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Innovative Zusammenarbeit an der Medizinischen Univeristät Innsbruck. Symbolfoto: Copyright: Fotolia_Sergey Nivens

Bridge-Projekt navABI mit MED-EL gestartet

Im Jänner startete an der Medizin Uni Innsbruck ein zukunftsweisendes Projekt mit dem renommierten Hersteller elektromedizinischer Geräte MED-EL. Das technologisch führende Unternehmen auf dem Gebiet implantierbarer Hörlösungen wird im Rahmen des Bridge-Projektes „navABI“ die chirurgische Implantation von Hörimplantatelektroden an den Hirnstamm optimieren. Ao.Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Freysinger (Univ.-Klinik für HNO) kooperiert für das Forschungsvorhaben mit der Univ.-Klinik für Neurochirurgie.

Neuraler Hörverlust kann auftreten, wenn der Hörnerv fehlt oder beschädigt ist. Es handelt sich dabei in der Regel um einen hochgradigen und dauerhaften Hörverlust. Einzig ein Hirnstammimplantat kann hier Abhilfe schaffen, da der Nerv nicht in der Lage ist, Schallinformationen an das Gehirn weiterzuleiten. In vielen Fällen kann den Betroffenen mit dieser relativ seltenen Indikation geholfen werden.  In die Entwicklung neuronaler Prothesen legt die medizinische Forschung weltweit nicht nur bei Hörverlusten große Hoffnungen. Um die neuesten Erkenntnisse der auditorischen Neurowissenschaften, der navigationsgestützten Chirurgie und der Elektrostimulation umsetzten zu können, soll eine sichere, navigationsgestützte Operationsmethode für Hirnstammimplantate (Auditory Brainstem Implant, ABI) entwickelt werden. MED-EL kooperiert daher mit der Univ.-Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (Direktor: Univ.-Prof. Dr. Herbert Riechelmann).
Das Bridge-Projekt „Navigation für Auditory Brainstem Implant Operationgsunterstützung (navABI)“ soll die chirurgische Implantation von Hörimplantaten in den Hirnstamm optimieren. Die exakte Positionierung eines Hirnstammimplantates im komplexen, zentralen Nervensystem des Menschen ist entscheidend für den erfolgreichen Einsatz des Gerätes. Aktuell muss der Neurochirurg die exakte Position selbst memorieren. „Es gibt kein quantifizierbares Verfahren, die optimale Implantatposition zu speichern und erneut anzufahren“, erklärt ao.Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Freysinger die Herausforderung des Forschungsvorhaben. Diese Eingriffe werden im Grenzbereich zweier Fachgebiete durchgeführt, der HNO und der Neurochirurgie. Die Durchführung von „navABI“ erfolgt daher in enger Kooperation mit der Innsbrucker Univ.-Klinik für Neurochirurgie (Direktor: Univ.-Prof. Dr. Claudius Thomé).

Im „navABI“- Projekt wird Innsbrucker „Rhinospider“ Technologie verwendet

Für die Entwicklung der neuen, intraoperativen Unterstützung der ChirurgInnen bei solchen ABI-Eingriffen, wird auf die Rhinospider-Technologie der Innsbrucker Univ.-Klinik für HNO zurückgegriffen. Diese völlig neuartige 3D-Navigation soll eine verbesserte und noch genauere Orientierung bei Eingriffen im komplexen Kopfbereich ermöglichen. Ähnlich wie bei einem GPS-System sollen ChirurgInnen sich noch besser orientieren können. Die Idee für die neue Technologie ist 2009 von dem Facharzt für HNO-Heilkunde, Univ. Prof. Dr. Florian Kral, und dem Medizinphysiker Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Freysinger an der Innsbrucker Univ.-Klinik für HNO entstanden. Der Rhinospider ist in Europa und den USA zum Patent angemeldet.

Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

Die Voraussetzung ein Bridge-Projekt zu erhalten ist eine positive internationale Begutachtung, die dem Projekt eine exzellente wissenschaftliche Vorgehensweise bescheinigt sowie eine breite wirtschaftliche Nutzung absehen lässt. Das Projekt wird zum größten Teil von der FFG (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft) gefördert, die Ausfinanzierung des Forschungsprojektes wird von MED EL getragen. Für die Innsbrucker Univ.-Klinik für HNO ist die Kooperation mit MED-EL eine enorme Motivation und Anerkennung der bisherigen Forschungsleistungen.

Hintergrund:

BRIDGE wurde im Jahr 2005 als gemeinsame Initiative von FFG und FWF zur Förderung von Projekten an der Schnittstelle zwischen wissenschaftlicher Grundlagenforschung an Instituten und experimenteller Entwicklung in den Unternehmen etabliert. In BRIDGE der FFG werden grundlagennahe Projekte von Konsortien mit PartnerInnen aus der wissenschaftlichen Forschung und aus der verwertenden Industrie gefördert.

(B. Hoffmann-Ammann)

Weitere Informationen:

- Bridge-Programm der FFG

- MED-EL

- Univ.-Klinik für HNO

- NEWS-Beitrag: „Rhinospider: Innsbrucker Entwicklung für 3D-Navigation im OP als Kinofilm“

- Patentvideo der Kunstuniversität Linz zur Rhinospider-Technologie

- Science Slam 2016: Prof. Freysinger erklärt Navigation und die Rhinospider Technologie

 

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 6.4.2017, 13:57:00ximsTwitter LogoFacebook Logo