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Vizerektor Univ.-Prof. Dr. Gustav Fraedrich, Prof. Diederick E. Grobbee und Univ.-Prof. Mag. Dr. Hanno Ulmer (v. li. n. re.) beim Vortrag Ende Februar.

Ziel: Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch besser vorhersagen

Ende Februar fand im Hörsaal der Frauen- und Kopfklinik ein Gastvortrag von Prof. Diederick E. Grobbee, MD, PhD, FESC zum Thema „Risk Factors and Innovations in Cardiovascular Risk Prediction“ statt. Der Professor für Klinische Epidemiologie am University Medical Center Utrecht zählt zu den weltweit einflussreichsten biomedizinischen Forschern. Er leitet groß angelegte Studien über Interventionen bei der Prävention und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Der gebürtige Niederländer Prof. Grobbee hielt seinen Vortrag im Rahmen der Gründungsversammlung der Österreichischen Gesellschaft für Epidemiologie (www.oegepi.at), die im Aufbau begriffen ist. Er war der Einladung von Michael Edlinger, MSc MSc PhD und ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Hanno Ulmer vom Department für Medizinische Statistik, Informatik und Gesundheitsökonomie der Medizinischen Universität Innsbruck gefolgt. In seinem Vortrag ging Grobbee insbesondere auf die bedeutendsten Studien zum Thema Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein.

Die „Mutter aller Studien“, wie der Niederländer sie bezeichnete, die Framingham Heart Study, wurde im Jahr 1948 begonnen und laufend fortgesetzt; sie entwickelte den erste Risikokalkulator für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Neben dieser Studie gibt es eine Reihe weiterer, die ihre jeweiligen Stärken und Schwächen aufweisen und die vorhersagen sollen, wie hoch das Risiko in Prozent ist, in fünf oder zehn Jahren zu erkranken. Prof. Grobbee ging zudem auf die sieben Probleme solcher Vorhersagerechner ein. In einfachen Rechnern finden Faktoren wie Alter, Geschlecht, Rauchverhalten und der Bluthochdruck Berücksichtigung. Eine brennende Frage ist jene nach dem Einfluss von genetischen Risikofaktoren, die in den derzeitigen Rechenmodellen nicht vorkommen. Laut Prof. Grobbee müssten sie, um in diese integriert zu werden, weit häufiger in der Population auftreten und zudem eine höhere Aussagekraft für das gesamte Risiko aufweisen. Die Forschung beschäftigt sich neben der Suche nach neuen, aussagekräftigen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch mit der zeitlichen Entwicklung dieser.

Forschungsfeld auch in Innsbruck
In der anschließenden Diskussionsrunde tauchte aus dem Publikum unter anderem die Frage auf, ob das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erkranken, gegen Null gesenkt werden könne, wenn man alle relevanten Risikofaktoren bestmöglich minimiere, wie komplett auf das Rauchen zu verzichten. Prof. Grobbee meinte dazu, dass das Auftreten einer Erkrankung dadurch aufgeschoben werden könne, aber später trotzdem auftauchen würde.

Auch am Department für Medizinische Statistik, Informatik und Gesundheitsökonomie der Medizinischen Universität Innsbruck spielt das Thema Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine wichtige Rolle: „Es gibt mehrere Publikationen zum Thema ‚Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen‘ am Institut. Auch forschen wir daran, weitere, aussagekräftige Risikofaktoren zu entdecken, die zur Verbesserung der Vorhersagekraft der bestehenden Rechenmodelle beitragen sollen“, betont dessen geschäftsführender Direktor Hanno Ulmer.

Zur Person
Professor Grobbee gehört zu den 100 weltweit einflussreichsten biomedizinischen Forschern mit 1.154 Pubmed-Publikationen, 52.525 Zitationen und einem Hirsch-Index von 113. Er ist Projektleiter vieler großangelegter epidemiologischer und randomisierter Studien über medikamentöse und ernährungsbedingte Interventionen zur Prävention und Behandlung kardiovaskulärer Erkrankungen. Unterrichtet hat er außer in vielen Ländern Europas auch in den USA, in Asien und Afrika. Zudem wurden über 120 Dissertanten von ihm betreut. Als „chief scientific officer“ von Julius Clinical Research Ltd. (einer wissenschaftlichen Forschungsfirma verbunden mit dem University Medical Center Utrecht) leitet er „late phase clinical trials“ in Bezug auf kardiovaskuläre, metabolische und infektiöse Erkrankungen in über 30 Ländern. Neuerdings initiierte er eine „online academy that educates international health professionals“ (www.elevatehealth.eu).

 

(P. Salchner)

 

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 11.3.2014, 08:34:00ximsTwitter LogoFacebook Logo