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Vizerektor für Lehre und Studienangelegenheiten, Peter Loidl. Foto: MUI/F. Lechner.

Drei Fragen an: Vizerektor Peter Loidl zur Zukunft der Lehre

Bereits zum dritten Mal in seiner Karriere hat Peter Loidl das Amt des Vizerektors inne. Im neuen Rektoratsteam von W. Wolfgang Fleischhacker ist der Mikrobiologe erneut für die Agenden Lehre und Studienangelegenheiten zuständig. Seine zweite Amtsperiode in Folge in dieser Funktion möchte Loidl für einige Veränderungen nutzen. In der neuen Rubrik „Drei Fragen an…“* berichtet Peter Loidl von seinen Plänen für die nächsten vier Jahre.

Was lässt sich in den nächsten vier Jahren in ihrem Bereich erreichen?
„Der Studienplan für Humanmedizin und für Zahnmedizin ist mittlerweile doch mehr als 15 Jahre alt und muss jedenfalls genau angeschaut und evaluiert werden, damit wir zu inhaltlichen Verbesserungen kommen. Die Medizin ist zu rasant am Weg, als dass man nicht alle 15 Jahre signifikante und einschneidende Änderungen im Studienplan vornehmen muss. Ich denke da vor allem an Gebiete, die in unserem Studienplan nicht abgebildet sind. Wir lehren wenig zur Digitalisierung in der Medizin, kaum etwas zu Bioinformatik, wir haben zu wenig Lehrinhalte zu Gentechnik, Gentechnologie, Telemedizin, Public Health oder Ethik.  Die Bereiche können wir jetzt aber nicht einfach in den Studienplan mitaufnehmen, denn dann wird der Studienplan irgendwann nicht mehr studierbar. Die Kunst besteht darin, diese neuen Fächer und Inhalte gezielt zu integrieren und dabei auch wieder ein bisschen „auszumisten“.
Was wir in den nächsten vier Jahren auch angehen müssen, ist die Etablierung einer wirklich validen, aussagekräftigen und trotzdem praktikablen Evaluation, nicht nur des Studienplans, sondern auch der täglich stattfindenden Lehre.  

Ein ganz wichtiges, weiteres Ziel in den nächsten vier Jahren ist es, im Zuge der Studienplanreform auch einen flächendeckenden Lehr- und Lernzielkatalog zu definieren, für das Humanmedizinstudium und in weiterer Folge auch für das Zahnmedizinstudium. Dieser muss letztlich beschreiben, was eine Absolventin oder ein Absolvent unserer Universität in den unterschiedlichen Fächern wissen und können muss. Auch die Tiefe des Wissens muss abgebildet sein: Muss sie oder er Fertigkeiten einmal gesehen haben, bereits durchführen können oder muss sie oder er diese bereits routiniert durchführen können? Wenn sich die Studierenden den Lehr- und Lernzielkatalog anschauen, können sie sich selbst überprüfen, das gibt ihnen Sicherheit.

Außerdem planen wir, die Universität davon zu überzeugen, dass man in einen neuen Studienplan vielleicht doch auch den Gedanken einer Spezialisierung mit reinbringt. Es wäre sinnvoll, dass man sich bereits während des Studiums für gewisse Fächer spezialisieren kann. Diese Diskussion brennt momentan in ganz Europa. In anderen Wissenschaften ist das längst der Fall. Es wird in der Biologie niemandem einfallen, dass er in einem Bachelor- und Masterstudium einen Allroundbiologen ausbilden kann. Die Absolventinnen und Absolventen werden beispielsweise ZellbiologInnen,  PflanzenphysiologInnen oder GeobotanikerInnen.“

Was zeichnet die Lehre bzw. den Studienplan der Medizinischen Universität Innsbruck aus?
„Den Studienplan der Medizinischen Universität Innsbruck zeichnet aus, dass er weitestgehend interdisziplinär aufgebaut ist. Da sind wir auch international gesehen auf einem sehr guten Weg. Das heißt, unser Studienplan ist nicht mehr klassisch Fächer-zentriert, sondern es stehen Organsysteme im Mittelpunkt. Auch die Betonung der Praxis im Studienplan ist gut. Wir haben ein 48 Wochen KPJ, mittlerweile 19 Wochen Pflichtfamulatur. Dass unsere Studierenden wirklich ins Krankenhaus müssen, um mit Patientinnen und Patienten zu arbeiten, das zeichnet den Studienplan in Innsbruck und in Österreich generell aus. Man muss sagen, dass die österreichischen Studienpläne in der Medizin deutlich moderner angelegt sind, als die meisten Studienpläne in Deutschland, die Großteils immer noch sehr fächerzentriert sind.

Aber wie gesagt, Verbesserungspotential gibt es und was man auch sagen muss, ein Studienplan lebt natürlich im Wesentlichen von den Studierenden und der Organisation. Da glaube ich, sind wir ganz gut. Bei uns bekommen alle Studierenden einen Praktikumsplatz, der sich nicht überschneidet mit irgendeinem anderen Praktikum. Das heißt, wenn bei uns jemand willens ist zu lernen und seine Leistung zu bringen, dann kann sie oder er das Studium wirklich in der Mindeststudiendauer absolvieren. Es gibt genügend Universitäten, die kümmern sich kaum darum. Da müssen die Studierenden das wirklich selbst organisieren.

Was mir wichtig erscheint ist, dass man insgesamt den Stellenwert der Lehre an der Medizinischen Universität Innsbruck in Zukunft stärken sollte. Lehre ist wirklich eines unserer zentralen Anliegen und im Übrigen auch jene Leistung, vor allem in Zukunft, wenn die Studienplatzfinanzierung kommt, für die wir das meiste Geld bekommen werden.“

Was ist ihre Motivation, noch einmal das Amt des Vizerektors zu übernehmen?
„Mitentscheidend war, dass man in vier Jahren nicht wahnsinnig viel ausrichten kann, vieles braucht einfach mehr Zeit. Allerdings konnte ich in den ersten vier Jahren die Basis für viele Entwicklungen legen. In den zweiten vier Jahren ist die Ernte sicherlich größer und nachhaltiger.  Die zweite starke Motivation noch einmal die Position des Vizerektors für Lehre und Studienangelegenheiten zu übernehmen, waren die Kolleginnen und Kollegen in der Speckbacherstraße. Die MitarbeiterInnen sind mir doch sehr ans Herz gewachsen und irgendwie komme ich hier mit beiden Abteilungen sehr gut zu recht. Ich habe auch gemerkt, die hätten´s ganz gern, wenn ich weitermache, und das war natürlich motivierend. Das war sehr wichtig für mich. Wenn ich diesen Zuspruch so nicht erhalten hätte, hätte ich mich wahrscheinlich anders entschieden. Last but not least war es die personelle Zusammensetzung des Rektoratsteams; dieses Team stimmt für mich, in diesem Team lässt sich etwas bewegen.“

(B. Hoffmann-Ammann)

 

Weitere Informationen:

Portal Lehre und Studienangelegenheiten

Vizerektor für Lehre und Studienangelegenheiten

 

*In der neuen Rubrik  „Drei Fragen an...“ kommen Angehörige der Medizinischen Universität Innsbruck zu Wort, um sich zu wichtigen Zukunftsfragen zu äußern. Anregungen & Hinweise bitte an die Redaktion: public-relations@i-med.ac.at

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 14.12.2017, 15:00:00ximsTwitter LogoFacebook Logo