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Wie die Mikrobiota chronische Entzündungen beeinflusst

Die Ursachen für chronische Entzündungen, wie sie bei Erkrankungen wie Typ 2 Diabetes, starkem Übergewicht oder der nichtalkoholischen Fettleber (NAFDL) vorkommen, könnten im Darm liegen. Herbert Tilg, Direktor der Univ.-Klinik für Innere Medizin I (Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie) und sein Mitarbeiter Timon E. Adolph haben gemeinsam mit renommierten Fachkollegen aus Israel ein dreistufiges Modell entwickelt, wie die Mikrobiota entzündliche Prozesse im Körper steuern könnte.

Leicht erhöhte Entzündungswerte, das ist eine Diagnose, die vor allem PatientInnen mit Typ 2 Diabetes, starkem Übergewicht oder einer nichtalkoholischen Fettleber häufig nach einer Blutabnahme hören. Diese Erkrankungen nehmen derzeit weltweit zu, ebenso wie eine bei diesen Erkrankungen häufig vorliegende Gefäßverkalkung, die sogenannte Arteriosklerose. Die chronisch erhöhten Entzündungswerte dürften dafür verantwortlich sein, dass Menschen mit diesen Erkrankungen ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko haben und häufiger einen Schlaganfall oder Herzinfarkt bekommen. Gemeinsam mit renommierten Experten aus Israel haben Herbert Tilg und Timon E. Adolph nun im renommierten Fachjournal „Nature Reviews Immunology“ (Impact Factor 42) ein Modell veröffentlicht, wie die Keimwelt im Darm, die sogenannte Mikrobiota, metabolische Entzündungen und Dysfunktionen regelt.

Behandlung der chronischen Entzündung führt zu weniger Herzinfarkten

„Es handelt sich hier um ein sehr relevantes Thema“, erklärt Herbert Tilg. „Durch aktuelle Forschungsarbeiten wissen wir, dass wenn wir mit einem bestimmten Antikörper Entzündungsparameter blockieren, führt das zu weniger Herzinfarkten.“ Dementsprechend ist die Frage, was für die chronischen Entzündungen hauptverantwortlich ist, aktueller denn je, denn hierbei könnten die WissenschafterInnen einen Schlüssel zur Vermeidung von Arteriosklerose finden. „Wir haben jetzt im Prinzip ein Modell entwickelt, das drei Schlüsselereignisse, die zu einer chronischen Entzündung führen, berücksichtigt“ so der Gastroenterologe. Dass die Antwort im Darm liegen könnte, liegt auf der Hand, denn bei PatientInnen mit Typ 2 Diabetes, starkem Übergewicht oder der nichtalkoholischen Fettleber lässt sich eine Gemeinsamkeit finden: Sie alle zeigen signifikante Veränderungen in der Zusammensetzung der Mikrobiota.

Drei Schlüsselereignisse sind für metabolische Entzündung verantwortlich

„In unserer aktuellen wissenschaftlichen Arbeit zeigen wir auf, dass es im ersten Schritt zu einer Veränderung der Mikrobiota kommt. Es dominieren Keime, welche die Darmoberfläche reizen und es entsteht ein Ungleichgewicht“, erklärt Tilg. In der zweiten Stufe kommt es dann dazu, dass die gestörte Darmbarriere „löchrig“ wird. „Hierbei spielen viele Faktoren eine Rolle, wie beispielsweise der Zuckerspiegel“, ergänzt Tilg. Zu diesem Zeitpunkt der Erkrankung kann die Leber allerdings noch viel neutralisieren. Schließlich kommt es allerdings zu einem Fortschreiten: Keime können in der Leber nicht mehr eliminiert werden und geraten in den Kreislauf. „Dort werden dann an verschiedenen Stellen Entzündungen getriggert“, so Tilg. Weitere Forschungsarbeiten zu diesem Entzündungsweg, sollen dazu beitragen, Stoffwechselerkrankungen und deren Begleiterscheinungen, wie die Arteriosklerose, besser ursächlich behandeln zu können.

Publikation:

Autoren: Tilg H, Zmora N, Adolph TE, Elinav E:

The intestinal microbiota fuelling metabolic inflammation

 

 (B. Hoffmann-Ammann)

Weitere Informationen:

Univ.-Klinik für Innere Medizin I

 

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 19.8.2019, 11:04:00ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo