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Tiroler Wissenschaftsfonds fördert herausragende Projekte junger ForscherInnen

Vergangenen Freitag wurden im Rahmen eines Festaktes bereits zum 15. Mal Fördermittel des Tiroler Wissenschaftsfonds an Forscherinnen und Forscher der Innsbrucker Universitäten vergeben. Unter den FördernehmerInnen finden sich auch sieben junge Forscherinnen und Forscher der Medizinischen Universität Innsbruck, deren herausragende Forschungsprojekte nun zielgerichtet unterstützt werden.

Der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung und des wissenschaftlichen Nachwuchses in Tirol wurde auf Initiative des Landes Tirols geschaffen, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der wissenschaftlichen Forschung in Tirol zu sichern und vielversprechenden wissenschaftlichen Vorhaben von vor allem jungen Forscherinnen und Forschern eine Anschubfinanzierung zu geben. Antragsberechtigt sind WissenschafterInnen und der wissenschaftliche Nachwuchs der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, der Medizinischen Universität Innsbruck, der Privaten Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik (UMIT), der Pädagogischen Hochschule Tirol, der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Edith-Stein, des Management Center Innsbruck (MCI), der FH Kufstein und der FHG - Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol.

Die Verleihung der Förderzusagen des Tiroler Wissenschaftsfonds für die im Rahmen der Ausschreibung im Jahr 2016 ausgewählten Projekte fand am 27. Jänner 2017 in der Aula der Universität statt. Landesrat DI Bernhard Tilg und die Rektorinnen und Rektoren der Tiroler Hochschulen begrüßten die jungen WissenschafterInnen, deren vielversprechende Forschungsvorhaben im Anschluss kurz vorgestellt wurden. Die Präsentation der FördernehmerInnen der Medizinischen Universität Innsbruck übernahm Assoz.-Prof.in PDin Dr.in Doris Wilflingseder.

Von den an der Medizinischen Universität Innsbruck eingereichten 29 Anträgen (12 Frauen, 17 Männer) werden somit sieben evaluierte Projekte mit einem Gesamtfördervolumen von über 230.000,-- Euro unterstützt.

Die nächste Ausschreibung findet vom 1.2.2017 bis 31.3.2017 statt.

Tiroler Wissenschaftsfonds, Ausschreibung 2016 – FörderungsempfängerInnen der Medizinischen Universität Innsbruck in alphabetischer Reihenfolge:

Mag.Mag. Michael Blatzer, PhD (Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie):
Alternative regulatory circuits of secondary metabolite production in Aspergillus terreus

Der gebürtige Salzburger Michael Blatzer studierte Biologie in Innsbruck, absolvierte sein Doktoratsstudium an der Sektion für Molekularbiologie am Biozentrum der Medizinischen Universität Innsbruck und arbeitet seit 2013 als Posdoc an der Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie.

In seinem Projekt beschäftigt er sich mit pilzlichen Sekundärmetaboliten (SM). Diese kleinen Biomoleküle haben einerseits bedeutendem medizinischen Nutzen als Medikamente, andererseits können bestimmte SM extrem toxisch wirken. Aspergillus terreus ist als SM-Produzent relevant, da er der Hauptproduktionsorganismus des Cholesterin-senkenden Medikaments Lovastatin ist. Deletionsmutanten, denen die alternativen Oxidasen als zusätzliche Komponenten der mitochondrialen Atmungskette fehlen, weisen eine vermehrte SM-Produktion auf. Im Rahmen dieses Projekts sollte die molekulare Regulation der Sekundärmetabolit Produktion, die durch die alternativen Oxidasen und dadurch veränderter mitochondrialer Funktionen ausgelöst wird, untersucht werden.

Mag. Martin Bodner, MSc PhD (Institut für Gerichtliche Medizin):
Helena’s many daughters – Massively parallel sequencing provides highest-resolution insights into the most common West Eurasian mtDNA control region haplotype

Der studierte Molekularbiologe, Mikrobiologe und Genetiker Martin Bodner forscht am Institut für Gerichtliche Medizin. Seine Arbeitsschwerpunkte sind forensische Molekularbiologie, DNA-Analytik, Qualitätssicherung, Datenbanken und Populationsgenetik.

Die mitochondriale DNA ist ein Werkzeug in forensischen Untersuchungen, das in sonst oft unlösbaren Fällen zur Anwendung kommt. Mit heute angewandten Methoden zeigen viele Menschen aber dasselbe mitochondriale DNA-Profil und können nicht unterschieden werden. Im Projekt „Die vielen Töchter der Helena“ beschäftigt sich Martin Bodner mit dem häufigsten europäischen mitochondrialen Profil. Mit modernsten Methoden möchte er im größten nationalen Probensatz die versteckte Vielfalt innerhalb scheinbar identischer Proben aufdecken. In einer Vorstudie gelang es, den Traum der forensischen Genetik, Gleiches zu unterscheiden, beinahe zu verwirklichen. Dieses Projekt öffnet auch ein "Fenster zur Vergangenheit", um die Ausbreitung des Menschen zu klären.

Dr.med.univ. Benno Cardini, (Universitätsklinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie):
The impact of simvastatin on the ischemia reperfusion injury in the murine heart transplantation model

Der 34jährige Benno Cardini absolvierte ein Doktoratsstudium an der Medizinischen Universität Innsbruck. Nach einem Jahr als PostDoc an der Sektion für Biologische Chemie und im Daniel Swarovski Forschungslabor forscht er derzeit an der Univ.-Klinik für Viszeral-, Transplantations-, und Thoraxchirurgie.

Im Rahmen der Organtransplantation führen die Unterbindung, sowie die anschließende Wiederherstellung der Blutzirkulation zur Bildung und Freisetzung freier Radikale, welche die Organfunktion kurz- und langfristig negativ beeinflussen können. Ziel der Studie von Benno Cardini ist es, an einem Herztransplantationsmodell zu untersuchen, ob eine einmalige Spendertherapie mit Simvastatin diesen Schaden mindern kann. Die Hypothese beruht auf der Beobachtung, dass Simvastatin einen positiven Einfluss auf die Stickstoff-Biosynthese hat, indem Struktur und Funktion der stickstoffproduzierenden Enzyme stabilisiert werden. Dies ist zur Aufrechterhaltung der Gefäßhomöostase von zentraler Bedeutung.

Christian Doppler, MSc (Univ.-Klinik für Herzchirurgie):
Metabolome-Based Pathophysiological Studies and a Search for Biomarkers in Thoracic Aortic Aneurysms

Der aus Oberösterreich stammende Christian Doppler studierte Mikrobiologie in Innsbruck. Seit 2016 arbeitet er als Doktorand im Herzchirurgischen Forschungslabor und beschäftigt sich mit der Pathogenese des thorakalen Aortenaneurysmas.

Im Rahmen der von Christian Doppler durchgeführten Studie wird das Metabolom des thorakalen Aortenaneurysmas erforscht. Im Vorfeld wurde bereits Aortengewebe untersucht und die Analyse diverser Metaboliten durchgeführt. Anhand dieser Metaboliten kann zwischen gesunden Kontrollen und Aneurysmaerkrankungen unterschieden werden. Diese Erkenntnisse werden nun mittels einer klinischen Studie an der Medizinischen Universität Innsbruck verifiziert. Weiters werden isolierte Primärzellen untersucht, um Veränderungen auf zellulärer Ebene zu identifizieren.  Mit dieser Untersuchung sollen somit nicht nur neue Einblicke in die Entstehung des Aortenaneurysmas gewonnen werden, sondern auch neue Diagnosemethoden für den klinischen Alltag etabliert werden.

Dr.med.univ. Sebastian Reinstadler, PhD (Univ.-Klinik für Innere Medizin III):
Acute kidney injury in reperfused ST - elevation myocardial infarction

Der gebürtige Südtiroler Sebastian Reinstadler studierte Medizin in Padua und Innsbruck und absolvierte den Clinical PhD in der Arbeitsgruppe von Prof. Bernhard Metzler im Modul Intensive Care and Emergency Medicine an der Univ.-Klinik für Innere Medizin III.

Die Zusammenhänge zwischen Infarktcharakteristika, wie der Infarktgröße als auch der myokardialen mikrovaskulären Schädigung und dem Auftreten eines akuten Nierenversagens (ANV) nach revaskularisiertem STEMI sind bislang unbekannt und sollen deshalb in dieser Studie erstmals untersucht werden. Die Pathogenese des ANV nach STEMI gilt als sehr komplex und ist unzureichend geklärt. In diesem Projekt sollen an 250 STEMI PatientenInnen kardiale Magnetresonanztomographie-Untersuchungen innerhalb einer Woche nach Infarkt durchgeführt werden, um mögliche Determinanten (z.B. Infarktgröße, Mikrovaskuläre Schädigung) für das ANV zu bestimmen. Darüber ist eine breit angelegte Blutanalyse auf verschiedenste Biomarker, die einen potenziellen Zusammenhang mit dem ANV haben, geplant.

Lourdes Rocamora-Reverte, PhD (Sektion für Entwicklungsimmunologie):
Role of Glucocorticoides on B cell development and function

Die Spanierin Lourdes Rocamora-Reverte erhielt nach ihrem Studienabschluss 2013 eine Postdoc-Stelle an der Sektion für Entwicklungsimmunologie des Biozentrums. 2014 erhielt sie die Forschungsförderung des MUI-START Programms.

Glukokortikoide sind Steroidhormone, die in verschiedenen immunsuppressiven Therapien eingesetzt werden, da sie sowohl Immunantworten als auch Entzündungsreaktionen unterbinden bzw. eindämmen können. Unter physiologischen Bedingungen spielen diese Hormone unter anderem eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von T-Zellen, die ihrerseits wesentlich zur Funktion von B-Zellen bei deren Abwehr von Krankheitserregern beitragen.Im Rahmen dieses Projekts wird der Effekt von Glukokortikoiden auf die Entwicklung und Funktion von B-Zellen untersucht. Die Ergebnisse der Arbeit sollen dazu beitragen, die Therapien B-Zell-vermittelter Erkrankungen wie dem systemischen Lupus erythematodes, der multiplen Sklerose sowie von Leukämien, zu verbessern.

Assoz. Prof. Dr. Rüdiger Schweigreiter (Sektion für Neurobiochemie):
A novel Nogo-B based strategy to improve axonal regeneration in the perpheral nervous system

Nach dem Studium der Biologie in Graz und Wien und der Doktorarbeit am Max-Planck-Institut für Neurobiologie in München kam Rüdiger Schweigreiter nach einem Forschungsaufenthalt in Basel an die Sektion für Neurobiochemie des Innsbrucker Biozentrums.

Im vorliegenden Projekt geht es um das exzessive Sprouting von peripheren Nervenfasern während der Regeneration. Dieses Phänomen führt dazu, dass eine Nervenfaser nach einer Verletzung mit mehreren Zielen im Körper, etwa Muskeln oder Hautsinnesorganen, verbunden ist. Eine solche Fehlverschaltung von Nervenverbindungen erschwert rehabilitative Maßnahmen erheblich. An der Sektion wurde in vitro ein Mechanismus entdeckt, der den Verzweigungsgrad von Nervenzellfortsätzen hemmt. Im vorliegenden Projekt soll dieser neu entdeckte Mechanismus in einem in vivo Läsionsmodell der Maus getestet werden. Aus den Ergebnissen dieser Grundlagenforschung könnte sich ein therapeutischer Ansatz gegen das exzessive Sprouting von regenerierenden Nervenfasern entwickeln lassen.

(D. Heidegger)

Link:

Tiroler Wissenschaftsfonds TWF
https://www.tirol.gv.at/bildung/wissenschaftsfonds/

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 30.1.2017, 08:40:00ximsTwitter LogoFacebook Logo