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Vortrag über die Epidemiologie invasiver Pilzerkrankungen in Europa

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5.2.2013

Auf Einladung des Naturwissenschaftlich-Medizinischen Vereins in Innsbruck referierte Univ.-Prof.in Cornelia Lass-Flörl, Direktorin des Departments für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie der Medizinischen Universität Innsbruck vergangenen Dienstag zum Thema „Das wandelnde Gesicht der Epidemiologie invasiver Pilzerkrankungen in Europa“.

Seit seiner Gründung im Jahr 1870 bietet der Naturwissenschaftlich-Medizinische Verein in Innsbruck regelmäßige wissenschaftliche Vorträge, Berichte und Publikationen an. Im Mittelpunkt der Vereinstätigkeit stehen die Förderung der Naturwissenschaft und der Medizin sowie der gegenseitige Wissens- und Informationsaustausch sowohl zwischen den einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen, als auch zwischen der Universität Innsbruck und der Medizinischen Universität Innsbruck. Den Vorsitz übernimmt alternierend ein Vertreter oder eine Vertreterin der Naturwissenschaften und der Medizin. Im akademischen Jahr 2012/2013 übernahm Prof. Erich Gnaiger vom D. Swarovski Forschungslabor an der Universitätsklinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie den Vorstandsvorsitz.

Nach dem ersten Vortrag in diesem Semester - am 18. Dezember 2012 referierte Prof. Dr. Keith Garlid aus Portland (Oregon, US) über die Anfänge der Bioenergetik bis hin zur neuen mitochondrialen Medizin - folgte nun die Mikrobiologin Univ.-Prof.in Cornelia Lass-Flörl der Einladung des traditionsreichen Vereins. Vereinsvorstand Univ.-Prof. Erich Gnaiger vom D. Swarovski Forschungslabor begrüßte die interessierten Gäste am 22. Jänner im Hörsaal A der Fritz-Pregl-Straße und stellte die Leiterin der Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie kurz vor.

Auf dem Vormarsch: invasive Pilzinfektionen

„Invasive Pilzinfektionen nehmen weltweit zu“, weiß Prof.in Lass-Flörl. In ihrem Vortrag erläuterte die renommierte Mikrobiologin und Hygiene-Expertin Hintergründe und Auslöser dieses negativen Trends. Zwar sind die meisten der heute bekannten Pilzarten für den Menschen ungefährlich und nur wenige Pilze lösen Krankheiten aus, die bei gesunden Personen zudem harmlos verlaufen und sich meist auf Haut und Schleimhäute beschränken. Bei invasiven Pilzinfektionen (Mykosen), die  häufig von Erregern der Schimmelpilz-Gattungen Aspergillus oder der Hefepilz-Gattungen Candida ausgelöst werden, kann es jedoch zum Befall mehrerer Organe kommen. Das passiert, wenn die Infektion zu spät erkannt wurde oder immunschwache PatientInnen betroffen sind. „Aufgrund des Fortschritts in der onkologischen Therapie und der Transplantationsmedizin vergrößert sich die Risikopopulation für Pilzinfektionen - sog. `patients at risk´- stetig. In dieser Gruppe ist das therapiebedingt geschwächte Immunsystem nicht mehr in der Lage, eine Infektion abzuwehren“, nennt Lass-Flörl einen der Gründe für die steigende Infektionsrate.

Eine weitere Ursache gründet sich im Einsatz von Azolen in der Landwirtschaft. Neben Polyenen und Candinen bilden Azole effiziente und gut verträgliche Bestandteile der Therapie mit Antimykotika. „Der Einsatz von Azolen zur Ausrottung von Pflanzenschädlingen ist hier natürlich kontraproduktiv, weil die Resistenz der Pilze zunimmt. In den Niederlanden und in Großbritannien zeigen sich die höchsten Zunahmen. Noch im Jahr 2000 gab es keine Azol resistenten Pilze, 2012 sind es aber bereits 10 Prozent“, gibt Lass-Flörl zu bedenken. Zwar gebe es europaweite Initiativen, Azole bei der Schädlingsbekämpfung einzusparen, „doch der schnellste und effektivste Weg führt zur Zeit über den möglichst frühen Einsatz der spezifischen Therapie, wozu eine rasche Diagnostik gehört“, betont die Expertin.

Aber auch die globale Erderwärmung trägt zur steigenden Pilzinfektionsrate bei. Die Widerstandfähigkeit der Erreger überrascht selbst die Fachwelt. „Das Überleben außereuropäischer Erreger, etwa aus Amerika, Südamerika und Afrika, wird durch die zunehmend warmen Winter in unseren Breiten begünstigt. Dazu kommt die intensive Reisetätigkeit, die die Ausbreitung exotischer Pilze fördert“, so Lass-Flörl. Die aus Kanada über befallenes Holz eingeschleppte Pilzgattung Cryptococcus gattii etwa, ist in den Niederlanden bereits heimisch.

(D.Heidegger)

Links:

Naturwissenschaftlich-Medizinischer Verein in Innsbruck

http://www.uibk.ac.at/natmedverein/   

Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie
http://www3.i-med.ac.at/hygiene/

 

 

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 5.2.2013, 11:19:00ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo