen aus seiner Mitwirkung  an bedeutenden internationalen Studien aus verschiedenen klinischen Bereichen (z.B. Schädel-Hirn-Traumata, kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebs)  und außerdem über sein Lehrbuch zum Thema klinische Vorhersagemodelle. Steyerberg bedient sich dabei vor allem sogenannter Regressionsanalysen, mittels derer es möglich ist, Zusammenhänge quantitativ zu beschreiben oder Werte der abhängigen Variablen zu schätzen. Prof. Steyerberg betont abschließend in seinem Vortrag: "The current era of evidence-based medicine asks for an individualised approach to medical decision-making".

Prof. Steyerberg hat außerdem maßgeblich an der Weiterentwicklung eines Scores zur Diagnose von koronaren Herzerkrankungen (KHK) (Genders et al. Brit Med J 2012;344:e3485) mitgewirkt und dazu ebenfalls in Innsbruck referiert. Der daran anschließende Vortrag von  Michael Edlinger „Validation of a predictive diagnosis model for CAD“ stand in direktem thematischen Zusammenhang und stützte sich auf Daten aus der rund 8.000 PatientInnen umfassenden Kohortenstudie CARDIIGAN der Innsbrucker Univ.-Klinik für Kardiologie (Priv.-Doz. Hannes Alber, Dr. Maria Wanitschek und Dr. Jakob Dörler). „Beide Vorträge beinhalten wesentliche methodische Ansätze, die auch im Rahmen des unter der Leitung der Medizinischen Universität Innsbruck stehenden K-Projekts VASCAge zur Anwendung kommen könnten“, erklärt der Epidemiologe Michael Edlinger ein zusätzliches Benefit. VASCage fokussiert auf die Alterungsprozesse des Gefäßsystems und steht unter der Leitung der Neurologen Prof. Stefan Kiechl und Prof. Johann Willeit.

(D.Heidegger)

 

Links:

Department für Medizinische Statistik, Informatik und Gesundheitsökonomie
https://www.i-med.ac.at/msig/

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 19.1.2016, 16:02:00ximsTwitter LogoFacebook Logo