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Medizinische Universität Innsbruck trauert um ihren ehem. Rektor Lochs

Rektor i. R. Univ.-Prof. Dr. Herbert Lochs

16.2.2015

Kürzlich verstarb Herbert Lochs – ein umfassend gebildeter Humanist mit breit gefächertem Verständnis vom Wesen des Menschen. Als Rektor der MUI war er eine Persönlichkeit, die in ihrem Wirken die Tiroler Hochschullandschaft geprägt hat. Der in Innsbruck aufgewachsene Herbert Lochs hatte zahlreiche akademische Stationen im Ausland durchlaufen, ehe er 2009 in seiner Heimatstadt die Spitzenposition an der Medizinischen Universität übernahm.

Herbert Lochs wurde in Innsbruck geboren, wo er auch das Humanistische Gymnasium besuchte und Medizin studierte. Im Jahr 1970 promoviert, verbrachte er anschließend zwei Jahre als Universitätsassistent am Pharmakologischen Institut Innsbruck und ging dann von 1973 bis 1979 an die Universitätsklinik Wien, um die Facharztausbildung für Innere Medizin zu absolvieren. In den Jahren 1984 bis 1986 hielt sich Lochs zu Studien an der Universität Pittsburgh (Pennsylvania, USA) auf und verfasste dort eine Reihe wissenschaftlicher Arbeiten zur Ernährungsphysiologie und zum Stoffwechsel. Zurück in Wien habilitierte er sich für das Fach Innere Medizin zum Thema "Ernährungstherapie bei Morbus Crohn“. 1986 folgte er dem Angebot der IV. Medizinischen Universitätsklinik in Wien, unter der Vorstandschaft von Univ.-Prof. Dr. Alfred Gangl, eine Arbeitsgruppe zum Thema "Stoffwechsel und Ernährung in der Gastroenterologie" aufzubauen.

1994 folgte Herbert Lochs einer Berufung zum C4-Professor für Innere Medizin und Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik mit Schwerpunkt Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie am Universitätsklinikum Charité und der Medizinischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Er machte sich dort einen Namen als engagierter Arzt und begabter Klinikchef. Sein besonderes wissenschaftliches und klinisches Interesse orientierte sich auf die generell noch vernachlässigte, aber wichtige Klinische Ernährung. Lochs war  langjähriger Vorsitzender bzw. Präsident der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für klinische Ernährung, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin und auch Präsident der European Society for Parenteral and Enteral Nutrition. Sein Credo als Gastroenterologe und Ernährungsmediziner war die enge Kooperation der verschiedensten Fächer, von der Ernährungsphysiologie bis hin zur Pharmakologie und Chirurgie. Nicht selten begleitete er seine Patienten und Patientinnen auch in den Operationssaal, um sich ein unmittelbares Bild von der von ihm diagnostizierten Erkrankung zu machen. Die von Herbert Lochs geleitete Berliner Klinik erfuhr in dieser Zeit nicht nur einen signifikanten Aufschwung in der Qualität der ärztlichen Versorgung, sondern auch in ihrer wissenschaftlichen Aktivität. Dieser wissenschaftliche Erfolg wird durch zahlreiche Veröffentlichungen seiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie Arbeiten unter seiner Federführung untermauert. Aus dieser Zeit stammen richtungsweisende multizentrische Studien zur Therapie von Morbus Crohn und anderen entzündlichen Darmerkrankungen. Einen wesentlichen Fortschritt brachte die Einführung einer innovativen photodynamischen Therapie von nicht resezierbaren Cholangiokarzinomen. Viel zitiert sind auch frühe Arbeiten zum bakteriellen Besatz der Darmmucosa bei Colitis ulcerosa, die heute Grundlage für neue Therapieansätze sind. Herbert Lochs war federführender Autor der Leitlinien zur Enteralen Ernährung der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin und war bis zuletzt in der Erstellung von Leitlinien zur Ernährung, klinischen Ernährung bzw. enteralen Ernährung involviert. Als engagierter akademischer Lehrer war Herbert Lochs maßgeblich an der Entwicklung des Reformstudiengangs Medizin der Charité beteiligt. Er blieb bis zuletzt seinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen an der Berliner Klinik verbunden und wurde von ihnen regelmäßig als Mentor bzw. Freund konsultiert.

Die Position des Rektors an der Medizinischen Universität Innsbruck führte Professor Lochs nicht nur in seine Heimatstadt zurück, sondern verkörperte auch einen neuen Lebensabschnitt, der mit der Übernahme einer wichtigen gesellschaftspolitischen Funktion einherging. Rektor Lochs hatte große strategische Aufgaben anzugehen: Die Identitätsfindung der 2004 gegründeten Medizinischen Universität musste weitergetragen werden, Rahmenbedingungen für eine friktionsfreie Zusammenarbeit mit den Partnern der Universität sollten verbessert werden, und die Errichtung des großen Biozentrumsgebäudes stand kurz vor dem Abschluss. Es entsprach dem Wesen eines passionierten Arztes, dass Rektor Lochs vor allem die Neuausrichtung der Kinderkliniken und der Kliniken für Innere Medizin ein besonderes Anliegen war. Dieser Arbeitsbereich des Rektors war eine Schnittstelle, an welcher das Streben eines Wissenschafters und das Gestaltungsvermögen eines vormaligen Klinikdirektors zusammenliefen: Herbert Lochs konnte seine jahrzehntelang aufgebaute medizinische Expertise vollends einbringen. Er war Mitglied bzw. Ehrenmitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften und wurde mit einer Reihe von Preisen und Ehrungen ausgezeichnet. Professor Lochs war Träger des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst Erster Klasse.

Die kurze Zeit, die Herbert Lochs nach seiner Amtszeit noch verblieb, war geprägt von einem Leben mit seiner Frau Univ.-Prof. Dr. Heide Hörtnagl und Freunden in Tirol und Berlin, in Verbundenheit mit der Natur, ebenso wie mit der Musik und Kunst. Er blieb aber auch seiner Profession als Ernährungsmediziner im Rahmen internationaler Tagungen weiter treu und engagierte sich persönlich bei der Caritas-Auslandshilfe im Rahmen eines Armenien-Projektes. Insbesondere erfüllte er sich aber den immer gehegten Wunsch eines Studiums der Theologischen Philosophie, dem er bis zuletzt intensiv und mit Begeisterung nachging.

Herr Rektor Lochs, Ihnen gilt unser akademischer und aufrichtiger Dank!

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 16.2.2015, 13:03:00ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo