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Welt-Adipositas-Tag am 11. Oktober: Weltweite Studie zu Über- und Untergewicht bei Kindern: Ö im mitteleuropäischen Trend

Sowohl Übergewicht als auch Untergewichtigkeit im Kindesalter haben negative Auswirkungen auf die lebenslange Gesundheit. Ziel einer soeben in The Lancet veröffentlichen weltweiten Studie war es, die Entwicklung von Über- und Untergewicht bei Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und 19 Jahren seit 1975 zu erheben. Die weltweiten Trends und damit auch die Gewichts-Entwicklung österreichischer Kinder und Jugendlicher liegen nun vor. An der Studie waren auch Tiroler ForscherInnen beteiligt.

2016 waren weltweit 124 Millionen (1,25%) Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 19 Jahren adipös (stark übergewichtig), 192 Millionen Kinder und Jugendliche waren untergewichtig. Bis 2022 sollen bei Fortsetzung dieses Trends weltweit mehr Kinder und Jugendliche stark übergewichtig als untergewichtig sein. Das errechnet eine soeben in The Lancet publizierte und unter der Leitung von Prof. Majid Ezzati vom Imperial College London und der Weltgesundheitsorganisation WHO durchgeführte Studie. Die Analyse von insgesamt 2.416 populations-basierten Studien aus 200 Ländern mit Daten von knapp 130 Millionen TeilnehmerInnen ist die größte, je durchgeführte epidemiologische Untersuchung. Die Berechnung des Übergewichts basiert in dieser Studie auf den Grenzwerten der WHO. Während bei Erwachsenen einheitlich ein Body Mass Index von über 30 kg/m2 als starkes Übergewicht bzw. Adipositas definiert wird, sind die Grenzwerte bei Kindern je nach Alter und Geschlecht unterschiedlich. So ist beispielsweise laut WHO bei einem 10-jährigen Mädchen starkes Übergewicht ab einem Body Mass Index von 22,7 kg/m2 gegeben.

Die Trends für Österreich im Detail

„Österreich liegt im weltweiten Vergleich des durchschnittlichen Body-Mass-Index (BMI) im mitteleuropäischen Trend, der in den vergangenen 40 Jahren eine stetige, aber mäßige Steigerung des Gewichts bei Kindern zwischen fünf und 19 ausweist“, erklärt Hanno Ulmer,  Biostatistiker an der Medizin Uni Innsbruck und Mitautor der weltweiten Studie. So hat der Anteil stark übergewichtiger bzw. adipöser Buben von 1975 mit 2,8 Prozent bis zum Jahr 2016 auf 11,3 Prozent zugenommen, im selben Zeitraum zeigt sich beim Anteil übergewichtiger Mädchen eine gegenüber den Buben geringere Steigerungsrate von 1,6 auf 6,1 Prozent. Österreich liegt damit unter den vergleichbaren Ländern (westliche Industrienationen) bei den Buben im Mittelfeld und bei den Mädchen im vorderen Drittel. Die Situation in Deutschland ist beispielsweise im Jahr 2016 mit 11,2% übergewichtigen Buben und 6,9% übergewichtigen Mädchen beinahe ident. Die Schweiz steht mit 7% übergewichtigen Buben und 4,6% übergewichtigen Mädchen dagegen deutlich besser da. Dramatisch schlechter ist die Situation in den USA mit 23,3% übergewichtigen Buben und 19,5% übergewichtigen Mädchen.

Untergewicht durch Mangelernährung ist vor allem in südasiatischen Ländern wie Indien oder einigen afrikanischen Staaten ein großes Problem. In Österreich sind lediglich 2,2% Prozent der Buben und 1,7% Prozent der Mädchen von moderatem bis starkem Untergewicht betroffen, wobei das Thema Untergewicht in den Industrieländern vor dem Hintergrund wachstumsbedingter Gewichtsentwicklung zu sehen ist.

Die Analyse der großen Datenmengen im Hinblick auf den BMI bzw. auf die Adipositas-Prävalenz in 200 Ländern wurde mittels eines eigens für diese Studien entwickelten hierarchischen „Bayes Modells“ durchgeführt. „Dieses Modell erlaubt es, auch für Länder mit geringen Studiendaten zum Gewichtsstatus, realistische Prävalenzschätzungen durchzuführen“, erklärt Statistik-Experte Ulmer.

Risikofaktor Übergewicht

Die berechneten Trends für Österreich basieren neben den Daten der Stellungskommissionen des österreichischen Bundesheeres sowie der HELENA (Healthy Lifestyle in Europe by Nutrition in Adolescence) Studie überwiegend auf Daten des Biostatistikers Hanno Ulmer von der Medizin Uni Innsbruck in Kooperation mit dem Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin in Bregenz sowie auf der EVA (Early Vascular Aging)-Studie (ein Teilprojekt des Tiroler COMET-Projekts VASCage, gefördert durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG) unter der Leitung von Ursula Kiechl-Kohlendorfer und Michael Knoflach, ebenfalls von der Medizin Uni Innsbruck. Die Neonatologin und der Neurologe erforschen im Rahmen der EVA-Studie die Einflüsse von ungesundem Lebensstil und daraus resultierendem Übergewicht auf mögliche Gefäßwandveränderungen und konnten seit Studienbeginn bereits über 2.000 Tiroler SchülerInnen untersuchen. „Ein erhöhter BMI bei Kindern kann schon früh zu einer Zunahme der Gefäßwanddicke führen und das Risiko, in späteren Jahren Arteriosklerose zu entwickeln, erhöhen. Die rechtzeitige Änderung von Lebensstil und Ernährung ist jedoch eine effektive Maßnahme, um dieses Risiko wieder zu senken“, wissen Kiechl-Kohlendorfer und Knoflach. Aus epidemiologischen Studien ist bekannt, dass bei Erwachsenen ab einem BMI von 27 ein Ansteigen des kardiovaskulären Risikos zu verzeichnen ist. Mit der Gewichtszunahme steigt auch bei Kindern die Prävalenz der Entwicklung von Diabetes, der wiederum das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen erhöht.

Unter http://www.ncdrisc.org/data-visualisations-adiposity-ado.html können Trends und Zahlen zum BMI bei Kindern und Jugendlichen weltweit und für einzelne Länder in visualisierter Form abgerufen werden.

(D. Heidegger)

 

Links:

Worldwide trends in children’s and adolescents’ body mass index, underweight, overweight and obesity, in comparison with adults, from 1975 to 2016: a pooled analysis of 2,416 population-based measurement studies with 128.9 million participants.
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)32129-3/fulltext?elsca1=tlpr

NCD Risk Factor Collaboration (NCD-RisC)
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)32129-3/fulltext?elsca1=tlpr

Department für Medizinische Statistik, Informatik und Gesundheitsökonomie
https://www.i-med.ac.at/msig/

EVA-Studie
https://eva.tirol-kliniken.at/

COMET-Projekt VASCage
https://www.i-med.ac.at/vascage/

Arbeitskreis für Vorsorgemedizin Vorarlberg
http://www.aks.or.at/

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 11.10.2017, 09:23:08ximsTwitter LogoFacebook Logo