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Innovative Behandlung von Eierstockkrebs: Erste Ergebnisse bei EU-Projekt GANNET53

Im Zeitplan liegt das EU-Projekt GANNET53: Nach Abschluss der Phase-I-Studie mit einer neuen Wirkstoffkombination zur Behandlung von Eierstockkrebs, werden derzeit die ersten Patientinnen im Rahmen der Phase II-Studie behandelt. In dem von Univ.-Prof.in Dr.in Nicole Concin koordinierte Forschungsvorhaben wird auch ein prädiktiver Test für das Ansprechen auf die neue Therapieform entwickelt. Die Studie könnte auch Erkenntnisse für die Behandlung anderer Krebserkrankungen bringen.

Jedes Jahr erkranken rund 66.700 Frauen in Europa an Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom). 41.900 Frauen sterben jährlich an dieser aggressiven Krebserkrankung. Das Ovarialkarzinom ist die fünft häufigste bösartige Tumorerkrankung bei Frauen in Europa. Die Gründe für die hohe Mortalitätsrate sind unter anderem das Vorliegen einer meist fortgeschrittenen, metastasierten Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose und die fehlende Möglichkeit zur Früherkennung. Darüber hinaus besteht eine hohe Rezidivrate, also ein häufiges Wiederkehren der Erkrankung, sowie ein Mangel an effizienten Therapieformen, wenn die Erkrankung resistent gegenüber der platinhaltigen Standardtherapie geworden ist. Hier setzt das EU-Projekt GANNET53 an. „Ziel ist es eine neue, effiziente medikamentöse Behandlung zu entwickeln, mit der die Prognose verbessert und die Lebensqualität erhöht werden kann“, erklärt Univ.-Prof.in Dr.in Nicole Concin. Die Leiterin des EU-Projektes GANNET53 ist Universitätsprofessorin für Experimentelle Frauenheilkunde an der Innsbrucker Univ.-Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe (Direktor: Univ.-Prof. Dr. Christian Marth). Patientinnen, die in die klinische Studie GANNET53 eingeschlossen werden, weisen eine spezielle genetische Veränderung im Tumor auf, eine sogenannte Mutation des p53 Proteins. Dieses Protein wird wegen seiner Schutzfunktion auch „Wächter des Genoms“ genannt. Es spielt eine zentrale Rolle bei der klinisch relevanten Gruppe der „niedrig differenzierten, serösen“ Ovarialkarzinome, die in rund 96 Prozent eine p53 Mutation aufweisen. Rund 70 Prozent aller Eierstockkrebs-Patientinnen haben einen solchen Tumor.

Innovative Behandlung wird im Rahmen klinischer Studie getestet

Erstmals wird in Rahmen einer klinischen Studie überprüft, ob ein sogenannter HSP90-Inhibitor, in Form des Wirkstoffs Ganetespib, erfolgreich zur Behandlung von einer Tumorerkrankung mit p53-Mutation eingesetzt werden kann. Der Behandlung mit einem HSP90-Inhibitor soll den negativen Effekt der p53-Mutation ausschalten. Die Ergebnisse könnten daher nicht nur für die Weiterentwicklung der Therapien gegen Eierstockkrebs relevant sein, sondern auch für andere Tumorerkrankungen, bei denen ebenfalls eine Veränderung von p53 vorliegt. Im Rahmen der kürzlich beendeten Phase-I-Studie wurde die Dosis von Ganetespib für die Phase II Studie, sowie die Sicherheit von Ganetespib in einer neuen Kombination mit einem bewährten Chemotherapeutikum (Paclitaxel) evaluiert. „Mit der Phase I Studie haben wir gezeigt, dass die Kombination beider Wirkstoffe möglich ist und von den Patientinnen gut vertragen wird. Jetzt warten wir gespannt auf die Ergebnisse dieser Kombination bezüglich Wirksamkeit gegen Eierstockkrebs in der kürzlich begonnen Phase-II-Studie“, erklärt Concin.

Hohes internationales Interesse

Da mit dieser innovativen Behandlungsstrategie zukünftig auch andere Tumorerkrankungen, die eine p53-Mutation aufweisen, behandelt werden könnten, ist das internationale Interesse an der von der Medizinischen Universität Innsbruck koordinierten Studie (Proof-of-concept trial) hoch. Die ersten Ergebnisse der Phase-I-Studie wurde im Rahmen des jährlichen Treffens der amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie (American Society of Clinical Oncology, ASCO) Ende Mai in Chicago präsentiert. Rund 30.000 OnkologInnen aus der ganzen Welt besuchen dieses Meeting.

Prädiktiver-Kit & Biobank

Die engagierte Zusammenarbeit der 18 Partnerinstitutionen von GANNET53 in ganz Europa ermöglichte es, dass unmittelbar im Anschluss mit der Phase II-Studie begonnen werden konnte. Bereits im Juni wurde im belgischen Leuven die erste Patientin in dieser zweiten Projektphase behandelt. Im Rahmen der randomisierten Studie sollen über 200 Patientinnen behandelt werden. Neben den wichtigen Information über die neue Behandlungsmöglichkeit von Krebserkrankungen mit p53-Mutationen arbeiten die von Univ.-Prof.in Concin geleiteten ForscherInnen auch an der Entwicklung eines prädiktiven Testes, mit dem zukünftig diejenigen Patientinnen identifiziert werden sollen, die am meisten von der neuen Therapieform profitieren. Ein weiteres Projektziel ist der Aufbau einer Biobank und die Entwicklung einer Software, die eine effiziente Organisation einer internationalen, multicenter Biobank ermöglicht.

 

(B. Hoffmann-Ammann)

Weiterführende Informationen:

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 17.8.2015, 10:40:00ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo