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Weitere FWF geförderte Projekte an der Medizin Uni Innsbruck

Zwei weitere FWF-Förderungen gingen an Gottfried Baier vom Department für Medizinische Genetik, Molekulare und Klinische Pharmakologie sowie an Ana Cristina Figueiredo de Lemos und Rana El Rawas vom Department für Psychiatrie und Psychotherapie.

Nachdem im Frühjahr 2018 das Kuratorium des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in Österreich (FWF) insgesamt vier neue Einzelprojekte genehmigt hatte und ein Forschungsvorhaben aus dem Matching Funds unterstützt wurde, wurden zwei weitere Projekte an der Medizinischen Universität Innsbruck vom FWF unterstützt:

Gottfried Baier, Department für Medizinische Genetik, Molekulare und Klinische Pharmakologie: „Der Kernrezeptor NR2F6 als Krebs Immunkontrollpunkt.“ (Projektnummer: P 31383)

Ana Cristina Figueiredo de Lemos und Rana El Rawas, Department für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der Universitätsklinik für Psychiatrie 1: „Die Rolle von Kappa-Opioid Rezeptoren bei sozialer Interaktion.“ (Projektnummer: M 2486)

 

Immunantwort für den Körper (Gottfried Baier)

Zentrale Forschungstätigkeit von Gottfried Baier, Leiter der Sektion Zellgenetik am Department für Medizinische Genetik, Molekulare und Klinische Pharmakologie und seinem Team ist die Suche nach Mechanismen, durch die das Immunsystem präzise gesteuert wird. Auch das aktuelle FWF-Projekt stellt sich den Fragen einer mittels T-Lymphozyten erworbenen Immunabwehr. Die Entschlüsselung dieser zellulären Aktivierungsprozesse ist nicht nur für das Verständnis der Physiologie des Immunsystems von Bedeutung, sondern sie liefert auch den Schlüssel, Störungen des Immunsystems zu verstehen und, was noch wichtiger erscheint, in der Zukunft besser therapieren zu können.

Das Ziel des neuen FWF Projektes ist, so Baier, einen vom Kernrezeptor NR2F6 (Nuclear receptor subfamily 2, group F, member 6) vermitteleten Signalweg als regulativen Schlüsselmechanismus von Effektor-T-Zellen biochemisch im Detail zu entschlüsseln. Die bisherige Arbeit von Baier und seinem Team hat NR2F6 als einen alternativen Immun-Checkpoint-Kandidaten identifiziert, der das Immunsystem in Gesundheit und Krankheit kritisch reguliert: „Ein Merkmal des Kernrezeptors NR2F6 ist seine Fähigkeit Proteinkomplexe mit nicht verwandten DNA-Bindungsproteinen wie NFAT, BCL11a und NR2B1 zu bilden“, sagt Baier und erklärt: „Mechanistische Daten lassen vermuten, dass NR2F6 im Komplex mit BCL11a und NR2B1 die Fähigkeit der Transkriptionsfaktoren NFAT und AP-1 aneinander zu binden, kompetitiv unterbindet und solcherart die Antigen-spezifische Immunzellaktivierung einschränken kann.“

Obwohl derzeit verfügbares Wissen die Hypothese unterstützt, bedarf es nun jedoch detailliertere Analysen, um diese Prozesse im physiologischen aber auch pathophysiologischen Zusammenhang des T-zellulären Signalnetzwerks aufzuklären – und hier greift nun das aktuelle vom FWF mit über 400.000 Euro geförderte Projekt.

 

Zeit mit Freunden verbringen ( Ana Cristina Figueiredo de Lemos, Rana El Rawas)

Das zweite vom FWF geförderte Projekt beschäftigt sich mit sozialer Interaktion. Ana Cristina Figueiredo de Lemos und Rana El Rawas vom Department für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik untersuchen am Tiermodell die Mechanismen, die den positiven Effekten der Belohnung durch soziale Interaktion zugrunde liegen. „Wir konnten kürzlich zeigen, dass soziale Interaktion einen bestimmten Stress-Marker (p38 Aktivierung) in der Schalenregion des Nucleus accumbens – einer Hirnregion, die wichtig für Belohnung und Stress ist – reduziert. Dieser Effekt kann als stressreduzierend betrachtet werden“, meint Projektleiterin Ana Cristina Figueiredo de Lemos. Was in diesem, nun vom FWF geförderten, Projekt gezeigt werden soll ist, dass dieser Anti-Stress-Effekt durch eine reduzierte Aktivierung von Kappa-Opioid Rezeptoren (KOR) im ventralen Teil des Nucleus accumbens shell moduliert wird, was zu einer reduzierten p38 Aktivierung und in Folge zu einer Reduktion aversiver negative Verhaltensweisen führt. „Darüber hinaus nehmen wir an, dass der belohnende Effekt sozialer Interaktion durch eine Zunahme der Aktivierung von KOR, sowie der Kinase ERK im dorsalen Teil des Nucleus accumbens shell moduliert wird.“ Dieses Projekt ist das erste, das den Einfluss von KORs auf positive soziale Interaktion untersucht. „Es hat sich herausgestellt, dass Zeit mit Freunden zu verbringen, die keine Drogen nehmen (positive soziale Interaktion), eine gute Alternative für Substanzkonsum sein kann“, sagt Rana El Rawas. Das gewonnene Wissen soll helfen, effektive Strategien zur Prävention von Abhängigkeitserkrankungen zu entwickeln, sowie neue Ziele für die Behandlung von Sucht und anderen psychiatrischen Erkrankungen liefern. Das Projekt wird mit über 150.000 Euro gefördert.

 

Der FWF

Ziel des Forschungsförderungsfonds ist es, die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit Österreichs im internationalen Vergleich sowie seine Attraktivität als Wissenschaftsstandort vor allem durch Förderung von Spitzenforschung einzelner Personen bzw. Teams, aber auch durch Beiträge zur Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit der Forschungsstätten und des Wissenschaftssystems in Österreich zu stärken.

(D. Bullock)

 

Weiterführende Links:

https://www.fwf.ac.at/

https://baierlab.com/

https://psychiatrie.tirol-kliniken.at/

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 3.7.2018, 09:50:00ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo