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TWF Vergabe

Tiroler Wissenschaftsfonds fördert herausragende NachwuchswissenschafterInnen

Im Rahmen eines würdevollen Festaktes wurden vergangenen Freitag bereits zum 14. Mal Fördermittel des Tiroler Wissenschaftsfonds an Forscherinnen und Forscher der Innsbrucker Universitäten vergeben. Unter den FördernehmerInnen finden sich auch sieben junge Forscherinnen und Forscher der Medizinischen Universität Innsbruck, deren herausragende Forschungsprojekte nun zielgerichtet unterstützt werden.

Am 22. Jänner fand im Kaiser-Leopold-Saal der Universität Innsbruck die Verleihung der Förderzusagen des Tiroler Wissenschaftsfonds für die im Rahmen der Ausschreibung im Jahr 2015 ausgewählten Projekte statt. Landesrat DI Bernhard Tilg und die Rektorinnen und Rektoren der Tiroler Hochschulen begrüßten die jungen WissenschafterInnen, deren vielversprechende Forschungsvorhaben im Anschluss kurz vorgestellt wurden. Von den an der Medizinischen Universität Innsbruck eingereichten 44 Anträgen werden somit sieben evaluierte Projekte mit einem Gesamtfördervolumen von über 200.000,-- Euro unterstützt. Rektorin o.Univ.-Prof.in Dr.in Helga Fritsch betonte in ihren Begrüßungsworten die Notwendigkeit gezielter Forschungsförderung für die Stärkung einer effizienten, translationalen Medizin und vor allem für die junge Wissenschaft und unterstrich den Wert der finanziellen Unterstützung durch den TWF..

Der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung und des wissenschaftlichen Nachwuchses in Tirol wurde auf Initiative des Landes Tirols geschaffen, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der wissenschaftlichen Forschung in Tirol zu sichern und vielversprechenden wissenschaftlichen Vorhaben von vor allem jungen Forscherinnen und Forschern eine Anschubfinanzierung zu geben. Antragsberechtigt sind WissenschafterInnen und der wissenschaftliche Nachwuchs der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, der Medizinischen Universität Innsbruck, der Privaten Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik (UMIT), der Pädagogischen Hochschule Tirol, der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Edith-Stein, des Management Center Innsbruck (MCI), der FH Kufstein und der FHG - Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol.

Anträge für die nächste Ausschreibung können vom 1. Februar bis zum 31. März 2016 eingereicht werden.

Tiroler Wissenschaftsfonds, Ausschreibung 2015 – FörderungsempfängerInnen der Medizinischen Universität Innsbruck in alphabetischer Reihenfolge:

1. Dr.med.univ.Timon Adolph: Die Rolle von oxidativem Stress und Glutathione Peroxidase 4 bei chronischer Darmentzündung

In seinem Projekt setzt sich Dr. Timon Erik Adolph mit der Rolle von oxidativem Stress in intestinalen Entzündungsprozessen im Darm und besonders in den Epithelzellen auseinander. Dabei versucht er unter anderem, die Funktion des intestinal epithelialen GPX4-Enzyms für die Homöostase im Darm zu identifizieren. Forschungsarbeiten wie diese können einen Ausschlag geben, die biologische Funktion von anti-oxidativen Enzymen wie GPX4 bei chronischer Entzündung besser zu verstehen, um additive Therapieformen für entzündliche Darmerkrankungen, wie Morbus Crohn zu entwickeln.

2. Mag.Dr.phil. Matthias Erlacher: Ribosomale Translation von DNA

Mag. Dr. Matthias Erlacher befasst sich in seiner Forschungsarbeit mit einem zentralen Dogma der Molekularbiologie. Dieses Dogma besagt, dass der genetische Informationsfluss, von DNA über RNA zum Protein erfolgt und dabei das Ribosom ausschließlich RNA als Vorlage für die Proteinbiosynthese verwendet. Unter Zugabe von bestimmten Antibiotika ist es bereits gelungen, DNA-Präparationen von Ribosomen aus E. coli in Peptide und Proteine zu übersetzen. Dr. Erlacher versucht in seinem Projekt, Ribosomen zu entwickeln, die auch ohne „äußeren“ Einfluss, also ohne Zugabe von Antibiotika, DNA als Vorlage zu Proteinsynthese verwenden können. Damit könnte ein neues molekularbiologisches Werkzeug zur Erforschung weiterer molekularbiologischer Fragestellungen geschaffen werden.

3. PD Dr.in Barbara Hausott: Die Interaktion von Sprouty2 und PTEN beim Axonwachstum von adulten sensiblen Neuronen

Priv.-Doz. Mag. Dr. Barbara Hausott befasst sich mit der Interaktion von Sprouty2 und PTEN beim Axonwachstum von adulten sensiblen Neuronen. Sprouty2 und PTEN sind Regulatoren der Signalwege von Rezeptor-Tyrosinkinasen, also Rezeptoren, die an die Zellmembran gebunden sind. Die Hemmung von Spry2 oder von PTEN fördert das Axonwachstum von adulten DRG Neuronen, ein mechanistischer Zusammenhang zwischen Spry2 und PTEN in Neuronen wurde bisher nicht erörtert. Ziel des Projektes von Dr. Hausott ist es, diesen möglichen Zusammenhang zwischen der Aktivität von Spry2 und PTEN in adulten sensiblen Neuronen sowie die Bedeutung von Spry2 und PTEN für das Axonwachstum zu untersuchen.

4. Assistenzprofessorin Priv.-Doz.in Dr.in med.dent.Ines Kapferer-Seebacher: Metagenomische Analysen bei aggressiver Parodontitis

Priv.-Doz.in Dr. Ines Kapferer-Seebacher widmet sich in ihrer Forschungsarbeit der aggressiven Parodontitis. Diese seltene Form der Parodontitis führt rasch zu einem fortschreitenden Zerfall des Zahnhalteapparates und unbehandelt bereits im jungen Erwachsenenalter zum Zahnverlust. In ihrer Studie wurden PatientInnen vor als auch nach einer Parodontaltherapie Plaqueproben entnommen und DNA extrahiert, um taxonomische und metagenomische Analysen durchzuführen. Damit sollen neue erkrankungsrelevante Spezies und metagenomische Funktionen bei der aggressiven Parodontitis identifiziert werden, um zukünftige Therapien zu personalisieren und Biomarker für Therapieansprechen zu entdecken.

5. Dr.in med. univ. Anna Posod: Evaluation von Dehydroepiandrosteron und seinem Sulfatester als therapeutische Strategie der neonatalen hypoxisch-ischämischen Hirnschädigung

Dr.in Posod befasst sich in ihrer Forschungsarbeit mit der neonatalen Hirnschädigung, die jährlich 6 von 1000 Neugeborenen erleiden. In ihrer Arbeitsgruppe werden exogene Pharmaka evaluiert, die am Sigma-1-Rezeptor angreifen und das Ausmaß der neonatalen Hirnschädigung reduzieren. Anhand eines schrittweisen experimentellen Ansatzes soll nun die Hypothese überprüft werden, ob zwei bestimmte endogene Sigma-1-Rezeptor-Agonisten das sich entwickelnde Gehirn vor hypoxisch-ischämischer Schädigung schützen. Auf diesem Weg können das Wissen über neonatale Hirnschädigung erweitert werden und neue, maßgeschneiderte Therapiestrategien gefunden werden.

6. Dr.in phil.Anja Wilmes: Claudin Regulation in Folge von Oxidativen Stress und Auswirkungen auf die Gesundheit

Dr. Wilmes untersucht die Auswirkungen von oxidativem Stress auf die Expression von Claudinen in der Niere. Claudine bilden eine Gruppe von mindestens 26 verschiedenen Proteinen, und sind ein wichtiger Bestandteil der in Epithelien vorkommenden Zellverbindungen, den so genannten Tight junctions. Veränderungen der einzelnen Claudine spielen bei verschiedenen Krankheiten wie Nierenerkrankungen und Krebs eine entscheidende Rolle. Es ist nicht bekannt, auf welche Weise Claudine durch oxidativen Stress reguliert werden und warum bestimmte Claudine durch oxidativen Stress verändert werden und andere nicht. In diesem Projekt sollen fehlende Informationen darüber aufgezeigt werden. Damit können die Bedeutung der Tight junctions weiter erforscht werden und hoffentlich neue Entwicklungsmöglichkeiten für pharmazeutische Medikamente ermöglicht werden.

7. Dr.in med.univ. Manuela Zlamy: Einflüsse der pulsatilen Dexamethason-Therapie auf das Immunsystem bei der Behandlung kindlicher Epilepsien

Dr. Zlamy befasst sich in ihrer Forschungsarbeit mit dem Immunsystem bei der Behandlung kindlicher Epilepsien. Insbesondere geht es dabei um den Einfluss des künstliches Glucocorticoid „Dexamethason“ das entzündungshemmend und dämpfend auf das Immunsystem wirkt. Bei therapieresistenten Epilepsieformen im Kindesalter wird Dexamethason als pulsative Therapie, also kurz und in hohen Dosen eingesetzt. Die Pilotstudie an der Dr. Zlamy arbeitet, hat zum Ziel, mögliche Veränderungen der humoralen Immunität im Rahmen einer pulsatilen Dexamethason Therapie bei kindlicher Epilepsie zu identifizieren und mögliche metabolische Prognoseparameter sowie neue Therapieangriffsziele zu identifizieren. Damit könnten die Langzeitprognosen der Patienten verbessert werden.

(D.Heidegger / A. Schönherr)

 

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Tiroler Wissenschaftsfonds – Medizinische Universität Innsbruck

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 22.1.2016, 10:44:00ximsTwitter LogoFacebook Logo