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Vielversprechender Biomarker für seröses Ovarialkarzinom

In einer Kooperations-Studie mit fünf Europäischen Universitätskliniken für Gynäkologie konnte eine Forschungsgruppe um Prof. Hans Dieplinger von der Sektion für Genetische Epidemiologie das Glykoprotein Afamin als Biomarker für den Verlauf des serösen Ovarialkarzinoms identifizieren. Die Studie wurde durch eine Forschungsförderung der EU im Rahmen des RP6 (Projekt „OVCAD“) finanziert und unlängst im internationalen Fachjournal Gynecologic Oncology publiziert.

Die Diagnose eines Ovarialkarzinoms in einem frühen Krankheitsstadium kann ausschlaggebend sein für den Erfolg der Therapie und das Gesamtüberleben. Eine frühzeitige Diagnose ist nach derzeitigem Wissensstand allerdings nur in sehr wenigen Erkrankungsfällen möglich. Erschwert wird das rechtzeitige Erkennen des Karzinoms durch das Fehlen spezifischer Beschwerden und eingeschränkter Aussagekraft gängiger Screening-Modalitäten (Symptom-Indizes, Blut-Biomarker, Ultraschall und Kombinationen der genannten Verfahren) im frühen Krankheitsstadium. Als gängigster Serum-Biomarker wird das „Cancer-Antigen 125“ (CA-125) untersucht, welches zwar in 80% aller Fälle eines fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms erhöht ist, wegen seiner Beeinflussung durch andere, weit häufigere Krankheiten aber wenig diagnostische Wertigkeit besitzt.

Afamin als potentieller diagnostischer Marker

Afamin, ein Vitamin-E bindendes Glykoprotein aus der Albumin-Genfamilie, wurde 2007 als potentieller Biomarker für das Ovarialkarzinom identifiziert und 2009 in einer größeren Studie validiert. Patientinnen mit bestätigtem Ovarialkarzinom wiesen im Vergleich zu an benignen ovariellen Tumoren Erkrankten und gesunden Kontrollpatientinnen deutlich reduzierte Afamin-Konzentrationen im Plasma auf.

Afamin als potentieller Verlaufsmarker

Aktuell wurde der mögliche Nutzen von Afamin als Verlaufsmarker für das Ovarialkarzinom im Rahmen des „OVCAD“ (OVarian CAncer Diagnosis of a silent killer)-Projektes evaluiert. In dieser von Univ.Prof. Dr. Robert Zeillinger, Universiätsklinik für Frauenheilkunde, Medizinische Universität Wien koordinierten Kooperation zwischen 15 Arbeitsgruppen aus sechs verschiedenen Ländern, darunter fünf medizinisch-universitäre Zentren für Gynäkologie (Berlin, Leuven, Hamburg, Wien und Innsbruck) wurde Afamin in knapp 250 bestätigten Fällen serösen Ovarialkarzinoms gemessen und mit dem Krankheitsverlauf sowie klinisch wichtigen Endpunkten in Verbindung gebracht. Es konnte gezeigt werden, dass Afamin Plasma-Konzentrationen bereits vor Therapiebeginn vom Krankheitsstadium abhängig sind und frühzeitig Hinweise auf Metastasen und die Wahrscheinlichkeit eines Tumorrezidivs nach Kombinationstherapie geben. Bei erfolgreichem Ansprechen auf kombinierte Chemotherapie nach Chirurgie näherten sich die Afamin-Plasma Konzentrationen den Werten einer gesunden Kontrollgruppe an. Die nach therapeutischer Intervention wieder normalisierten Afamin Plasma-Konzentrationen gingen mit einem verlängerten tumorfreien und Gesamtüberleben einher.

In Summe konnte anhand der vorliegenden Arbeit der potentielle Nutzen von Afamin als Biomarker für den Verlauf und die Therapie des Ovarialkarzinoms gezeigt werden. Weitere OVCAD-Kooperations-Studien mit dem Ziel, zelluläre und genetische Regulationen von Afamin beim Ovarialkarzinom zu evaluieren, sind geplant. Die kommerzielle Verwertung dieser neuen Tumormarker-Diagnostik erfolgt über die Firma Vitateq Biotechnology GmbH (Innsbruck) und wird durch das CAST unterstützt.

(red)

Links:

Plasma concentrations of the vitamin E-binding protein afamin are associated with overall and progression-free survival and platinum sensitivity in serous ovarian cancer-a study by the OVCAD consortium. Melmer A, Fineder L, Lamina C, Kollerits B, Dieplinger B, Braicu I, Sehouli J, Cadron I, Vergote I, Mahner S, Zeimet AG, Castillo-Tong DC, Ebenbichler CF, Zeillinger R, Dieplinger H. Gynecol Oncol. 2012 Oct 9. doi: 10.1016/j.ygyno.2012.09.032. [Epub ahead of print]
http://dx.doi.org/10.1016/j.ygyno.2012.09.032

Afamin and apolipoprotein A-IV: novel protein markers for ovarian cancer. Dieplinger H, Ankerst DP, Burges A, Lenhard M, Lingenhel A, Fineder L, Buchner H, Stieber P. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev. 2009;18(4):1127-33.
http://dx.doi.org/10.1158/1055-9965.EPI-08-0653

Proteomic profiling identifies afamin as a potential biomarker for ovarian cancer. Jackson D, Craven RA, Hutson RC, Graze I, Lueth P, Tonge RP, Hartley JL, Nickson JA, Rayner SJ, Johnston C, Dieplinger B, Hubalek M, Wilkinson N, Perren TJ, Kehoe S, Hall GD, Daxenbichler G, Dieplinger H, Selby PJ, Banks RE. Clin Cancer Res. 2007;13(24):7370-9.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18094419

Sektion für Genetische Epidemiologie
http://www3.i-med.ac.at/genepi/ 

Universitätsfrauenklinik
https://www.i-med.ac.at/patienten/ukl_gynaekologie_geburtshilfe.html

Universitätsklinik für Innere Medizin I
https://www.i-med.ac.at/patienten/ukl_inneremedizin1.html

Universitätsklinik für Frauenheilkunde, MUW
http://www.meduniwien.ac.at/gyn/

OVCAD
http://www.ovcad.eu/

Vitateq Biotechnology GmbH
http://vitateq.com/

CAST
http://www.cast-tyrol.com/ 

 

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 14.11.2012, 10:21:00ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo