Internationaler Langerhanszell-Workshop in Innsbruck

ao.Univ.-Prof. Nikolaus Romani organisierte den 12. Internationalen Langerhanszell-Workshop in Innsbruck. (Foto: Harald Stauber)

15.11.2011

Vor wenigen Tagen ging der 12. Internationale Workshop zu Langerhanszellen in Innsbruck zu Ende, der dem kürzlich verstorbenen Nobelpreisträger für Medizin 2011, Ralph Steinman, gewidmet wurde. Er fand unter Schirmherrschaft der Medizinischen Universität Innsbruck und von Oncotyrol statt und wurde von Nikolaus Romani und Patrizia Stoitzner organisiert.

Foto: ao.Univ.-Prof. Nikolaus Romani organisierte den 12. Internationalen Langerhanszell-Workshop in Innsbruck. (Foto: Harald Stauber)

Im Jahr 1868 entdeckte Paul Langerhans, ein Student Rudolf Virchows in Berlin, dendritisch aussehende Zellen in der Epidermis: die Langerhans-Zellen. Er hielt sie, aus damaliger Sicht verständlich, für Nervenzellen, eine Theorie, die sich ein ganzes Jahrhundert lang hielt. Erst Ralph Steinman erkannte, dass es sich in Wahrheit um die vorderste Front des Immunsystems handelt, um jene Zellen nämlich, die Krankheitserreger oder andere Gefahren erkennen und "Alarm schlagen", d.h. um professionelle antigenpräsentierende Zellen. Diese Erkenntnis beruhte auf seiner bahnbrechenden Entdeckung der "Dendritischen Zellen", deren epidermale Spielart die Langerhanszellen sind. Steinman starb vor wenigen Wochen an einem Pankreaskarzinom, tragischerweise unmittelbar vor Bekanntmachung des Nobelpreises.

Nikolaus Romani, der an der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie gemeinsam mit Patrizia Stoitzner sowie im Rahmen von Oncotyrol zur Immuntherapie mit Dendritischen Zellen forscht, hob zur Eröffnung des traditionsreichen Workshops die vielfältigen Beziehungen hervor, die Steinman mit Innsbruck verbanden. So war er Ehrendoktor der Universität Innsbruck (1998) und assoziierter Wissenschaftspartner der Cell Therapy Unit in Oncotyrol. Steinman hatte in den zurückliegenden Jahren oft am Langerhanszell-Workshop teilgenommen, der heuer zum erstenmal in Innsbruck stattfand. Über vier Tage lang wurden die ca. 150 TeilnehmerInnen aus der ganzen Welt mit wissenschaftlichen Leckerbissen versorgt. Auch Univ.-Prof. Günther Sperk, Vizerektor für Forschung an der Medizinischen Universität Innsbruck, kam zur Eröffnung des Workshops und überbrachte die Grüße der Medizinischen Universität.

Verfettete Immunzellen tragen zur Krebsentstehung bei

Dmitri Gabrilovich vom Moffit Cancer Center in Florida widmete sich der Frage, warum dendritische Zellen bei Krebs versagen. Eigentlich sollten sie ja dafür sorgen, dass das Immunsystem entartete Zellen erkennt und Krebs schon im Ansatz verhindert. Gabrilovichs überraschte mit folgender Erklärung: Der Tumor produziert oxidierte Fettsäuren, die sich in den dendritischen Zellen ansammeln. Die „verfetteten“ Zellen können die Tumor-Antigene nicht mehr richtig verarbeiten und präsentieren. Die zytotoxischen T Lymphozyten werden deshalb nicht mehr ordnungsgemäß aktiviert und gegen den Tumor losgeschickt. Maligne Zellen können sich ausbreiten. Nur oxidierte Fettsäuren üben diese unheilvolle Wirkung aus.

Wo bitte geht's zum Lymphgefäß?

Ein weiterer Höhepunkt war der Vortrag von Michael Sixt vom Institute of Science and Technology (IST) in Wien. Er ging der Frage nach, wie dendritische Zellen ihr Ziel finden. Wenn sie in der Haut auf Bakterien oder andere Gefahren stoßen, treten sie in die Lymphgefäße ein und wandern über die Lymphbahnen in die Lymphknoten, wo sie, inzwischen gereift, die Immunantwort in Gang setzen. Doch wer sagt ihnen, wo es langgeht? Sixt konnte in eindrucksvollen "in vivo Imaging" Filmen zeigen, dass die dendritischen Zellen dem Chemokin CCL21 folgen. Sie wandern in Richtung zunehmender Konzentration ihres Lockstoffs. Das umliegende Gewebe hat einen Trick entwickelt, um den Konzentrationsanstieg des Chemokins dauerhaft aufrecht zu erhalten: Das Chemokin ist mit seinem "klebrigen" Ende an das Bindegewebe gebunden. Dieser immobilisierte Gradient sorgt für eine robuste und dauerhafte Orientierung der dendritischen Zellen.

Langerhanszellen als Ziel zur Kontrolle von Krebs, Infektionen und Autoimmunität

Vorträge von Juliana Idoyaga von der Rockefeller Universität in New York, also Ralph Steinmans Wirkungsstätte, Eynav Klechevsky von der University of Minnesota aus Minneapolis und Sangkon Oh vom Baylor Institut for Immunology in Dallas, Texas zeigten vielversprechende Wege auf, wie man mittels spezifischer Antikörper Langerhanszellen und ihre dendritischen Verwandten in der Dermis ganz gezielt dazu bringen kann, therapeutisch erwünschte Immunantworten zu erzeugen - Killerzellen bei Krebs oder immundämpfende regulatorische T Zellen bei Autoimmunität. Patrizia Stoitzner aus Innsbruck präsentierte Evidenz für eine „tumor-überwachende“ (immune surveillance) Rolle von Langerhanszellen in spontanen Modellen von Hautkrebs.

"In Oncotyrol versuchen wir, dendritische Zellen einschließlich der Langerhanszellen der Haut zur Krebstherapie zu nutzen, ein Ansatz, den auch Steinman im Kampf gegen seine eigene Krankheit angewendet hat, und der ihm, wovon er selbst überzeugt war, eine markante Verlängerung seines Lebens um einige Jahre ermöglicht hat. Noch ist ein weiter Weg zu gehen, aber der Workshop zeigte eindrucksvoll, wie rasant sich die Forschung auf diesem Gebiet in jüngster Zeit entwickelt hat“, resümierte Nikolaus Romani zum Abschluss des Meetings.

(ch)

Links:

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 15.11.2011, 00:00:00+01:00ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo