Ungebrochenes Interesse am fünften Tiroler Impftag

Impftag-Koordinator Prof. Reinhard Würzner von der Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie.

1.3.2010

Auch wenn H1N1-Infektionen in Österreich weit weniger dramatisch verliefen, als von Experten befürchtet, ist bei ÄrztInnen und ApothekerInnen das Interesse an Neuigkeiten über Impfungen nach wie vor ungebrochen. Im Rahmen des 5. Tiroler Impftages am 20. Februar diskutierten Expertinnen und Experten der Medizinischen Universität Innsbruck und Wien vor über 140 Teilnehmern über Vor- und Nachteile von Impfungen.

Foto: Impftag-Koordinator Prof. Reinhard Würzner von der Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie.

In deutschsprachigen Ländern sind Impfungen immer noch umstritten, obwohl keine medizinische Maßnahme nachweislich mehr Menschenleben rettet. Umfassende Aufklärungsarbeit und zielgerichtete Informationen sind deshalb notwendige Bestandteile eines verantwortungsvollen und kritischen Umgangs mit dem Thema Impfen. Der nun bereits zum fünften Mal erfolgreich abgehaltene Tiroler Impftag wurde wie gewohnt gemeinschaftlich von der Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie (Direktorin Univ.-Prof.in Cornelia Lass-Flörl, von der Sektion für Virologie (Direktorin Univ.-Prof.in Dorothee von Laer) sowie der Univ.-Klinik für Pädiatrie I unter der Leitung von Univ.-Prof. Lothar-Bernd Zimmerhackl organisiert, die über das ganze Jahr hinweg in den Bereichen Diagnostik, Lehre und Forschung eng zusammenarbeiten. Koordiniert wurde die Veranstaltung von Univ.-Prof. Reinhard Würzner und Univ.-Prof.in Cornelia Speth von der Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie.

Breites Spektrum an Impfungen

Nach der Begrüßung und Vorstellung der neuen Ordinariae, Prof.in Lass-Flörl und Prof.in von Laer referierte Prof. Karl Zwiauer, Primar an der Kinderklinik des Landeskrankenhauses St. Pölten, über die beiden vornehmlich im Säuglingsalter verwendeten Pneumokokkenimpfstoffe, wobei er auf die deutliche Überlegenheit der Konjugatimpfstoffe gegenüber den Polysaccharidimpfstoffen hinwies. Im Anschluss ging Prof. Würzner auf die Impfung gegen Meningokokken ein, für die in Europa bisher nur gegen die Serogruppe C gut wirksame Konjugatimpfstoffe zur Verfügung standen (wichtig für Jugendliche auf Sprachreisen), verwies jedoch darauf, dass noch vor dem Sommer eine tetravalente Reiseimpfung gegen die vier wichtigsten Meningokokkenstämme zur Verfügung stünde. Dr. Gernot Walder von der Sektion für Virologie lieferte neueste Zahlen zum Thema „FSME - im Westen nichts Neues?“ und verwies auf deutliche Impflücken in der älteren Bevölkerung aufgrund einer weitgehend fehlenden Grundimmunisierung.

Die Wichtigkeit der Impfung gegen das Varizella-Zoster-Virus vor einer geplanten Immunsuppression wurde von PD Dr. Martina Prelog von der Innsbrucker Kinderklinik akzentuiert. Der von Koorganisator Prof. Zimmerhackl gehaltene Vortrag über die Impfungen bei Immundefizienten schloß sich an diese Thematik nahtlos an. Dabei wurde insbesondere auf die Gefahr der Infektion durch Geschwisterkinder hingewiesen, die als häufigste Infektionsquelle für Immunsupprimierte angesehen werden muß. Der Schutz der PatientInnen durch Impfungen in der Familie wurde speziell betont.

Weitere Impfaspekte

Ein Übersichtsvortrag von Prof.in Ursula Wiedermann-Schmidt vom Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Medizinischen Universität Wien konnte zeigen, daß Adjuvanzien in Tot-Impfstoffen, welche nur aus Teilen des Erregers bestehen, eine wichtige Rolle bei der Rekrutierung von Immunzellen spielen und in der Lage sind, sowohl die Antigenmenge als auch die Anzahl der Impfungen zu reduzieren. Der Vortrag von Dr. Monika Redlberger-Fritz von der Virologie Wien beschäftigte sich mit der inkorrekten Nomenklatur „H1N1“ für die fälschlicherweise als „Schweinegrippe“ bezeichnete Influenza sowie deren Relevanz und Mortalitätsrate für bestimmte Bevölkerungsgruppen. Ebenfalls aus der adjuvanten Perspektive berichtete Prof. Andreas Widschwendtner von der Innsbrucker Frauenklinik über jene zwei auf dem Markt befindlichen Impfungen gegen Papilloma-Viren und begründete die hohe Todesrate beim Gebärmutterhalskrebs mit der Tatsache, dass sich nur 40 Prozent der Frauen im Reproduktionsalter untersuchen lassen und die Impfung ausschließlich gegen die beiden häufigsten Typen verlässlich schützt.

Vor dem Hintergrund des regen Interesses an der Impfthematik und dem erfolgreichen Ablauf der Veranstaltung, blickt Organisator Würzner zuversichtlich in die Zukunft des Tiroler Impftages: „Auch 2011 wird es wieder einen Tiroler Impftag geben“.

(dh)

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© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 1.3.2010, 00:00:00+01:00ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo