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5. HUS-Weltkongress in Tirol

Der 5. Weltkongress zum Hämolytisch Urämischen Syndrom (HUS) und verwandten Erkrankungen fand vom 12. bis 14. Juli bei bestem Wetter im Congresspark Innsbruck-Igls statt. Das in bewährter Weise vom HUS Team Innsbruck organisierte Meeting versammelte über 100 ExpertInnen aus aller Welt und bot Gelegenheit, sich in kollegialer Atmosphäre über neueste Forschungs- und Therapie-Erkenntnisse auszutauschen.

HUS steht für Hämolytisch Urämisches Syndrom und stellt die häufigste Ursache des akuten Nierenversagens im Kindesalter dar. Etwa fünf Prozent der Fälle sind atypisch und haben ihre Ursache in einer Dysregulation des Komplementsystems. Anders als bei vielen anderen Syndromen ist die Ätiologie bei diesem Krankheitsbild sehr vielschichtig. So gibt es angeborene und erworbene Formen. Letztere können durch Autoimmunphänomene entstehen, wobei Antikörper gebildet werden, aber auch durch Erkrankungen mit Darmbakterien, wie bestimmten Escherichia coli. Dieses klassische HUS oder eHUS ist die weitaus häufigste Form.

Innsbrucker HUS-Expertise

Dass das interdisziplinäre und institutsübergreifende HUS-Team in Innsbruck - WissenschafterInnen und ÄrztInnen aus der Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie (Direktorin Univ.-Prof.in Dr.in Cornelia Lass-Flörl)  und der Univ.-Klinik für Pädiatrie I (Direktor Univ.-Prof. Dr. Gerhard Gaedicke)  – nun bereits zum fünften Mal hintereinander mit der Ausrichtung dieses Weltkongresses betraut wurde, liegt auch an den mikrobiologisch-immunologischen und pädiatrisch-klinischen Meilensteinen, die dieses ForscherInnenteam zum Verständnis des HUS beitragen konnte. So wurde von dieser Gruppe einerseits der Prototyp eines Antikörpers entwickelt, der nun in humanisierter Form als Eculizumab®  zur Therapie des HUS eingesetzt wird. Zum anderen hat diese Gruppe gezeigt, dass eben auch bei der durch Escherichia coli verursachten Form, dem eHUS, das Komplementsystem eine Rolle spielt. „Außerdem haben die 10-Jahres Langzeitdaten des in Innsbruck beheimateten HUS-Langzeitregisters Aufsehen erregt. Diese implizieren, dass diese Erkrankung ihre PatientInnen eben doch oft ein Leben lang begleitet“, bestätigt HUS-Experte Univ.-Prof. DDr. Reinhard Würzner (Rosales et al., 2012).

Die ersten beiden Kongresse wurden vom langjährigen und inzwischen verstorbenen Direktor der Pädiatrie I, Univ.-Prof. Dr. Lothar Bernd Zimmerhackl organisiert, dessen beeindruckende Idee, ForscherInnen aus den Disziplinen Bakteriologie, Virologie, Mikrobiologie, Immunologie, Zellbiologie, Pathologie, Klinische Chemie, Pädiatrie, Nephrologie, Rheumatologie, Gynäkologie, Ophthalmologie, Transplantationsbiologie und Pharmakologie zusammenzubringen, nach wie vor aktuell und bewährt ist. Das dritte Meeting im Jahr 2011 erfuhr durch die gleichzeitig in Norddeutschland stattfindende Epidemie eben eines enterohämorrhagischen Escherichia coli-Bakteriums (EHEC) zusätzliche Prominenz, weshalb sich Fernsehteams aus aller Welt nach Innsbruck aufmachten, um die anwesenden ExpertInnen zu interviewen.

Erfolgreiches 5. Meeting

19 eingeladene, ausländische SprecherInnen, etwa aus Japan, Indien, Kanada, USA oder Ägypten und Teilnehmer aus Australien, Neuseeland und aus vielen Ländern Europas sind in diesem Jahr zum internationalen HUS-Kongress nach Innsbruck gekommen. Das Team um Prof. Würzner konnte außerdem Mohamed A. Karmali als Sprecher gewinnen. Der kanadische Wissenschafter hatte vor über 30 Jahren das erste eHUS beschrieben und konnte somit zeigen, dass ein Bakterium, welches Durchfall auslöst in weiterer Folge auch die Nieren zerstören und zum Tod führen kann. Weitere Vorträge thematisierten die Pathogenese, Diagnostik und Therapie der verschiedenen HUS-Formen.

Neben dem internationalen Know-How-Transfer kam es im Rahmen des Meetings auch zu einer noch intensiveren Vernetzung der Innsbrucker Forschungslandschaft, standen dem HUS-Team doch folgende Chairpersonen mit Rat und Tat zur Seite: Univ.-Prof. Dr. Florian Kronenberg (Genetische Epidemiologie), Univ.-Prof.in Dr.in Cornelia Lass-Flörl und ao.Univ.-Prof.in Mag.a Dr.in Cornelia Speth (Hygiene und Med. Mikrobiologie), ao.Univ.-Prof. Dr. Heribert Stoiber (Virologie), Univ.-Prof. Dr. Gerhard Gaedicke und  Priv.-Doz. Dr. Jürgen Brunner (Pädiatrie I), OA Dr. Gabriele Kropshofer (Pädiatrie II), Univ.-Prof. Dr. Gert Mayer und PD Dr. Michael Rudnicki (Nephrologie), ao.Univ.-Prof. Dr. Stefan Schneeberger MBA (Universitätsklinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie), Assistenzprofessorin Priv.-Doz.in Dr.in Judith Martini (Univ.-Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin) und ao.Univ.-Prof. Dr. Günter Weigel (Zentralinstitut für med. u chem. Labordiagnostik).

Der 5. HUS-Weltkongress wurde in Zusammenarbeit mit dem vom FWF geförderten Doktoratsprogramm HOROS veranstaltet und gab so den interessierten PhD Studierenden  Gelegenheit, relativ ungezwungen  mit renommierten WissenschafterInnen in Kontakt zu kommen. 

Das HUS Team (Dr. Thomas Giner, Priv.-Doz.in Dr.in Therese Jungraithmayr, DDr.in Alejandra Rosales und Prof. Siegfried Waldegger von der Univ.-Klinik für  Pädiatrie I, Innsbruck, Dr. Johannes Hofer von der Pädiatrie, Linz, Dr.in Magdalena Riedl, derzeit SickKids, Toronto, sowie Assoz. Prof.in Priv.-Doz.in Dr.in Dorothea Orth-Höller und ao.Univ.-Prof. DDr. Reinhard Würzner, beide Hygiene und Med. Mikrobiologie, Innsbruck) schaut bereits auf den nächsten HUS-Weltkongress, der  im Frühjahr 2017 wieder in Innsbruck-Igls stattfinden soll.

(R. Würzner / D. Heidegger)

 

Links:

HUS Homepage, Team Innsbruck und Programm des Kongresses

DK HOROS

Ao.Univ.-Prof. DDr. Reinhard Würzner

Need for long-term follow-up in enterohemorrhagic Escherichia coli-associated hemolytic uremic syndrome due to late-emerging sequelae. Rosales A, Hofer J, Zimmerhackl LB, Jungraithmayr TC, Riedl M, Giner T, Strasak A, Orth-Höller D, Würzner R, Karch H; German-Austrian HUS Study Group. Clin Infect Dis. 2012 May;54(10):1413-21. Epub 2012 Mar 12.

myPoint-Archiv:

EHEC: Elementare Forschungserkenntnisse für neue Therapie kommen aus Innsbruck [30.5.2011]

Dritter HUS-Weltkongress in Innsbruck [16.6.2011]

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 30.7.2015, 15:49:06ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo