Aktuell

Neue Therapiemöglichkeiten von Hirnmetastasen beim Melanom

Prof. Dr. Dirk Schadendorf (re.) mit Univ.-Prof. Dr. Mathias Schmuth (li.) und ao.Univ.-Prof.in Dr.in Van Anh Nguyen (Mitte).

31.10.2014

Sowohl HautärztInnen als auch MedizinerInnen aus anderen Fachrichtungen haben sich Mitte Oktober zum 81. Alpenländischen DermatologInnen-Nachmittag versammelt. Schwerpunktthema waren die neuesten Therapiemöglichkeiten von Hirnmetastasen beim Melanom. Der renommierte Experte für Krebserkrankungen der Haut, Prof. Dr. Dirk Schadendorf aus Essen, berichtete von aktuellen Studienergebnissen.

Die Zahl der Erkrankungen des maligen Melanoms nimmt während der letzten Dekaden weltweit zu. Trotz ansteigender Inzidenzraten konnten die Mortalitätsraten weitgehend konstant gehalten werden. Das kann einerseits einer verbesserten Früherkennung zugeschrieben werden (Aktion „Sonne ohne Reue“), aber auch einer zuletzt rasanten Entwicklung der Therapiemöglichkeiten bei fortgeschrittenen Stadien. Rund 30 bis 50 Prozent der PatientInnen mit einem Melanom entwickeln Metastasen im Gehirn. Insbesondere die Behandlung dieser Gehirnmetastasen stellt für die behandelnden ÄrztInnen eine große Herausforderung da: Seit 2011 und 2012 sind neue Medikamente für das metastasierende Melanom zugelassen, die effektiver als die bisherigen Therapiemöglichkeiten wirken. Im Rahmen des 81. Alpenländischen DermatologInnen-Nachmittag, haben sich HautärztInnen und MedizinerInnen sowie Fachkräfte aus anderen Fachrichtungen über die Erfahrungen mit der Anwendung der neuen Therapiemöglichkeiten ausgetauscht. Der Direktor der Essener Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Prof. Dr. Dirk Schadendorf, referierte über aktuelle Erkenntnisse aus klinischen Studien. Das Hauttumorzentrum der Essener Universitätsklinik ist wie auch die Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie in Innsbruck an zahlreichen internationalen Studien beteiligt. Erstmals werden bei den Analysen nun auch Melanom-PatientInnen mit Gehirnmetastasen berücksichtigt. Ein Ansatzpunkt der neuen Melanomtherapie ist beispielsweise das Protein „BRAF“ in den Melanomzellen, das durch eine Genmutation zu unkontrolliertem Wachstum führt. Die neuen Therapiemöglichkeiten mit so genannten BRAF-Inhibitoren richten sich gezielt gegen die daraus hervorgehende unkontrollierte Zellvermehrung und führen dazu, dass die Tumorzellen nicht mehr wachsen. Die frühen Grundlagen dieses revolutionären Therapiekonzeptes stammen unter anderem von Prof. Alex Levitzki, der bereits seit 25 Jahren an der Entdeckung spezifischer Inhibitoren forscht und dafür am 29. November 2014 in der Aula der Universität den Ilse und Helmut Wachter Preis erhält. „Durch die neuen Medikamente kann eine Überlebensverlängerung, allerdings noch keine Heilung erreicht werden“, erklärt ao.Univ.-Prof.in Dr.in Van Anh Nguyen. Die Oberärztin der Univ.-Klinik für Dermatologie und Venerologie hatte die Fortbildungsveranstaltung gemeinsam mit Direktor Univ.-Prof. Dr. Schmuth und FA Dr. Dietmar Heiser organisiert. Das Problem beim Einsatz der Inhibitoren ist, dass die PatientInnen Resistenzen entwickeln und daher diese Therapieform nicht dauerhaft wirkt. „In der Melanomforschung wird daher nach neuen Therapiemöglichkeiten gesucht. Außerdem werden neue Wirkstoffkombinationen untersucht“, erklärt ao.Univ.-Prof.in Van Anh Nguyen. Die Strahlentherapie ist ein weiterer wesentlicher Aspekt in der Therapie von Hirnmetastasen beim Melanom. Als Vortragender informierte ao.Univ.-Prof. Dr. Meinhard Nevinny-Stickel, stellvertretender Direktor der Innsbrucker Univ.-Klinik für Strahlentherapie-Radioonkologie (Direktor: Univ.-Prof. DI Dr. Lukas). Insbesondere die Möglichkeiten der gezielten, zum Beispiel stereotaktischen, Strahlentherapie ermöglichen heute wirksame und schonendere Behandlungsmöglichkeiten.

Zum Abschluss der Veranstaltung wurden dann im Rahmen der so genannten „Diaklinik“ besondere dermatologische Fälle besprochen. An der Veranstaltung nahmen neben den ExpertInnen der Innsbrucker Universitätskliniken auch viele junge und insbesondere niedergelassene FachärztInnen für Dermatologie und Venerologie teil. „Von dem regelmäßigen Austausch und der Berücksichtigung der aktuellsten Forschungsergebnisse in der Therapie profitieren insbesondere die PatientInnen“, erklärt ao.Univ.-Prof.in Nguyen.

(B. Hoffmann-Ammann)

Weitere Informationen:

https://www.i-med.ac.at/patienten/ukl_dermatologie.html

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 31.10.2014, 11:23:37ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo