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Neue Drittmittel für die Krebsforschung

Die Weiterentwicklung der Krebstherapie steht im Mittelpunkt zweier neuer Drittmittelprojekte an der Medizinischen Universität Innsbruck. Das Projekt von Univ.-Prof. Dr. Andreas Villunger, Leiter der Sektion für Entwicklungsimmunologie am Biozentrum, wird von der CD-Forschungsgesellschaft und dem FWF, das Kooperationsprojekt von Univ.-Prof. Dr. Zlatko Trajanoski, Direktor der Sektion für Bioinformatik, vom Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) der Stadt Wien gefördert.

Mit dem neu geschaffenen Sonderprogramm „Partnership in Research“ (PiR) fördert die Christian Doppler Forschungsgesellschaft (CDG) in Kooperation mit dem  Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF Projekte mit hoher wissenschaftlicher Qualität und einer realistischen Perspektive für unternehmensrelevante Ergebnisse. Insgesamt wurden 43 Projekte mit einer beantragten Gesamtsumme von 9,4 Millionen Euro eingereicht. Das Kuratorium der CDG entschied sich in seiner Septembersitzung, insgesamt sechs Projekte zu fördern, was durch die Aufstockung der Mittel durch die CDG sowie die Unterstützung eines der herausragenden Projekte durch das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW) möglich wird. Die Fördersumme für alle geförderten Projekte liegt damit bei rund 1,3 Mio. Euro.

Neue Angriffspunkte für die Krebstherapie
Unter den ersten sechs PiR-Projekten ist auch das Forschungsvorhaben von Andreas Villunger, der mit seinem Team vor allem zu den zelltodfördernden Proteinen der BCL2-Familie forscht. Diese haben einen relevanten Einfluss auf die Regulation der Apoptose, dem programmierten Zelltod, und liefern damit eine bedeutende Angriffsfläche für die Entwicklung gezielter Therapien von Tumoren.
„Identifikation von PIDDosom-Aktivatoren für die Krebstherapie“ lautet nun der Titel des neuen Projekts, in dem die ForscherInnen auf ein besseres Verständnis der Reaktion von Tumorzellen auf fehlerhafter Zellteilung abzielen. „Fehler im Prozess der Zellteilung (Zytokinese) können zur Verdopplung des Genoms führen. Dieser Zustand generiert Zellen mit vierfachem Chromosomensatz (Tetraploidie), erschwert jedoch die korrekte Weitergabe von genetischen Informationen auf die Tochterzelle und fördert dadurch genomische Instabilität – ein Merkmal vieler Tumorzellen“, weiß Andreas Villunger. Im Visier seines Teams (Luca Fava, Valentina Sladky und Fabian Schuler) stehen nun jene Mechanismen, die zur Aktivierung des wichtigsten Tumorsuppressors, p53, nach fehlerhafter Zytokinese führen. Bereits seit vielen Jahren ist bekannt, dass der Transkriptionsfaktor p53 in etwa der Hälfte aller menschlichen Tumoren mutiert ist, weshalb er eine kritische Rolle bei der Vermeidung von Krebs einnimmt. In gesunden Zellen fungiert p53 als eine Art Bremse, die Zellen vor unkontrolliertem Wachstum nach defekter Zytokinese schützt. ForscherInnen um Prof. Villunger konnten kürzlich nachweisen, dass das Enzym Caspase-2 und das Protein PIDD (p53-induced protein with a death domain) die p53-Aktivierung stimulieren und dies die Rolle von Caspase-2 als Tumorsuppressor erklären könnte. Um neue Ansatzpunkte für die Therapie von Krebs zu finden, soll nun beleuchtet werden, welche Signale zur Aktivierung von Caspase-2 und p53 führen, um den Transkriptionsfaktor gezielt pharmakologisch in Tumorzellen aktivieren zu können.

Die Immuntherapie bei Darmkrebs im Visier
Die komplexe Interaktion zwischen Tumorzellen und Immunsystem steht im Fokus des von Maria Sibilia und Martin Filipits vom Institut für Krebsforschung der Medizinischen Universität Wien koordinierten WWTF-Projektes, an dem Zlatko Trajanoski maßgeblich beteiligt ist. Der Bioinformatiker gehört heute zu einer der wenigen Gruppen weltweit, die aus bioinformatischen Analysen zielgerichtete Informationen für die Krebsimmuntherapie liefern können. Das ist auch der Grund, warum seine Expertise im neuen WWTF-Projekt, das die Ursachen für Misserfolg bei der Immuntherapie für PatientInnen mit Darmkrebs aufklären will, gefragt ist. „Die Immuntherapie nutzt köpereigene Abwehrmechanismen für den Kampf gegen den Krebs. Die besondere Herausforderung dabei ist, PatientInnengruppen je nach Ansprechen zu selektieren, um eine Vorhersage zu ermöglichen. Wir wissen heute, dass DarmkrebspatientInnen, vor allem jene mit wenigen Mutationen, am schlechtesten auf die Immuntherapie ansprechen“, erklärt Trajanoski. Im Rahmen des Projekts soll anhand eines von Prof.in Maria Sibilia etablierten spezifischen Mausmodells und einer großen Anzahl von retrospektiven Proben aus der Arbeitsgruppe von Prof. Filipits ein Vergleich der humanen Daten mit Mausdaten durchgeführt werden. Die Verarbeitung und Analyse dieser großen Next Generation Sequencing-Daten sowie Bilddaten wird mit den innovativen bioinformatischen Methoden am Innsbrucker Biozentrum ermöglicht. Dem Ziel, Resistenzen gegen die Immuntherapie voraussagen zu können, kommt man damit einen großen Schritt näher.

(D. Heidegger)

Links:

Christian Doppler Forschungsgesellschaft – PiR
https://www.cdg.ac.at/foerdermodelle/partnership-in-research/

WWTF - Life Sciences Förderprogramm
http://www.wwtf.at/programmes/ls/

Sektion für Entwicklungsimmunologie
http://www.apoptosis.at/

Sektion für Bioinformatik
http://icbi.i-med.ac.at/

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 25.10.2016, 11:35:45ximsTwitter LogoFacebook Logo