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OeNB Projekte

Die OeNB fördert vier Projekte an der Medizinischen Universität Innsbruck

Der Generalrat der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) hat am 27. Juni 2013 die Finanzierung von 60 Forschungsprojekten mit mehr als 5,4 Mio. EUR aus Mitteln des Jubiläumsfonds zur Förderung der Forschungs- und Lehraufgaben der Wissenschaft genehmigt. Unter den bewilligten Projekten sind auch vier Forschungsvorhaben der Medizinischen Universität Innsbruck.

 Neben der Förderung von wissenschaftlichen Arbeiten hoher Qualität aus dem Bereich Wirtschaftswissenschaften sowie der Sozial- und Geisteswissenschaften fördert  die Österreichische Nationalbank aus Mitteln im Rahmen des „originären“ Jubiläums­fonds schwerpunktmäßig auch klinische krankheits- bzw. patienten­orientierte Forschungsvorhaben aus dem Bereich der Medizinischen Wissen­schaften, in diesem Jahr 23 Projekte mit   2,33 Millionen Euro. Die Vergabe der finanziellen Mittel erfolgt nach einer fundierten Projektauswahl mittels eines Peer-Review Verfahrens und unterliegt strengen Qualitätskriterien.

An der Medizinischen Universität Innsbruck werden die Projekte von Univ.-Prof. Dr.  Zoran  Culig (Univ.-Klinik für Urologie), Dr.in  Ines  Kapferer-Seebacher (Univ.-Klinik für Zahnersatz und Zahnerhaltung) / Dr.in Anna S. Schossig (Sektion für Klinische Genetik), Dr. Markus Pirklbauer (Univ.-Klinik für Innere Medizin IV, Nephrologie und Hypertensiologie) und Dr. Günter Rambach (Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie) unterstützt.

„Regulation der Interleukin-6 Signaltransduktion durch Interferon regulierenden Faktor-9 beim Prostatakarzinom“

Das Zytokin Interleukin-6 (IL-6) ist ein wichtiger Regulator des humanen Prostatakarzinoms. IL-6 kann unterschiedliche Signalwege und intermediäre Moleküle in Prostatazellen induzieren. Das Ziel des Projektes von Univ.-Prof. Zoran Culig ist die Untersuchung von Expression und Funktion des von IL-6 induzierten Interferon regulierenden Faktors-9 (IRF-9). „Zu diesem Zweck werden wir die Expression von IRF-9 in Proben von Prostatakarzinompatienten immunhistochemisch untersuchen“, berichtet Prof. Culig,  dessen Forschungsteam bereits mehrfach zur Entwicklung neue Substanzen bzw. Therapiekandidaten beigetragen hat. Im Rahmen des OeNB-Projektes soll die Proliferation von Prostatakarzinomzellen nach der Modulation der IRF-9 Expression gemessen und die Frage beantwortet werden, ob IRF-9 eine Rolle bei der Entwicklung der Chemotherapieresistenz spielt. Weiters wird die Relevanz von IRF-9 in der Entwicklung der tumor-initiierenden Zellpopulation analysiert. Die Versuche sollten einen Beitrag zum besseren Verständnis der Rolle von Zytokinen beim Prostatakarzinom leisten.

Genetische und funktionelle Studien der molekularen Basis der aggressiven Parodontitis

Als aggressive Parodontitis (AgP) bezeichnet man eine schnell fortschreitende Entzündung des Zahnfleischs und des Zahnhalteapparates, die unbehandelt bereits in jungen Jahren zu Zahnlockerung und Zahnverlust führt. Eine familiäre Häufung und genetische Prädisposition wurden beschrieben, bisher konnte jedoch keine reproduzierbare Assoziation mit einem Genpolymorphismus oder eine monogene Ursache als hauptverantwortlich identifiziert werden. Beim geplanten OeNB-Projekt von Dr.in Ines Kapferer-Seebacher von der Univ.-Klinik für Zahnersatz und Zahnerhaltung und Dr.in Anna S. Schossig von der Sektion für Klinische Genetik soll bei einer großen österreichischen Familie mit AgP und autosomal dominantem Erbgang sowie bei weiteren einzelnen betroffenen Probanden der genetische und pathophysiologische Hintergrund evaluiert und mithilfe von Kopplungsanalyse und Exom-Sequenzierung das ursächlich beteiligte Gen identifiziert werden. Ergänzend dazu werden auch immunologische Analysen durchgeführt sowie eine große Kohorte nicht verwandter Personen mit AgP auf Mutationen im selben Gen untersucht.

Der labile Kalziumpool und seine Bedeutung für das kardiovaskuläre Risiko in Hämodialysepatienten

Gefäßverkalkungen sind häufige und mit erhöhter Mortalität einhergehende Komplikationen bei Hämodialyse (HD)- und Osteoporose-PatientInnen. HD und Osteoporose Behandlung führen regelmäßig zu einer positiven Kalzium-Massenbilanz (CaMB). Um extrazelluläres Kalzium (CaECF) konstant zu halten, existiert ein “rapid exchangeable calcium pool“ (ECP), der akute Kalziumbelastungen ausgleicht. Ein Verlust dieser Pufferkapazität könnte zu kurzfristigen CaECF-Anstiegen während einer HD führen und die Kalzifizierungsneigung mancher HD PatientInnen erklären. „Ziel meiner Studie ist es“, erzählt Projektleiter Dr. Markus  Pirklbauer, „die CaMB und ECP Kapazität, also das Verhältnis von intradialytischer CaECF Änderung zu CaMB bei 75 HD PatientInnen zu bestimmen und mit Laborparametern, Therapie und aortaler Pulswellengeschwindigkeit zu korrelieren“. Nach 2 Jahren follow up soll die ECP Kapazität mit dem klinischen Geschehen korreliert werden. Dieser neue Ansatz kann zur Individualisierung der HD Therapie und kardiovaskulärer Prognoseverbesserung beitragen.

Thrombozytopenie bei Candida-Infektionen: Klinische Bedeutung und experimentelle Analysen

Thrombozyten haben neben ihrer zentralen Rolle bei der Blutgerinnung auch eine wichtige Bedeutung als Bestandteil der angeborenen Wirtsabwehr. Im Rahmen des Projekts des Mikrobiologen Dr. Günter Rambach sollen die Wechselwirkungen von Thrombozyten mit klinischen Isolaten verschiedener Candida-Arten näher untersucht werden. In vitro-Experimente beschäftigen sich mit der Wirkung von pathogenen Candida-Spezies auf Blutplättchen und umgekehrt mit den antifungalen Effekten von Thrombozyten gegenüber Candida.  Zusätzlich wird eine in vivo-Studie durchgeführt, in der die Eigenschaften von Thrombozyten sowie deren Anzahl im Blut von PatientInnen mit einer Candida-Sepsis im Verlauf der Erkrankung verglichen werden. Dadurch sollen neue, detaillierte Erkenntnisse über Candida-Thrombozyten-Wechselwirkungen und somit über die Bedeutung von Blutplättchen für die immunologische Abwehr von Candida-Erkrankungen gewonnen werden. „Die Ergebnisse könnten künftig zur Risikobewertung für diese Infektionen infolge von Thrombozytopenie sowie zur Optimierung von Prophylaxe und Behandlung beitragen“, betont Dr. Rambach.

(D.Heidegger)

Links:

Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank
http://www.oenb.at/de/ueber_die_oenb/foerderung/jubilaeumsfonds/jubilaeumsfonds.jsp

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 2.8.2013, 09:42:07ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo