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Dietmar Öfner-Velano stellte die acht PreisträgerInnen der Medizinischen Universität Innsbruck vor. Foto: MUI/B. Hoffmann-Ammann.

Unterstützung für herausragende Projekte von NachwuchsforscherInnen

Bereits zum 16. Mal wurden am 25. Jänner 2018 die Fördermittel des Tiroler Wissenschaftsfonds (TWF) an ForscherInnen der Innsbrucker Universitäten vergeben. Unter den FördernehmerInnen finden sich auch acht junge WissenschafterInnen der Medizinischen Universität Innsbruck, deren Forschungsvorhaben damit zielgerichtet unterstützt werden.

Im feierlichen Rahmen des Kaiser-Leopold-Saales der Universität Innsbruck begrüßte Landesrat Bernhard Tilg die TeilnehmerInnen. Moderiert wurde die Festveranstaltung von der Vizerektorin für Forschung der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Ulrike Tanzer. Die vielversprechenden, wissenschaftlichen Projekte wurden vor der Überreichung der Förderurkunde kurz erläutert. Für die Medizinische Universität Innsbruck übernahm diese Aufgabe Dietmar Öfner-Velano, Direktor der Innsbrucker Univ.-Klinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie.

Großes Interesse an TWF Förderung
41 Anträge sind bei der Medizinischen Universität Innsbruck für die TWF-Ausschreibung 2017 eingegangen. Von den 21 Forscherinnen und 20 Forschern stammten 16 Anträge aus dem Theoretischen Bereich und 25 aus dem Klinischen Bereich der Medizinischen Universität Innsbruck. 31 AntragsstellerInnen sind NachwuchswissenschafterInnen. Insgesamt konnten acht Projekte genehmigt werden. Die Tiroler Landesregierung stellte der Medizinischen Universität Innsbruck für das Jahr 2017 einen Betrag von € 236.044,10 zur Verfügung.

Initiative des Landes Tirol
Die „Tiroler Wissenschaftsförderung“ wurde auf Initiative des Landes Tirol zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung und des wissenschaftlichen Nachwuchses in Tirol sowie zur Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der wissenschaftlichen Forschung geschaffen. Die finanzielle Unterstützung von WissenschaftlerInnen und dem wissenschaftlichen Nachwuchs aller Tiroler Universitäten, aller Tiroler Fachhochschulen, der Pädagogischen Hochschule Tirol sowie der KPH Edith Stein soll in bedeutendem Maße zur Stärkung des Wissenschafts- und Forschungsstandortes Tirol („Campus Tirol“) beitragen und liegt daher im wesentlichen Interesse des Landes Tirol. Gemäß dem Forschungsförderungs-Schwerpunktprogramm der Tiroler Landesregierung vom 1. Juli 2017 können von der Medizinischen Universität Innsbruck Anträge aus folgenden Bereichen ausgezeichnet werden: Oncoscience, Neurowissenschaften, Molekulare und funktionelle Bildgebung, Infektiologie und Immunität, Sportmedizin sowie Genetik und Genomik.
 
Tiroler Wissenschaftsfonds, Ausschreibung 2017 – FörderempfängerInnen der Medizinischen Universität Innsbruck in alphabetischer Reihenfolge:

1.    Dipl.-Biol. Marta Campiglio PhD, Sektion für Physiologie: Molekulare Grundlagen der CaV1.1 Kalziumkanal Aktivierung durch die gamma1 Untereinheit
Marta Campiglio hat Molekularbiologie in Padua und München studiert. Seit 2009 forscht sie in Innsbruck im Labor von Bernhard Flucher und hat im Rahmen des MCBO-Programms der Medizinischen Universität Innsbruck hier auch ihr PhD abgeschlossen. Inzwischen ist Campiglio als Postdoc tätig, kann auf zehn wissenschaftliche Publikationen verweisen und ist Projektleiterin eines vom FWF geförderten Forschungsvorhabens im Rahmen des Hertha-Firnberg-Programmes. (PT855-B26) Die gebürtige Italienerin beschäftigt sich mit spannungsaktivierten Kalziumkanälen. Diese Membranproteine fungieren als wertvolle Regulatoren zahlreicher lebenswichtiger Zellfunktion, wie zum Beispiel der Kontraktion von Herz- und Skelettmuskulatur, der Hormon- und Neurotransmittersekretion, sowie der Genexpression. In der Arbeit geht es insbesondere um die Rolle der Aktivierung von Kalziumkanälen durch die gamma 1 Untereinheit. Das Projekt baut auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und methodischen Entwicklungen auf, um wesentliche Fragen der Kalziumkanalforschung und der EC-Kopplungs-Forschung zu beantworten.

2.    Mag.biol. Nina Clementi PhD, Sektion für Genomik und RNomik: What makes a Stop codon a Stop codon?
Nina Clementi hat Molekularbiologie in Innsbruck studiert. Derzeit ist sie Postdoc in der Gruppe von Matthias Erlacher an der Sektion für Genomik und RNomik tätig. Das ausgezeichnete Projekt beschäftigt sich mit dem Stopcodon. Der genetische Code der DNA wird zuerst in Messenger RNA (mRNA) übersetzt und dann vom Ribosom in eine Abfolge von Aminosäuren. Anfang und Ende dieses Codes sind durch sogenannte Start- und Stopcodons definiert. Erkannt werden diese Stoppsignale von speziellen Proteinen, den sogenannten Terminationsfaktoren, die das neu synthetisierte Protein vom Ribosom freisetzen. Trotz detaillierter struktureller Informationen über die Interaktion von Terminationsfaktor und Stopcodon, ist unbekannt, welche chemischen Gruppen verantwortlich sind, damit ein Stopcodon als ein solches erkannt wird. Durch gezielte Mutagenese des Stopcodons auf atomarem Level wird versucht, die Voraussetzungen für das Erkennen eines Stoppsignals zu identifizieren. Erste Erkenntnisse dieses Projekt konnten kürzlich im renommierten Wissenschaftsmagazin PNAS publiziert werden.  

3.    Priv.-Doz. DDr. Wolfgang Dichtl, Univ.-Kinik für Innere Medizin III: TASS-2: Tyrolean Aortic Stenosis Study-2
Der gebürtige Oberösterreicher Wolfgang Dichtl studierte Humanmedizin in Innsbruck und Freiburg im Breisgau. Nach Forschungsaufenthalten in Schweden (Karolinska Institut, Wallenberg-Labor) erfolgte die klinische Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin mit den Schwerpunkten Kardiologie und Intensivmedizin in Innsbruck. Dichtl habilitierte 2007 zu inflammatorischen Transkriptionsfaktoren in Atherosklerose und arbeitet vertretungsweise auch in der Rehaklinik Montafon in Schruns.
In der Tyrolean Aortic Stenosis Study-1 (TASS-1) wurde die Prognose von PatientInnen mit asymptomatischer Aortenstenose prospektiv untersucht. Es zeigte sich, dass eine Statintherapie das Fortschreiten der Klappenverkalkung und -verengung nicht aufhalten kann. Die Bedeutung einer Herz-CT Untersuchung in dieser Indikation wurde gemeinsam mit Gudrun Feuchtner (Univ.-Klinik für Radiologie) beschrieben. Nun wird gemeinsam mit Fabian Barbieri, Johannes Holfeld und Direktor Michael Grimm (Univ.-Klinik für Herzchirurgie) in der multizentrischen TASS-2-Studie der Einfluss von Biomarkern bei PatientInnen mit Aortenstenose, die sich einer Klappenintervention unterziehen müssen, analysiert. Insgesamt werden ca. 5.000 PatientInnen mit einer Beobachtungszeit von bis zu 8 Jahren untersucht werden.

4.    Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Elke Griesmaier-Falkner PhD, Univ.-Klinik für Pädiatrie II: Beurteilung von Secretoneurin als Serum Biomarker der Hirnschädigung bei Frühgeborenen
Elke Griesmaier absolvierte das Studium der Humanmedizin und der medizinischen Wissenschaften (Schwerpunkt Neurowissenschaften) in Innsbruck. Während ihrer Ausbildung zur Fachärztin für Pädiatrie bildete die klinische und wissenschaftliche Neonatologie einen Schwerpunkt und war Grundlage ihrer Habilitation im Fach Kinder- und Jugendheilkunde. Derzeit ist sie als Oberärztin an der Univ.-Klinik für Pädiatrie II (Neonatologie) in Innsbruck tätig und leitet das neonatologische Forschungslabor.
Weltweit wird in etwa jedes 9. Kind zu früh geboren. Insbesondere sehr kleine Frühgeborene zeigen ein erhöhtes Risiko für Langzeitschäden und chronische Erkrankungen. Die Optimierung der Versorgung und frühzeitige Diagnostik einer Hirnschädigung ist nach einem zu frühen Start ins Leben unerlässlich. Die wissenschaftliche Arbeit im neonatologischen Forschungslabor hat zum Ziel Hirnschädigungen bei Frühgeborenen zu reduzieren und die Langzeitprognose zu verbessern. Die vorgelegte Studie untersucht das Potential des Neuropeptids Secretoneurin als Biomarker der Hirnschädigung bei Frühgeborenen. Diese Arbeit stellt eine Fortsetzung der bisherigen Untersuchungen im Bereich der neonatalen Neurowissenschaften am Standort Tirol dar.

5.    Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Manuel Maglione, Univ.-Klinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie: Mast Cells Derived Tryptophan Hydroxylase 1 In Acute Allograft Rejection - A New Treatment Target
Der gebürtige Bozner Manuel Maglione promovierte 2003 in Innsbruck. Nach Aufenthalten im Daniel Swarovski Forschungslabor in Innsbruck und im Oxford Transplant Center in England arbeitet er aktuell als Assoziierter Professor an der Universitätsklinik für Viszeral-, Transplantations-, und Thoraxchirurgie.
Im vorliegenden Projekt geht es um die Rolle des Enzyms Tryptophan Hydroxylase 1 (Tph-1) bei der akuten Abstoßung transplantierter Organe. Das Projekt baut auf Erkenntnissen auf, dass (a) in Abwesenheit dieses Enzyms die akute Abstoßung verstärkt wird, und dass (b) dieses Enzym nur in Anwesenheit von Tetrahydrobiopterin (BH4) aktiv ist. Eigene Vorarbeiten zeigen, dass bei der Transplantation die Menge an BH4 im Organ drastisch sinkt, dass jedoch die Gabe von BH4 die Abstoßung hemmt. Ziel der Studie ist es zu untersuchen, ob die Hemmung der akuten Abstoßung durch die Gabe von BH4 auf den Erhalt der normalen Aktivität der Tph-1 zurückzuführen ist, und ob somit dieses Enzym ein neues Zielmolekül bei der Hemmung der akuten Abstoßung darstellt.

6.    Dr. Philipp Mahlknecht PhD, Univ.-Klinik für Neurologie: Prospective validation of two screening tools to identify prediagnostic/prodromal Parkinson’s disease in the general elderly population
Der gebürtige Südtiroler Philipp Mahlknecht hat in Innsbruck Medizin studiert und sein PhD-Studium im Fach Neuroscience im Rahmen der Bruneck-Studie an der Univ.-Klinik für Neurologie absolviert. Derzeit ist er dort als Assistenzarzt tätig. In seiner ausgezeichneten Forschungsarbeit beschäftigt sich Mahlknecht mit Morbus Parkinson. Bereits viele Jahre vor Auftreten der definierenden motorischen Kardinalsymptome dieser neurodegenerativen Erkrankung markieren unspezifische nicht-motorische Symptome den eigentlichen Beginn. Einzelne solcher Marker erlauben jedoch leider keine genaue Risikoabschätzung. Das vorliegende Projekt wird im Rahmen der renommierten Bevölkerungs-basierten Bruneck Studie durchgeführt und soll zwei kürzlich entwickelte, globale Parkinsonrisikoscores erstmals prospektiv hinsichtlich ihrer prädiktiven Wertigkeit für die Entwicklung der Parkinsonerkrankung in der Bevölkerung beleuchten. Hiermit soll die Diagnosestellung in die sogenannte prodromale Phase der Erkrankung vorverlegt werden, was insbesondere wichtig für die Entwicklung von künftigen neuroprotektiven Therapien ist.

7.    Dr. Maria-Miriam Michel PhD, Univ.-Klinik für Pädiatrie I: Metabolic Remodeling in Fontan Patients: a Metabolomics Study
Miriam Michel studierte Medizin in Münster, Nantes und Lausanne. Im Rahmen ihrer Doktorarbeit entdeckte sie ihr Interesse am Ultraschall von Herzen bei Kindern. Auf dem Weg zur Kinderärztin kam sie 2014 vom Kinderherzzentrum Kiel an die Kinderklinik Innsbruck, wo sie auch im Bereich der angeborenen Stoffwechselkrankheiten ausgebildet wurde. Diese Kombination ließ in Kooperation mit Herzzentren in Deutschland und Japan ihr Projekt zu Stoffwechseluntersuchungen bei PatientInnen mit einer speziellen Kreislaufsituation mit nur einer Herzkammer (Fontan-PatientInnen) entstehen. Gefürchtet ist die Entwicklung einer Herzinsuffizienz dieser einzigen Herzkammer. Ähnlich wie in der Erwachsenenkardiologie soll die Analyse diverser Metabolite erlauben, eine optimale Einschätzung des Fontan-Kreislaufs zu erlangen und invasive Diagnostik-Methoden gezielt anstatt regulär einzusetzen und Therapien möglichst frühzeitig einzuleiten.

8.    Dr. Thomas Resch, Univ.-Klinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie: The influence of recipient-donor gender mismatch on outcomes following experimental heart transplantation
Der 34-jährige Thomas Resch ist Facharzt für Chirurgie an der Univ.-Klinik für Viszeral-, Transplantations-, und Thoraxchirurgie, Innsbruck. Im Rahmen seines Clinical PhD fokussierte er seinen wissenschaftlichen Schwerpunkt auf experimentelle Ansätze im Bereich der soliden Organtransplantation und forscht derzeit am Daniel Swarovski Research Labor.
Klinische Studien weisen auf ein geringeres Überleben nach Herztransplantation hin, wenn sich Spender- und Empfänger-Geschlecht unterscheiden.
Da die Ursachen hierfür bislang nicht geklärt sind, wird in der von Thomas Resch initiierten Studie der Einfluss eines Geschlechter-Mismatch anhand eines Herz-Transplantations-Modells in der Maus untersucht. Transplantatfunktion, Abstoßungsgrad und Entzündungsmarker werden analysiert, wobei ein spezieller Fokus auf der Charakterisierung geschlechtsspezifischer T Zell Unterschiede liegt. Die detaillierte Analyse geschlechts-mediierter Einflüsse auf die Transplant-Immunologie könnte somit Einblicke in die Mechanismen erlauben, welche den bei PatientInnen beobachteten nachteiligen Verläufen zugrunde liegt.


(B. Hoffmann-Ammann)

Weitere Informationen:
-    Tiroler Wissenschaftsförderung
-    Aktuelle Ausschreibung Tiroler Wissenschaftsförderung (vormals TWF) – Medizinische Universität Innsbruck

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 25.1.2018, 12:09:00ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo