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Hygiene-Preis der Rudolf Schülke Stiftung 2013 geht nach Innsbruck

Ende November letzten Jahres fanden Dr. Christian Mair (MD, PhD) und ao. Univ.-Prof. Dr. Markus Nagl (MD) von der Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie Anerkennung durch die deutsche Rudolf Schülke Stiftung. Ihre in PlosOne publizierte Forschungsarbeit zur Wirkung des körpereigenen Antiseptikums N-Chlortaurin auf das Gift Shigatoxin wurde mit dem Hygiene-Preis 2013 ausgezeichnet.

Alle zwei Jahre vergibt die Rudolf Schülke Stiftung in Hamburg den Hygiene-Preis an WissenschafterInnen, die besondere Problemlösungen im Bereich der Hygiene, Mikrobiologie und Präventivmedizin erzielt haben. Den mit 15.000 Euro dotierten Preis teilen sich in diesem Jahr eine Arbeitsgruppe aus Köln sowie das Team um ao Univ.-Prof. Dr. Markus Nagl aus der Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie (Direktorin: Univ.-Prof.in Dr.in  Cornelia Lass-Flörl) für die Arbeit "N-Chlorotaurine, a Long-Lived Oxidant Produced by Human Leukocytes, Inactivates Shiga Toxin of Enterohemorrhagic Escherichia coli”.

N-Chlortaurin als neues Antiseptikum bestätigt

N-Chlortaurin (NCT), eine von aktivierten weißen Blutkörperchen (Granulozyten und Monozyten) bei Entzündung produzierte, körpereigene Substanz, erwies sich in mehreren klinischen Studien der Phase 1 und 2 sowie in Fallstudien als mild oxidierendes und deshalb sehr gut verträgliches und wirksames Antiseptikum bei Infektionen am Auge, im HNO-Bereich (äußerer Gehörgang und Nasennebenhöhlen), bei Beingeschwüren, in der Harnblase, oder bei Organabszessen. Aufgrund des oxidierenden Wirkmechanismus können auch sämtliche antibiotika-resistenten Erreger mit N-Chlortaurin erfolgreich behandelt werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Innsbrucker Arbeitsgruppe um Prof. Nagl, der es gelang, das von Univ.Prof. Dr. Waldemar Gottardi erstmals synthetisch hergestellte Natriumsalz von N-Chlortaurin in den letzten 20 Jahren als Antiseptikum verwendbar zu machen.

„In der nun prämierten Arbeit konnten wir in Zusammenarbeit mit den Arbeitsgruppen um Priv.Doz.in Dr.in Dorothea Orth-Höller (Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie) und Univ.-Prof. Dr. Herbert Lindner (Sektion für Klinische Biochemie) erstmals auf molekularer Ebene zeigen“, so Erstautor Dr.med Mair, der die Arbeit im Rahmen seines PhD-Doktoratsstudiums durchführte, „dass NCT mit Bakteriengiften chemisch reagiert und diese inaktiviert. Als Modell-Toxin verwendeten wir das von Enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC) produzierte Shiga Toxin 2 (Stx2). Bei Shiga Toxin  2 handelt es sich um ein vom Durchfallbakterium EHEC in die Blutbahn ausgesandtes Gift, welches der ursächliche Virulenzfaktor für das sogenannte Hämolytisch Urämische Syndrom (HUS) ist. EHEC-Infektionen führten gerade in letzter Zeit auch in Deutschland zu einem Ausbruch mit diesem zum Teil lebensbedrohlichen Syndrom.“ Das Team konnte mittels spezifischer Verfahren nachweisen, dass Bakterienwachstum und ShigaToxin 2-Produktion bereits durch eine geringe Konzentration von NCT gehemmt werden. Das mit NCT behandelte Stx 2 kann so nicht mehr in die Zellen eindringen.

Die Relevanz der Forschungsergebnisse betrifft sowohl das menschliche Abwehrsystem als auch die therapeutische Anwendung von Antiseptika. „Die Tatsache, dass nicht nur die Krankheitserreger selbst, sondern auch deren Toxine durch NCT inaktiviert werden, spricht für die Anwendung dieses neuen, sehr gut verträglichen Antiseptikums, welches einen echten Fortschritt in der Lokaltherapie von Infektionen darstellt – besonders an sehr empfindlichen Körpergegenden“, betont Teamleiter Prof. Markus Nagl.

(D.Heidegger)

 

Links:

N-chlorotaurine, a long-lived oxidant produced by human leukocytes, inactivates Shiga toxin of enterohemorrhagic Escherichia coli. Eitzinger C, Ehrlenbach S, Lindner H, Kremser L, Gottardi W, Debabov D, Anderson M, Nagl M, Orth D. PLoS One. 2012;7(11):e47105. Epub 2012 Nov 6.
http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0047105

Sektion für Hygiene und medizinische Mikrobiologie
http://www3.i-med.ac.at/hygiene/  

Rudolf-Schülke Stiftung
http://www.rudolf-schuelke-stiftung.de/

 

 

© Medizinische Universität Innsbruck - Alle Rechte vorbehaltenMail an i-master - Publiziert am: 9.1.2014, 08:50:27ximsTwitter LogoFacebook LogoInstagram LogoYoutube Logo