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Der Innsbrucker Intensivmediziner Michael Joannidis leite die Durchführung der Analyse von über 400 publizierten Studienergebnissen nach GRADE-Kriterien. Foto: MUI C. Lackner & Station: Gerhard Berger.

Neue Empfehlungen zur Prävention eines akuten Nierenversagens

Neue Erkenntnisse, wie bei PatientInnen auf einer Intensivstation ein akutes Nierenversagen verhindert werden kann, wurden kürzlich im renommierten Journal „Intensive Care Medicine“ der „Europäischen Gesellschaft für Intensivmedizin“ veröffentlicht. Erstautor der Studie ist Univ.-Prof. Dr. Michael Joannidis, Leiter der „Gemeinsamen Einrichtung für Internistische Intensiv- und Notfallmedizin“ in Innsbruck. Für die Analyse wurden weltweit 400 klinische Studien herangezogen.

In der Intensivmedizin stellt das akute Nierenversagen eine große Herausforderung dar: Rund 57 Prozent aller PatientInnen entwickeln eines von insgesamt drei Stadien eines akuten Nierenversagens. Kann der Prozess nicht aufgehalten werden und eine Nierenersatztherapie wird notwendig, erhöht dies die Sterblichkeit der Betroffenen. Jetzt liegen neue Empfehlungen für die Prävention eines akuten Nierenversagens vor. Im Auftrag der „Europäischen Gesellschaft für Intensivmedizin“ hat die Arbeitsgruppe zur Prävention, Sektion für akutes Nierenversagen, über 400 publizierte Studienergebnisse nach GRADE Kriterien ausgewertet. Der Innsbrucker Intensivmediziner Michael Joannidis leitete die Durchführung. Die analysierten Forschungsarbeiten waren im Zeitraum von 1966 bis März 2017 veröffentlicht worden. Insgesamt konnten aufgrund dieser systematischen Analyse  12 starke Empfehlungen und 13 bedingte Empfehlungen sowie sieben „Best practice statements“  von dem internationalen ExpertInnengremium veröffentlicht werden.

Hoffnungsträger: Statine und Biomarkerforschung
„Zu den Faktoren, die bei der Prävention eines akuten Nierenversagens eine Rolle spielen, gehört beispielsweise der Verzicht von schädigenden Stoffen, die Optimierung der Nierendurchblutung oder auch die  Vermeidung einer Überwässerung“, erklärt Michael Joannidis. Als Hoffnungsträger für die medikamentöse Behandlung gelten Statine, hierzu gibt es bereits einige vielversprechende Studien. Auch die Innsbrucker „Gemeinsame Einrichtung für Internistischen Intensiv- und Notfallmedizin“ ist an einer aktuellen klinischen Studie zur medikamentösen Therapie des akuten Nierenversagens in der Sepsis beteiligt. Joannidis hat auch am Design dieser klinischen Studie mitgearbeitet. Darüber hinaus bemühen sich WissenschafterInnen weltweit, neue Biomarker zu finden, die eine noch frühere Diagnose eines beginnenden akuten Nierenversagens ermöglichen. Auch an diesen Forschungsarbeiten sind Innsbrucker ExpertInnen beteiligt. „Je früher wir wissen, dass ein akutes Nierenversagen droht und was der auslösende Faktor sein könnte, desto rascher können wir gezielt eingreifen“, sagt Joannidis.   

Publikation:

Prevention of acute kidney injury and protection of renal function in the intensive care unit: update 2017 : Expert opinion of the Working Group on Prevention, AKI section, European Society of Intensive Care Medicine. (Intensive Care Med. 2017 Jun;43(6):730-749.) 
AutorInnen: Joannidis M, Druml W, Forni LG, Groeneveld ABJ, Honore PM, Hoste E, Ostermann M, Oudemans-van Straaten HM, Schetz M.

 

Weitere Informationen:

-  Intensive Care Med. 2015 Aug;41(8):1411-23: Epidemiology of acute kidney injury in critically ill patients: the multinational AKI-EPI study. 

- Gemeinsame Einrichtung für Internistische Intensiv- und Notfallmedizin

- NEWS-Beitrag 2017: Personalisierte Intensivmedizin

 

(B. Hoffmann-Ammann)

 

 

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 12.7.2017, 09:51:04ximsTwitter LogoFacebook Logo