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StemBANCC – Neue Möglichkeiten der Zellforschung dank Nobelpreistechnologie

Bei StemBANCC handelt es sich um ein mit 55,6 Mill. Euro ausgestattetes multinationales Großprojekt, das basierend auf einer 2012 mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Technologie neue Möglichkeiten der Medikamentenforschung nutzt. Unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. Paul Jennings und Univ.-Prof. Dr. Gerhard Gstraunthaler von der Sektion für Physiologie ist auch die Medizinische Universität Innsbruck an diesem Programm beteiligt.

Europaweit haben sich 25 akademische Einrichtungen und 11 namhafte Institutionen aus der Pharmaindustrie zusammengeschlossen, um gemeinsam am StemBANCC-Projekt zu arbeiten. Das Projekt ist am 1. Oktober 2012 gestartet und wurde auf 5 Jahre angesetzt. Das Ziel ist die Entwicklung neuer Therapieansätze für Störungen im peripheren und im zentralen Nervensystem sowie neurodysfunktionaler Krankheiten und Diabetes.

 

iPS als ideale Grundlage für eine gezielte, effektive Medikation

Bei iPS (induzierte pluripotente Stammzellen) handelt es sich um Zellen, die den menschlichen Körper exakt imitieren können. Je nach Ausgangsform können sich normale Zellen nur in bestimmte Zelltypen differenzieren, d.h. aus einer Leberzelle kann sich z.B. ausschließlich wieder eine Leberzelle herausbilden. Die einzige bekannte Ausnahme waren bisher nur embryonale Stammzellen, welche sich in jede mögliche Zellenart entwickeln können, deren Gewinnung aber sehr kompliziert, ethisch umstritten und in Österreich verboten ist. Die Herstellung von iPS ist im Vergleich ethisch unbedenklich und in weiten Bereichen wesentlich effektiver. Gewöhnliche Körperzellen, z.B. aus der Haut, werden so reprogrammiert, dass sie wie Stammzellen funktionieren, d.h. auch sie können sich in jede erdenkliche Zellart entwickeln, ohne dabei ihr natürliches Verhalten zu verlieren.

Bisher war es in der Erforschung neuer Therapieansätze oft so, dass sehr viel Zeit und Geld verloren ging, da erst in einem relativ späten Stadium auf dem Weg zur Zulassung das definitive Scheitern der Medikamente festgestellt werden konnte. Das liegt zum einen daran, dass für die vorab durchgeführten Tests tierische Zellen verwendet werden, die von den menschlichen Zellen differieren. Zum anderen waren selbst menschliche Zellkulturen bisher keine ideale Grundlage, da diese derart verändert werden müssen, dass sie sich nicht mehr natürlich, sondern kontrolliert entwickeln.

Mt der neuen iPS-Technologie, für die John Gurdon und Shinya Yamanaka 2012 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhalten haben, ist es nun möglich, die Wirkung und Effektivität von Medikamenten an Zellen zu erforschen, die mit denen des menschlichen Organismus beinahe ident sind.

 

Die Beteiligung der Medizinischen Universität Innsbruck am StemBANCC-Projekt

Die Medizinische Universität Innsbruck stellt für das StemBANCC-Projekt seine Experten aus der Sektion für Physiologie zur Verfügung. Das Forschungsteam rund um Priv.-Doz. Dr. Paul Jennings und Univ.-Prof. Dr. Gerhard Gstraunthaler übernimmt die Analyse der Funktionsfähigkeit der iPS sowie die Differenzierung dieser in Nierenepithelzellen, welche wiederum die Grundlage für die Erforschung der Sicherheit und Wirksamkeit von Medikamenten bilden.

Univ.-Prof. Dr. Gerhard Gstraunthaler betont die enorme Bedeutung dieser neuen Technologie für die Forschung, wenn er erklärt: „StemBANCC soll damit einen einzigartigen Pool speziell auf Patienten angepasster, gut charakterisierter iPS-Zellen generieren. Das schafft die Voraussetzung für die Entwicklung neuer, u.U. auch personalisierter Therapieansätze für bisher unheilbare Krankheiten und die verbesserte Prüfung neuer Medikamente.“

 

1500 iPS als Grundlage für neue Heilungschancen

StemBANCC möchte eine Plattform mit 1500 iPS von direkt betroffenen Patienten und Patienten mit Medikamentenunverträglichkeiten sowie auch von gesunden Menschen schaffen, und damit eine geeignetere Grundlage für die Erforschung von effektiven Therapien sowie die Wirksamkeit und Sicherheit neuer Medikamente bereitstellen.

Einerseits sollen dadurch neue Behandlungsmöglichkeiten für bisher unheilbare Krankheiten wie z.B. Alzheimer, Demenz, Schizophrenie oder Diabetes entwickelt werden, andererseits sollen aus den iPS auch Leber-, Herz-, Nieren- und Nervenzellen gezüchtet werden.

Die Innovative Medicines Initiative (IMI) ist Europas größte öffentlich-private Initiative für die Förderung pharmazeutischer Innovationen unter Beteiligung der Europäischen Union (EU) und EFPIA (European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations). Bei IMI arbeiten Unternehmen aus Industrie und Forschung zusammen, um die schnellere Entdeckung und Entwicklung besserer und sicherer Medikamente für Patienten voranzutreiben sowie die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit von europäischen Produkten zu unterstützen. Schwerpunkte der Initiative liegen auf der Sicherheit der Produkte, der Förderung junger Forscher und dem Ausbau des internationalen Wissensnetzwerks.

Das Projekt StemBANCC wird unter der Zuwendungsvereinbarung GA Nr.115439-2 durch die Innovative Medicines Initiative (IMI) unterstützt und im Rahmen des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms (FP7/2007-2013) finanziell gefördert. Gleichzeitig unterstützen die Unternehmen von EFPIA durch deren Eigenleistungen das Projekt.

(red)

 

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Weiterführender Link:

IMI
www.imi.europa.eu

 

 

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 21.2.2013, 13:40:00ximsTwitter LogoFacebook Logo