Aktuell
Die Entwicklung neuer Methoden in der Gerichtsmedizin macht die Innsbrucker ExpertInnen zu gefragten AnsprechpartnerInnen bei schwierigen Kriminalfällen. Foto: MUI/ C. Lackner.

Wer ist die Isdalen Frau? Innsbrucker Gerichtsmedizin unterstützt Ermittlungen

Neue Methoden in der Gerichtsmedizin sollen dabei helfen, einen mysteriösen Kriminalfall zu lösen: Am 29. November 1970 wurde nahe Bergen in Norwegen eine Frau tot aufgefunden. Trotz umfangreicher Ermittlungen konnte die Identität der Toten nicht festgestellt werden. Jetzt rollt die norwegische Polizei den Fall mit Unterstützung eines TV-Senders neu auf und setzt dabei auch auf das Knowhow des Institutes für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck.

Medien in ganz Europa berichten derzeit über einen mysteriösen Todesfall in Norwegen: Der Fall um die am 29. November 1970 aufgefundene Frauenleiche gibt viele Rätsel auf. Nach ihrem Fundort in der Nähe von Bergen wird die Tote „Isdalen-Frau“ genannt. Die Leiche der 1,64 Meter großen Frau mit braunen Haaren wurden entkleidet und halb verbrannt in einem Waldstück aufgefunden. Neben ihr lagen diverse Fundstücke, unter anderem Kleidungsstücke. Allerdings waren alle Etiketten entfernt, um eine Rückverfolgung zu erschweren. Die damaligen Ermittlungen ergaben, dass die Frau durch ganz Europa gereist war und dabei verschiedene Pseudonyme benutzt hat. Daher wurde unter anderem vermutet, dass es sich bei der Toten um eine Spionin handelt. Es gab aber auch Hinweise auf eine lateinamerikanische beziehungsweise eine ostasiatische Herkunft der Toten. Neue Ermittlungen sollen jetzt Licht ins Dunkel bringen. Der norwegisch Fernsehsender NRK begleitet die neuen Unternehmungen der norwegischen Polizei, bei der auch das Institut für Gerichtliche Medizin (o.Univ.-Prof. Dr. Richard Scheithauer) eine Rolle spielt.

Prädiktive DNA-Analysen sollen Informationen zur Herkunft der Verstorbenen liefern
Das norwegische Ermittlerteam hat sich, wie viele KollegInnen aus anderen Ländern auch, an das Innsbrucker Institut gewandt, weil Richard Scheithauer und seine KollegInnen gerade bei schwierigen Fällen renommierte AnsprechpartnerInnen sind. Im Fall der neuen Ermittlungen zur „Isdalen-Frau“ sollte der Leiter des Forschungsschwerpunktes „Forensische Genomik“, ao.Univ.-Prof. Dr. Walther Parson dabei helfen, weitere Informationen über die Herkunft der Verstorbenen zu erhalten. „Im Rahmen der prädiktiven DNA Analyse kann die geografische Herkunft einer unbekannten Probe ermittelt werden. Die Auflösung dieser DNA-basierenden Tests liegt derzeit im sub-kontinentalen Auflösungsbereich. Wir können also eine europäische Zuordnung von einer afrikanischen, ostasiatischen, ozeanischen und lateinamerikanischen Zuordnung abgrenzen“, erklärt Parson. „Die DNA-Analyse im Falle der „Isdalen-Frau“ waren erfolgreich und klar. Die ermittelten genetischen Daten erbrachten Hinweise auf eine europäische Herkunft. Nun liegt es an den Ermittlern, diese neuen Informationen zu verwerten.“

Biologische Spuren geben immer mehr Auskunft
Walther Parson gilt als anerkannter Experte für die Entwicklung neuer Methoden in der Gerichtsmedizin. Ziel der Forschungsarbeiten ist es, aus biologischen Spuren, die an Tatorten sichergestellt werden, immer mehr Informationen zu erhalten. Aktuell ist das Innsbrucker Institut für Gerichtliche Medizin so beispielsweise an dem EU-Projekt VISAGE beteiligt. Dabei arbeitet ein internationales Konsortium daran, aus der DNA einer biologischen Tatortspur ein Phantombild zu erstellen. Ein weiterer wichtiger Forschungsschwerpunkt in diesem Zusammenhang ist die Analyse der mitochondrialen Genomsequenzen, der sogenannten mtDNA, die in mütterlicher Vererbung ohne Einfluss der väterlichen mtDNA weitergegeben wird. Mit neuen „Next Generation Sequencing“ Geräten, welche die Innsbrucker Gerichtsmedizin 2012 als erstes rechtsmedizinische Institut in Europa erhalten hat, ist Parsons Arbeitsgruppe in der Lage, mitochondriale Genomsequenzen auch aus Proben zu ermitteln, die nur mehr sehr geringe biologische Spuren enthalten. Ein weiterer Ansatz sind unter anderem Y-chromosomale Untersuchungen, die beispielsweise der Verwandtschaftsanalyse über die väterliche Linie dienen.

(B. Hoffmann-Ammann)

Weitere Informationen:

Institut für Gerichtliche Medizin

NRK – Internationale Seite des Fernsehsenders zum Fall

Innsbrucker Gerichtsmedizin identifiziert zweites Studentenopfer

Internationale Anerkennung für Innsbrucker Gerichtsmediziner

 

 

 

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 5.7.2017, 14:32:39ximsTwitter LogoFacebook Logo