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Der Einladung von Kongresspräsident Michael Joannidis sind rund 700 Expertinnen gefolgt. Foto: Christian Schusterschitz

Personalisierte Intensivmedizin

In der Intensivmedizin werden individuelle Aspekte immer wichtiger. Über aktuelle Trends und notwendige Adaptierungen wurde Anfang Juni im Rahmen der gemeinsamen Jahrestagung der deutschen und österreichischen Fachgesellschaften in Innsbruck diskutiert. Rund 700 ExpertInnen aus dem gesamten deutschen Sprachraum sind der Einladung von Univ.-Prof. Dr. Michael Joannidis, Leiter der Gemeinsamen Einrichtung für Internistischen Intensiv- und Notfallmedizin nach Innsbruck gefolgt.

Unter dem Motto „Personalisierte Intensivmedizin im Zeitalter der Standardisierung“ diskutierten ExpertInnen in Innsbruck. Mehrere  klinische Studien hatten zuletzt gezeigt, wie wichtig individuelle Behandlungsstrategien in der Intensivmedizin sind. Durch neue Biomarker und molekularbiologische Schnelltests ist es immer häufiger möglich, auch in einer Akutsituation, die Therapie individuell an die PatientInnen anzupassen. Die Vorträge, Workshops und Panels deckten ein breites Themenspektrum ab. Dazu zählten unter anderem die kardiovaskuläre Intensivmedizin, Infektiologie, Hämodynamik und Volumentherapie, Beatmung und Extracorporal Life Support, akutes Nierenversagen, Pharmakologie und ethische Fragen. Die gemeinsame Tagung der „Österreichischen Gesellschaft für Internistische und Allgemeine Intensivmedizin und Notfallmedizin“ sowie der „Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin“ fand bereits zum dritten Mal in Innsbruck statt. Diesmal konnte auch die Schweizer Gesellschaft für Intensivmedizin dazugewonnen werden, bei der Programmgestaltung mitzuwirken. Dies schlug sich vor allem im Bereich „Alpine Notfallmedizin“ und „Höhenmedizin“ nieder. Traditionell erhalten diese Themen beim Kongress in Innsbruck besondere Aufmerksamkeit.

Innsbrucker Klinik übernimmt Vorreiterrolle in Österreich
Eine wichtige Rolle bei der Tagung spielte die Interdisziplinarität als integraler Bestandteil eines patientenorientierten Gesamtkonzepts. ÄrztInnen, Pflegepersonal und PhysiotherapeutInnen arbeiten so beispielsweise gemeinsam daran, PatientInnen auf einer Intensivstation so früh wie möglich zu mobilisieren. In der Zusammenarbeit zwischen ÄrztInnen und Pflege nimmt die Internistische Intensivstation der Univ.-Klinik für Innere Medizin I eine besondere Vorreiterrolle ein. Im Rahmen einer Pressekonferenz der tirol kliniken im Vorfeld der Tagung machten Univ.-Prof. Dr. Michael Joannidis und sein Team deutlich, wie moderne Intensivmedizin aussieht und stellte individuelle Betreuung am Beispiel des Angehörigen-Telefonats und PatientInnen-Tagebuchs vor. In Innsbruck gibt es einen österreichweit einzigartigen Service für die PatientInnen und ihre Angehörigen: Immer zur gleichen Zeit am Vormittag rufen die verschiedenen Pflegekräfte die Angehörigen ihrer jeweiligen PatientInnen an, um sie über die Vorkommnisse zu informieren. Ein weiterer, österreichweit in dieser Konsequenz einzigartiger Service ist das „Intensiv-Tagebuch“. Es liegt neben den PatientInnen am Bett und die MitarbeiterInnen der Station schreiben dort hinein. Nichts Medizinisches, sondern Beobachtungen, Besonderheiten, Erlebnisse mit den Betroffenen werden notiert. Nach der Entlassung wird es den PatientInnen mitgegeben und hilft ihnen, „Lücken zu füllen“ und die Zeit auf der Intensivstation besser zu verarbeiten.

Akutes Nierenversagen: Neueste Erkenntnisse
Führend im deutschsprachigen Raum ist die Innsbrucker Klinik auch bei der Behandlung des akuten Nierenversagens ,das mehr als 50 Prozent aller IntensivpatientInnen betrifft. „Es stellt sich nicht mehr bloß die Frage, ob man eine Blutwäsche bei Nierenversagen durchführen soll oder nicht, sondern auch wie man die Behandlung der einzelnen Patientinnen und Patienten so optimiert, dass ein Nierenversagen noch verhindert oder zumindest abgefangen werden kann“, sagt Joannidis. Die Abteilung ist auch Teilnehmer an der weltweit ersten Studie, die versucht ein beginnendes Nierenversagen bei Sepsis (Blutvergiftung) medikamentös zu verbessern, wobei Joannidis selbst am Studiendesign mitgewirkt hat. Solche und weitere neueste Erkenntnisse wurden im Rahmen des Kongresses in Innsbruck intensiv diskutiert.
(B. Hoffmann-Ammann/J. Schwamberger)

 

Weitere Informationen:

- 49. Jahrestagung Intensivmedizin

- Gemeinsame Einrichtung für Internistische Notfall- und Intensivmedizin

- Publiziertes Studiendesign zur Sepsisstudio

- Studie Epidemiologie des ANV

- Überblicksarbeit zur Zukunft der Behandlung von Nierenversagen

 

 

 

 

 

 

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 13.6.2017, 15:21:00ximsTwitter LogoFacebook Logo