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Cand.med. Rainer Zembacher (3.v.l.)

Innsbrucker Medizin-Student erhielt Wissenschaftspreis für Forschung zur Idiopathischen Lungenfibrose

Cand.med. Rainer Zembacher, Diplomand am Schwerpunkt Pneumologie/USPH, wurde im Rahmen der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) mit dem ersten von drei wissenschaftlichen Poster-Preisen für Grundlagenforschung ausgezeichnet. Sein Poster fokussierte auf das mögliche neue Therapieziel „Notch-Signaltransduktion“ als Behandlungsoption für die bislang kaum erforschte Waisenerkrankung Idiopathische Lungenfibrose (UIP).

Die richtungsweisende Innsbrucker Forschungsarbeit zu Erkrankungen wie Lungenhochdruck, COPD (Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung), Asthma, Lungenfibrose sowie zur Stammzellforschung, lässt sich nicht zuletzt an den Preisen der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie ablesen, die jedes Jahr an LungenforscherInnen des Schwerpunktes Pneumologie der Medizinischen Universität Innsbruck gehen. Unter 38 aus Österreich, Deutschland, Polen, Rumänien und Serbien eingereichten Abstracts konnte Medizin-Student Rainer Zembacher, der unter der Projektleitung von Univ.-Ass. Drin Susanna Desole seine Diplomarbeit schreibt, mit seiner hervorragenden mündlichen Präsentation die Jury heuer für sich bzw. sein Poster gewinnen. Er ist damit der einzige Preisträger, der das Medizinstudium noch nicht abgeschlossen hat - was von den Jurymitgliedern, darunter auch der international anerkannte COPD-Experte Prof. Claus Franz Vogelmeier vom Universitätsklinikum Gießen-Marburg, besonders hervorgehoben wurde.

Orphan Disease - Idiopathische Lungenfibrose
Die Lungenfibrose ist eine Erkrankung des Lungeninterstitiums, die durch eine überschießende Bindegewebsproliferation zwischen den Alveolen und den sie umgebenden Kapillaren gekennzeichnet ist. Zahlreiche Krankheitsbilder, von rheumatologischen Erkrankungen bis hin zu Nebenwirkungen von Medikamenten (wie z. Bsp. Amiodaron), können zu einer Lungenfibrose führen. Subsumiert werden diese Manifestationen in der Gruppe der interstitiellen Lungenerkrankungen (ILD). Ist die Ursache unbekannt, bezeichnet man die Form als idiopathische interstitielle Pneumonien, deren häufigster Vertreter die idiopathische pulmonale Fibrose (früher IPF - nun UIP) ist. Die UIP ist im Verlauf zu anderen Fibroseerkrankungen der Lunge wesentlich aggressiver, was eine deutlich geringere Lebenserwartung bedingt.

Neue universitäre Spitzenzentren in Planung
„Bislang gab es keine zugelassene, medikamentöse Behandlung für PatientInnen mit idiopathischer Lungenfibrose (UIP), doch seit Herbst 2011 steht mit dem neuen Medikament Pirfenidon (Esbriet®) erstmalig eine spezifische Therapiemöglichkeit zur Verfügung, die in PatientInnenstudien bereits deutliche Effekte zeigte und zur Zulassung in Europa führte“, weiß Univ.-Prof. Dr. Christian Kähler, dessen Team betroffene PatientInnen aus allen Teilen Österreichs am neuen interdisziplinären Spezialzentrum für interstitelle Lungenerkrankungen (University Specialist Centre for Interstitial Lung Diseases - USID [„use it“]) betreut. Ein interdisziplinäres „ILD-Board“, vergleichbar mit den Tumorboards an den Universitätskliniken Innsbruck findet seit Jänner 2012 unter der Koordination von Frau ao.Univ.-Prof.in Dr.in Judith Löffler-Ragg, Oberärztin am Schwerpunkt Pneumologie der Medizinischen Universität Innsbruck, wöchentlich statt. Neben der Behandlung setzt das Team um Prof. Kähler vor allem auf die Erforschung und Aufklärung der dieser Krankheit zugrunde liegenden molekularbiologischen Mechanismen, um auf diesem Weg dem Ziel einer spezifischen Therapieoption näher zu kommen. Auch Studien zu neuen Medikamenten werden den PatientInnenen am Zentrum der Medizinischen Universität Innsbruck angeboten, um die therapeutischen Optionen ständig weiterentwickeln zu können.

Vielversprechendes Target für die Therapie der Lungenfibrose
Rainer Zembacher fokussierte in seiner Forschungsarbeit auf Alveolarepithelzellen Typ II - eine spezielle, die Wände der Alveolen auskleidende Zellart. Die Schädigung dieser Pneumozyten, deren Apoptose und Regenerationsfähigkeit stellen wichtige Faktoren in der Pathogenese der Lungenfibrose dar. Im Mittelpunkt stand dabei die bislang unbelegte Rolle des Notch/Jagged-1 Signalweges in der Proliferation dieses Zelltyps. Der Notch-Signalweg ist ein weit verbreiteter, nach seinem Rezeptor „Notch“ benannter Signaltransduktionsweg, durch den Zellen auf äußere Signale reagieren können. „Es ist uns gelungen, in vitro nachzuweisen, dass der Notch-Rezeptor Ligand Jagged-1 das Wachstum der Alveolarepithelzellen Typ II beeinträchtigt. Dieser Signalweg könnte also ein vielversprechendes Target für neue Therapiestrategien bei interstitiellen Lungenerkrankungen darstellen“, berichtet Nachwuchsforscher Rainer Zembacher, der neben seinem Medizin-Studium an der Medizinischen Universität Innsbruck auch das Bachelorstudium Gesundheits- und Leistungssport an der Universität Innsbruck belegt.


(D. Heidegger)

Links:

- Poster „Proliferation of alveolar type II pneumocytes is stimulated by Jagged-1 in vitro“

- Arbeitsgruppe Pneumologie - Prof. Kähler

- Univ.-Klinik für Innere Medizin I

- Österreichische Gesellschaft für Pneumologie

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 14.9.2012, 08:40:00ximsTwitter LogoFacebook Logo