DNA-Analysen klären Identität von Zarenkindern

Das Institut für Gerichtliche Medizin klärt Identität von Zarenkindern.

17.7.2008

Das Institut für Gerichtliche Medizin konnte die Identität der im August 2007 in Jekaterinburg (Russland) gefundenen Gebeinsreste klären. "Die Ergebnisse unserer DNA-Analysen beweisen, dass die Gebeine den beiden bislang vermissten Zarenkindern zuzuordnen sind: Kronprinz Alexei und seiner Schwester Maria", erklärt Prof. Walter Rabl, stellvertretender Direktor des Instituts.

Foto: Das Institut für Gerichtliche Medizin klärt Identität von Zarenkindern.

Neben dem Innsbrucker Team hat in den vergangenen Monaten ein zweites Labor, das Institut der US-Armee in Maryland in den USA, an den Analysen gearbeitet. Nach Beendigung der Arbeiten in Tirol wurden die Daten aus Amerika und Österreich nach England an ein drittes Institut geschickt, das der russischen Generalstaatsanwaltschaft nunmehr die Ergebnisse übermittelt hat. „Somit ist für die russischen Behörden ein größtmögliches Maß an Neutralität und Sicherheit gegeben“, sagt Dr. Walter Rabl. „Es war notwendig, diese Funde mit äußerster Vorsicht zu behandeln. Bereits kleine Fehlerwahrscheinlichkeiten bei der Identifikation des Zaren, seiner Gattin und der Kinder würden nicht nur in Russland zu großen Zweifeln und Streit führen. Deshalb sind wir besonders stolz, dass unser Institut mit einer so sensiblen Untersuchung betraut wurde“, so Dr. Walter Rabl.

Jeden Zweifel ausgeräumt

„Dieser Fall war eine große Herausforderung, da nur sehr kleine Knochenstücke übermittelt wurden, von denen manche sogar noch Brandspuren aufwiesen“, berichtet Molekularbiologe Prof. Walther Parson. „Trotzdem gelang es uns, alle notwendigen DNA-Abschnitte erfolgreich zu untersuchen, um nun Gewissheit zu haben. Einige wenige DNA-Marker waren von den Romanows ja bereits bekannt. Wir haben alle Proben, auch jene der früheren Untersuchungen auf den neuesten Stand der Wissenschaft gebracht und nun umfangreiche genetische Information gesammelt, die jeden Zweifel beseitigen“, so Walther Parson. Die Laborarbeiten wurden von zwei russischen Wissenschafterinnen des gerichtsmedizinischen Instituts in Sverdlovsk beobachtet, die den Besuch am Innsbrucker Institut zur eigenen Fortbildung nutzten.

In Rekordzeit zum Ergebnis

„Erste Knochenreste aus dem Grab der beiden mutmaßlichen Zarenkinder haben wir Ende April erhalten. Die russischen Wissenschafterinnen haben später noch weiteres Knochenmaterial aus dem ersten, also dem Romanowgrab gebracht. Die Analysen der mitochondrialen, der autosomalen und der Y-chromosomalen DNA haben nur vier Wochen in Anspruch genommen. Das ist Rekord, vor allem wenn man die geringe Probenmenge und den qualitativ schlechten Zustand der Knochenzellen betrachtet“, so Dr. Walther Parson. Die siebenköpfige Zarenfamilie und vier Bedienstete wurden im Juli 1918 in Jekaterinburg in Sibirien von einem Exekutionskommando getötet. 1991 wurden die sterblichen Überreste der Familie des als Nikolaj Alexandrowitsch Romanow geborenen Zaren in einem Grab bei Jekaterinburg gefunden. Zwei der fünf Kinder haben allerdings gefehlt. Deren Überreste wurden im vergangenen Jahr in der Nähe in einem anderen Grab gefunden. Das Institut für Gerichtliche Medizin in Innsbruck konnte nun deren Identität zweifelsfrei klären.

(cf)

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© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 17.7.2008, 00:00:00+01:00ximsTwitter LogoFacebook Logo