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Ärztekammer für Tirol zeichnet Forschung zu Lipoprotein(a) aus

Der Mediziner und Epidemiologe Dr. Peter Willeit MPhil PhD wurde vergangene Woche im Rahmen eines Festaktes für seine Forschung zum Blutfett Lipoprotein(a) als Prädiktor von Herz-Kreislauf-Erkrankungen von der Tiroler Ärztekammer ausgezeichnet. Der Förderungspreis gilt als besondere Wertschätzung klinisch tätiger WissenschafterInnen.

Seit 1975 zeichnet die Tiroler Ärztekammer regelmäßig wissenschaftliche Arbeiten von jungen (unter 40 Jahren), ärztlich tätigen WissenschafterInnen mit einem Förderungspreis in der Höhe von 4.000 Euro aus.

In diesem Jahr geht die Auszeichnung an Dr. Peter Willeit von der Neurovaskulären Arbeitsgruppe der Univ.-Klinik für Neurologie (Direktor o.Univ.-Prof. Dr. Werner Poewe), der seit Anfang letzten Jahres als Erwin-Schrödinger-Fellow am King’s College London über die Bedeutung von mikroRNAs bei kardiometabolischen Erkrankungen forscht und dazu in regem wissenschaftlichen Austausch mit Forschungsteams der Medizinischen Universität Innsbruck steht. Der Preisträger absolvierte nach Abschluss seines Medizinstudiums in Innsbruck 2009 ein Master- und PhD-Studium im Bereich Epidemiologie und Public Health an der Universität Cambridge, wo er anschließend als Postdoc arbeitete. Er ist außerdem wissenschaftlicher Koordinator der Emerging Risk Factors Collaboration, die mit 125 Studien und 2,5 Millionen StudienteilnehmerInnen eines der größten Konsortien im Bereich kardiovaskulärer Erkrankungen darstellt.

Bessere Risikoeinschätzung mit Lipoprotein(a)
Die mit dem Preis der Tiroler Ärztekammer ausgezeichnete wissenschaftliche Arbeit von Dr. Willeit befasst sich mit dem Blutfett Lipoprotein(a) / Lp(a) als Prädiktor kardiovaskulärer Erkrankungen. „Die derzeitigen europäischen und amerikanischen Richtlinien empfehlen die Erfassung etablierter Risikofaktoren wie Diabetes und Gesamtcholesterin zur Abschätzung des kardiovaskulären Risikos einer/s Patientin/en“, erklärt Dr. Willeit. „Wir konnten jedoch zeigen, dass die zusätzliche Messung des Lp(a)-Spiegels zu einer wesentlichen Verbesserung dieser Risikoabschätzung führt und somit einen gezielteren Einsatz von Lebensstil- und therapeutischen Interventionen ermöglicht.“ Die wissenschaftliche Arbeit, welche auf Daten der Bruneck-Studie basiert, ist aus einer Kooperation der Univ.-Klinik für Neurologie mit der Sektion für Genetische Epidemiologie (Direktor Univ.-Prof. Dr. Florian Kronenberg) und der University of California-San Diego hervorgegangen. Sie wurde im September 2014 im Journal of the American College of Cardiology gemeinsam mit einem Editorial publiziert.

Im Unterschied zu manchen anderen Blutfetten, werden die Lp(a)-Spiegel vorwiegend genetisch reguliert, die dafür verantwortlichen Faktoren sind jedoch noch nicht vollständig entschlüsselt. Bislang war eine medikamentöse Beeinflussung des Lp(a)-Spiegels nicht möglich. Dies könnte sich in den nächsten Jahren jedoch ändern. Erst kürzlich wurde eine Phase I-Studie mit Antisense-Oligonukleotiden im Journal Lancet publiziert, an der Weiterentwicklung zu einer anwendbaren Therapie wird gearbeitet.

Die nun ausgezeichnete Forschungsarbeit von Dr. Willeit ist ein weiterer Baustein der bereits 30-jährigen Lp(a)-Forschungstätigkeit an der Medizinischen Universität Innsbruck, die mit Prof. Gert Utermann begonnen und über Prof. Kronenberg und ao. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Hans Dieplinger ihre Fortsetzung findet. Im Rahmen des diesjährigen Kongresses der European Atherosclerosis Society in Innsbruck wird von 27. bis 28. Mai ein internationales Satellitensymposium zum Thema „Lp(a) – From Bench to Bedside“ stattfinden. In diesem Rahmen werden internationale ExpertInnen ihre neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse präsentieren und diskutieren.

(D. Heidegger)

 

Links:

Discrimination and net reclassification of cardiovascular risk with lipoprotein(a): prospective 15-year outcomes in the Bruneck Study. Willeit P, Kiechl S, Kronenberg F, Witztum JL, Santer P, Mayr M, Xu Q, Mayr A, Willeit J, Tsimikas S., J Am Coll Card 2014;64:851-60.

Is Lp(a) ready for prime time? Nicholls SJ, Brown A., J Am Coll Cardiol 2014;64:861-2.

Wissenschaftspreis Tiroler Ärztekammer

Neurovaskuläre Arbeitsgruppe

Netzwerk Research Gate / Peter Willeit

Satellitensymposium „Lp(a) – From Bench to Bedside“

 

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 25.2.2016, 09:44:48ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo