Risiko für Kiefernekrosen bei der Therapie von Knochenmetastasen kann im Schnitt 238 Tage vorausgesagt werden
PET-CT-Bilder machen Entzündungsherde im Kiefer sichtbar. Dadurch ermöglichen sie es, frühzeitig und sehr genau vorherzusagen, wo sich unter Denosumab eine Kiefernekrose entwickeln könnte. Christine Brunner und Miriam Emmelheinz haben mit ihrem Team an der Univ.-Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe Patientinnen untersucht, die an Brustkrebs mit Knochenmetastasen erkrankt sind und sie haben einen Weg gefunden, wie Kiefernekrosen von vornherein verhindert werden können.
Im PET-CT leuchten Entzündungsherde am Kiefer auf. Nuklearmediziner:innen können anhand dieser Bildgebung fast bis auf den Zahn genau vorhersagen, wo sich in den kommenden durchschnittlich 238 Tagen die Kiefernekrose entwickeln wird – falls sich eine Kiefernekrose entwickelt. „Das ist wichtig“, wie Christine Brunner betont. Denn nicht jede Patientin mit einem Zahnherd, die sie im Rahmen ihrer Studie betreut hat, bekam eine Nekrose. „Aber geradezu jede, die eine Nekrose entwickelt hat, hatte vorher einen Zahnherd und zwar genau an der Stelle, an der später die Nekrose auftrat“, sagt Brunner. Die Gynäkologin ist Letztautorin, Miriam Emmelheinz firmiert als Erstautorin der Studie, die kürzlich in eClinicalMedicine (The Lancet-Gruppe) erschienen ist.
Die Medizinerinnen haben in ihrer Studie 63 Patientinnen untersucht, die an Brustkrebs mit Knochenmetastasen erkrankt sind und monatlich 120 mg Denosumab zur Stabilisierung der Knochen injiziert bekommen. Dasselbe Medikament wird in einer deutlich niedrigeren Dosis auch bei Osteoporose eingesetzt. In einer vorhergehenden Untersuchung konnte Brunner mit Kolleg:innen bereits zeigen, dass Kiefernekrosen unter Denosumab wesentlich häufiger auftreten, als in der Packungsbeilage beschrieben (siehe: https://www.i-med.ac.at/mypoint/news/785854.html).
Mit einer Vorhersagezeit von im Mittel 238 Tagen und hoher Genauigkeit können Veränderungen im Kiefer lange vor der klinischen Symptomatik identifiziert werden. Dafür haben die Gynäkolog:innen von Nuklearmediziner:innen PET-CT- Bilder begutachten lassen, die vor Therapiebeginn mit Denosumab sowie alle drei Monate weiter im Verlauf aufgenommen wurden.

Erstautorin Miriam Emmelheinz und die korrespondierende Autorin Christine Brunner haben die Studie an der Frauenklinik Innsbruck durchgeführt.
Dank Zahnsanierung keine Nekrose
Als Konsequenz empfehlen die Innsbrucker Mediziner:innen allen Patient:innen – auch Männern, die beispielsweise nach Prostatakrebs Knochenmetastasen entwickelt haben –, vor Beginn der Behandlung mit Denosumab den Zahnstatus abklären und bei Bedarf eine Zahnsanierung durchführen zu lassen. An der Innsbrucker Univ.-Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie wurde für Medikamenten-assoziierte Kiefernekrosen eine Spezialambulanz eingerichtet. Die Zahnsanierung könne durchaus radikal sein, sagt Brunner. Häufig hätten Patientinnen Entzündungsherde, etwa wegen schlecht sitzender Prothesen, manchen müssten im Zuge der Behandlung mehrere Zähne gezogen werden, könnten dadurch aber einer Nekrose entgehen. „Die Überarbeitung der Leitlinien läuft leider langsam. Ich bin mir aber sicher, dass unsere Studienergebnisse in die neuen Behandlungsempfehlungen aufgenommen werden“, ist Brunner zuversichtlich.
Dritte Studie dreht sich um Vorhersagekraft von CT-Bildern
Optimistisch blickt sie auch dem großen Onkologie-Kongress in Chicago entgegen. Schweizer Forscher:innen wollen dort die Ergebnisse ihrer Reduce-Studie präsentieren: Die Wissenschafter:innen wollen zeigen, dass eine weniger häufige Dosierung des Medikaments mindestens gleich wirksam ist wie die zugelassene Standarddosierung. Unterdessen sind Emmelheinz und Brunner mit dem dritten Teil ihrer Denosumab-Studie beschäftigt. „Ein PET-CT, bei dem die Entzündungsherde richtig aufleuchten, ist zwar elegant, aber teuer. Außerdem haben wir nur hier am Zentrum in Innsbruck die Möglichkeit, ein PET-CT anzufertigen. In den peripheren Krankenhäusern ist diese Untersuchung nicht verfügbar. Daher haben wir auch nur Innsbrucker Patientinnen in die Studie einbeziehen können“, schildert Brunner. In der Nachfolgestudie wollen die Forscherinnen deshalb untersuchen, ob Zahnherde auch auf CT-Bildern lokalisiert und Nekrosen damit vorausgesagt werden können, sodass künftig auch Patient:innen aller Krankenhäuser von den Erkenntnissen profitieren können.
Forschungsarbeit:
Emmelheinz, Miriam et al., Early detection of medication-related osteonecrosis of the jaw (MRONJ) in patients with metastatic breast cancer using FDG-PET/CT scans, eClinicalMedicine, Volume 92, 103763, DOI: 10.1016/j.eclinm.2026.103763.
(Innsbruck, 19. März 2026, Text. T. Mair, Fotos: Univ.-Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, tirol kliniken/E. Obex).
Weitere Links:
Brustkrebs: Studie der Medizin Uni Innsbruck bringt neue Erkenntnisse zur Therapie bei Knochemetastasen (mypoint-Bericht)
Univ.-Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe
