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MUI Scientist to watch: Stephanie zur Nedden

Um herausragende Wissenschafterinnen und Wissenschafter vor den Vorhang zu holen, hat die Medizinische Universität Innsbruck das Programm „MUI Scientist to watch“ etabliert. Damit haben ForscherInnen die Möglichkeit, alle drei Monate ihre jeweils beste Arbeit einzureichen und von einem unabhängigen Komitee bewerten zu lassen. Ein Portrait der erfolgreichen KandidatInnen und die Hintergründe ihrer Forschung lesen Sie in jedem Quartal auf myPoint.

Die zweite Ausschreibungsrunde des Programms MUI Scientist to watch hat Stephanie zur Nedden für sich entschieden. Die 37jährige Innsbruckerin hat in der Gehirnforschung ihre Leidenschaft gefunden und forscht derzeit in der Arbeitsgruppe von Gabriele Baier-Bitterlich an der Sektion für Neurobiochemie (Direktorin: Christine Bandtlow).

Faszination Gehirn
Es ist Stephanie zur Nedden durchaus ernst, wenn sie erzählt, dass sie zu Beginn ihres Biologie- und Zoologie-Studiums in Innsbruck „am liebsten mit Affen im Urwald gelebt hätte“ –  in Anlehnung an die bekannte Verhaltensforscherin Jane Goodall. Dass es dann doch anders kam, lag am zunehmenden Interesse an den biochemischen Vorgängen im Gehirn und vielleicht auch ein bisschen daran, dass schon ihr Vater, der Radiologe Dieter zur Nedden, ihren Blick auf dieses komplexe Organ geschärft hatte. „Das Gehirn ist für mich das faszinierendste Organ, weil schon kleinste Veränderungen zu Dysfunktionen etwa in Bewegungsabläufen oder bei Gedächtnisleistungen führen können. Mich interessiert, wie die korrekte Verschaltung im Gehirn zu korrektem Output führt“, beschreibt die Neurobiologin ihr Forschungsfeld. Schon ihre Diplomarbeit, die sie unter der Betreuung von Gabriele Baier-Bitterlich verfasste, behandelte den Schlaganfall und die Auswirkungen des zerebrovaskulären Insults auf das Gehirn. Aus dem anschließenden PhD-Studium im Labor des Pharmakologen Bruno Frenguelli an der University of Warwick brachte sie schließlich nicht nur ihren Forschungsfokus auf neuroprotektive und neuroregenerative Mechanismen, sondern auch ihren Lebensgefährten, ebenfalls Biologe, nach Innsbruck mit. Hier nützte sie – nach einem kurzen Zwischenstopp im Labor von  Harald Janovjak am IST in Wien – die Möglichkeit, als PostDoc in die Gruppe von Gabriele Baier-Bitterlich zurückzukehren und an einem neuen FWF-Projekt zur Rolle der Proteinkinase N1 in der normalen Hirnfunktion und im pathologischen Setting mit zu forschen.

PKN1 und die Entwicklung des Kleinhirns
Schon im Vorfeld hatte das Team um Gabriele Baier-Bitterlich nachweisen können, dass das Gehirnenzym PKN1 eine gewisse Rolle bei der Neuroprotektion von Neuronenkulturen unter Sauerstoffmangel spielt. Dessen physiologische Funktion im Zentralnervensystem war bislang jedoch unbekannt. Nachdem das Expressions-Level von PKN1 im Kleinhirn am höchsten ist und dieser, für  die Funktionen der Motorik und Koordination bedeutende Teil des Gehirns aufgrund seines langwierigen Entwicklungsprozesses besonders anfällig für Entwicklungsstörungen ist, untersuchte das Team das Kleinhirn mithilfe von PKN1 Knock-out-Mäusen. „Das war sehr spannend, weil wir zeigen konnten, dass PKN1 während der zerebellären Entwicklungen jenen molekularen Pfad reguliert, der für die Reifung von Synapsen im Kleinhirn verantwortlich ist. Schon kleinste ‚miss matches‘  können also dazu führen, dass im Kleinhirn Neuronen inkorrekt verschaltet werden, was dem Enzym PKN1 eine wichtige Rolle im Gehirn zuweist“, erzählt Erstautorin Stephanie zur Nedden, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des richtungsweisenden Papers im renommierten „Journal of Clinical Investigation“ gerade hochschwanger war.

Die Forschung ist meins
Inzwischen sind Stephanie und ihr Lebensgefährte Eltern einer 10-monatigen Tochter und die Arbeit im Labor ist auf 20 Wochenstunden limitiert – ein Pensum, das den oftmals kurzen Nächten junger Eltern durchaus entgegen kommt. Auf die  „tolle Zusammenarbeit mit Gabriele Baier-Bitterlich“ hat sie sich trotzdem gleich wieder gefreut.  „Die Forschung ist meins. Ich versuche gerade, ein Hertha-Firnberg-Stipendium einzuwerben, möchte mich jedenfalls habilitieren und in Zukunft auch eine eigene Arbeitsgruppe leiten“, betont Stephanie zur Nedden, die bei der Organisation des Familienlebens auf die Unterstützung durch Omas und ihren Partner zählen kann.  Dass man als Forscherin auch eine hohe Frustrationstoleranz benötigt, habe sie erst mit der Zeit gelernt. „Es ist wichtig, sich immer wieder neue Ziele zu stecken, wenn Experimente nicht klappen, aber es gibt eben immer wieder auch erfüllende Momente“, gesteht sie. Für Ablenkung sorgen in jedem Fall ihre kleine Tochter und die regelmäßigen Flüge samt Familie nach England. Und die nächsten Forschungsziele sind schon gesteckt: Die weitere Aufklärung der Rolle von PKN1 im Schlaganfall und in anderen traumatischen Krankheitsbildern.

(D. Heidegger)

Links:

Protein kinase N1 critically regulates cerebellar development and long-term function. Stephanie zur Nedden et al.
https://doi.org/10.1172/JCI96165

Sektion für Neurobiochemie
https://www.i-med.ac.at/neurobiochemistry/index.html

MUI Scientist to watch
https://www.i-med.ac.at/forschung/fo_foerderung.html

 

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 4.3.2019, 09:08:00ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo