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Ao.Univ.-Prof. Dr. Reinhard Stauder und Britta Halter MSc. bilden das MDS-Right Team in Innsbruck. Foto Copyright: tirol kliniken/Fotolia_ Photographee.eu

EU-Projekt MDS-RIGHT zur personalisierten Therapie bei Blutkrebs gestartet

Myelodysplastische Syndrome (MDS) gehören zu den häufigsten malignen hämatologischen Erkrankungen. Im Rahmen des EU-Förderprogramms Horizon 2020, Bereich „Personalisierung von Gesundheit und Pflege“ (H2020-PHC-2014), unterstützt das MDS-RIGHT Projekt die Entwicklung von maßgeschneiderten Therapien für PatientInnen mit MDS. Ao.Univ.-Prof. Dr. Reinhard Stauder von der Innsbrucker Univ.-Klinik für Innere Medizin V koordiniert das Arbeitspaket zu Lebensqualität und Anämie.

Myelodysplastische Syndrome (MDS) sind eine heterogene Gruppe von malignen, hämatologischen Erkrankungen. Jährlich erkranken etwa vier bis fünf von 100.000 Personen. Im Durchschnitt sind die PatientInnen bei der Erstdiagnose 70 Jahre alt, es handelt es sich bei MDS also um Erkrankungen des Alters. Die Zunahme an älteren Menschen in Österreich bedingt daher eine kontinuierliche Steigerung an MDS-Erkrankungen. Damit gehören MDS zu den häufigen bösartigen Bluterkrankungen. „MDS-PatientInnen leiden vor allem unter der Blutarmut (Anämie), welche zu einer deutlichen Einschränkung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und Überlebenszeit führt“, erklärt ao.Univ.-Prof. Stauder. „Die Prognose reicht von einer stabilen, indolenten Erkrankung bis hin zu aggressiven Formen mit einem rapiden Übergang in eine aktute myeloische Leukämie.“ Mit den aktuell in der klinischen Routine verwendeten Risikoscores ist die Prognose für einzelne PatientInnen allerdings schwer vorherzusagen.

MDS-Right in Wien gestartet
Im Juni fiel in Wien der Startschuss für das EU-Projekt „MDS-RIGHT“ (“Providing the right care to the right patient with MyeloDysplasticSyndrome at the right time”). Zielsetzung ist die Entwicklung von personalisierten Algorithmen zur Risikoeinschätzung und Therapieplanung für MDS-PatientInnen. Das MDS-RIGHT Projekt schafft darüber hinaus die Grundlagen zur Verbesserung der personalisierten Diagnose-und Therapiemöglichkeiten bei MDS. Ausgehend von diesen Ergebnissen wird das MDS-RIGHT Konsortium europaweit Richtlinien zur Therapie von MDS ausarbeiten und verbreiten. Koordiniert wird „MDS-Right“ von einer Forschungsgruppe des Radboud University Medical Center in Nijmegen, Holland unter der Leitung von Univ.-Prof. Theo de Witte. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre und das zur Verfügung stehende Budget 6 Millionen Euro.

Basiert auf laufendem EU-MDS Register
Am Projekt sind 22 medizinische Institutionen aus ganz Europa beteiligt. Das Projekt baut auf dem laufenden EU-MDS Register auf. Es handelt sich dabei um ein seit Jahren rekrutierendes, europäisches Register für MDS unter Beteiligung der Univ.-Klinik für Innere Medizin V (Hämatologie und Onkologie, Direktor: Univ.-Prof. Dr. Günther Gastl). Im Rahmen des EU-MDS Register sind bisher klinische Daten und Zellmaterial von mehr als 1.800 PatientInnen von einem Konsortium aus 17 europäischen Staaten gesammelt worden. „Wir versuchen die MDS-Erkrankung von zwei Seiten zu beleuchten“, erklärt ao. Univ.-Prof. Dr. Stauder. „Wir erforschen einerseits die Biologie der Erkrankung von PatientInnen aus dem EU-MDS mit aktuellen Technologien und beziehen andererseits die Situation der PatientInnen, insbesondere seine Lebensqualität, in die Prognoseeinschätzung und Therapieplanung mit ein.“

Im Rahmen des „MDS-RIGHT“ erfolgt eine umfassende Analyse der molekularen Mutationen bei MDS mittels der neuen „Next-Generation-Sequencing“ (NGS) Methoden. Die Lebensqualität wird mit validierten generischen Scores erfasst. Zudem soll ein neuer MDS-spezifischer Score erstmals in Europa zur Anwendung kommen. Die Erfassung der Lebensqualität (QoL) kommt als sogenannter patient-reported outcome (PRO) Anforderungen von PatientInnenorganisationen und Behörden entgegen. Unter Integration der Lebensqualität sollen neue „core outcome sets“ (COS), die vor allem für ältere PatientInnen relevant sind, definiert werden. Der Einfluss verschiedener biologischer Parameter und therapeutischer Interventionen auf die Lebensqualität und die Anämie werden evaluiert. Zudem sollen Prädiktoren einer frühzeitigen Verschlechterung der Lebensqualität entwickelt und in individualisierte Therapieplanungen integriert werden.

(B. Hoffmann-Ammann)


Weitere Informationen:
-    EU-MDS Register
-    Arbeitsgruppe MDS /Geriatrische Hämatologie und Onkologie  


© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 10.7.2015, 09:45:56ximsTwitter LogoFacebook Logo