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Kardiales Troponin erlaubt genauere Vorhersage von Herzkreislauferkrankungen

Die Messung des Troponin-Spiegels gehört seit vielen Jahren zur klinischen Routine bei der Diagnose von Herzinfarkten. Eine Meta-Studie des Epidemiologen Peter Willeit von der Innsbrucker Univ.-Klinik für Neurologie belegt nun nachweislich, dass bei gesunden Personen leichte Erhöhungen von Troponin mit einem erhöhten Risiko für Herzkreislauferkrankungen verbunden sind. Damit kommt dem Proteinkomplex eine besondere Rolle für die Vorhersage von Herzinfarkt und Schlaganfall zu.

Vor dem Hintergrund, dass Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems in den westlichen Industrieländern die häufigste Todesursache darstellen, ist eine möglichst präzise Vorhersage kardiovaskulärer Ereignisse besonders wichtig. Die Ergebnisse einer soeben im renommierten Journal of the American College of Cardiology veröffentlichten Meta-Studie aus Innsbruck könnten wesentlich zu Prognose und gezielter Vorsorge beitragen.

Bestätigung durch große Datenmenge

Schon ein leichter Anstieg des Troponin-Spiegels im Blut gesunder Personen (auch innerhalb des "Normalbereiches") ist mit einem erhöhten Risiko für Herzkreislauferkrankungen verbunden. Zu diesem Ergebnis kommt Studienleiter Peter Willeit, Epidemiologe an der Univ.-Klinik für Neurologie (Direktor: Werner Poewe) der Medizinischen Universität Innsbruck, gemeinsam mit dem Innsbrucker Neurologen Stefan Kiechl und PhD-Studentin Lena Tschiderer sowie weiteren KollegInnen in Großbritannien, Holland und Irland. Durch die Zusammenführung und Analyse von Daten aus der sogenannten PROSPER-Studie (Pravastatin in Elderly Individuals at Risk of Vascular Disease Study) mit Daten von insgesamt 154.052 ProbandInnen aus 27 weiteren Untersuchungen aus einem Beobachtungszeitraum von 11,9 Jahren, konnte der Zusammenhang zwischen erhöhtem Troponin-Spiegel und einem späteren kardiovaskulären Ereignis unabhängig von anderen Risikoparametern nachweislich bestätigt werden.

Das bereits in den 1960er Jahren identifizierte kardiale Troponin wird in den Herzmuskelzellen gebildet und bei Schädigung, etwa durch Herzinfarkt, ins Blut freigesetzt. Die Messung des Troponin-Spiegels gilt als Goldstandard der Infarktdiagnostik und wird auch als Indikator für das Ausmaß der Herzmuskelschädigung herangezogen. Die Entwicklung immer sensitiverer Messmethoden ermöglicht inzwischen die zuverlässige Detektion von Troponin-Spiegeln in sehr geringer Konzentration. „Mit diesen neuen Assays ist der Troponin-Spiegel heute bei dem Großteil der Allgemeinbevölkerung mess- und darstellbar. Seine Rolle als Marker für kardialen Stress oder erhöhte Herzbelastung haben wir deshalb genauer unter die Lupe genommen“, so Peter Willeit, der als Epidemiologe den Umgang mit großen Datenmengen kennt und schätzt.

Gezielte Prognose und Therapieanpassung

„In jenem Drittel der ProbandInnen, in dem der Troponin-Spiegel am höchsten lag, war das Risiko, eine Herzkreislauferkrankung zu erleiden, um immerhin 43 Prozent erhöht. Unsere Daten zeigen ein erhöhtes Risiko nicht nur für die Entwicklung eines Herzinfarkts, sondern auch für das Auftreten eines Schlaganfalls an“, erklärt Studienautor Willeit die weitreichende Erkenntnis.

Der damit nachdrücklich bestätigte Zusammenhang von moderat erhöhtem Troponin-Spiegel bei scheinbar gesunden ProbandInnen und dem Eintreten einer Herzkreislauf-Erkrankung könnte für eine bessere Prognose und eine damit ermöglichte gezielte Prävention künftig von wertvollem Nutzen sein.

(D. Heidegger)

Weiterführende Links:

High-Sensitivity Cardiac Troponin Concentration and Risk of First-Ever Cardiovascular Outcomes. Peter Willeit et al., J AM COLL CARDIOL, 2017
http://dx.doi.org/10.1016/j.jacc.2017.05.062

Neurovaskuläre Arbeitsgruppe
https://www.i-med.ac.at/neurologie/forschung/atherosklerose/index.html

Univ.-Klinik für Neurologie
https://www.i-med.ac.at/neurologie/

VASCage
https://www.i-med.ac.at/vascage/

 

 

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 25.7.2017, 09:08:00ximsTwitter LogoFacebook Logo